Als Mutter selbstständig im Home Office – Don’t wish for it, work for it.

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Melanie von „Glücklich scheitern“ hat gerade eine Blogparade zum Thema „Homeoffice #elternedition“ ins Leben gerufen und ich berichte in diesem Beitrag über meine Selbstständigkeit (im Home Office). „Als Mutter selbstständig im Home Office arbeiten“ – das klingt wie ein Traum und ich werde entsprechend oft darauf angesprochen. Hier kannst du lesen, wie ich zur Mutter geworden bin, die das Privileg genießt, den ganzen Tag kaffeeschlürfend im Schlafanzug durch die Wohnung zu laufen und dabei auch noch Geld zu verdienen (Ironie off).

 

#Optimierungsopfer

Mein kinderloses Ich empfand damals ein ganzes Jahr Elternzeit als eine unglaublich lange Zeit. Ich konnte mir absolut nicht vorstellen so lange „untätig zu Hause rum zu hängen“. Und tatsächlich fiel es mir in der Elternzeit sehr schwer mich auf das Mamasein zu konzentrieren, was aber weniger damit zu tun hatte, dass ich nichts zu tun gehabt hätte 😉 Nein, mir fehlte eine Aufgabe, ein Projekt. Eine Sache, die nur für mich bestimmt war. Als Max drei Monate alt war, beschloss ich aufbauend auf mein Studium eine Coachingausbildung zu beginnen um die Zeit für etwas zu nutzen, das ich ohnehin noch plante (#Optimierungsopfer).

Das große Betreuungsfragezeichen

Eine neue Festanstellung als Personalerin, wie ich sie noch zu Beginn meiner Elternzeit anstrebte, erschien mir im Laufe der Elternzeit immer unrealistischer. Zunächst weniger aufgrund der Inhalte der Arbeit, sondern viel mehr aufgrund der Umstände. Wir haben keine Familie in der Nähe, die zeitweise oder notfalls eine Kinderbetreuung übernehmen könnte. Wenn Max krank wäre, müsste sich also einer von uns Eltern ebenfalls krank melden. Schon beim Gedanken daran schnürte es mir irgendwie die Luft ab. Kleine Kinder werden eben häufig mal krank und ich möchte meinen Job gut machen. Ich sah mich fast ein bisschen gezwungen die Sache selber in die Hand zu nehmen. Wir organisierten für drei Tage pro Woche eine Tagesmutter und beschlossen, dass ich meine Selbstständigkeit nun also endlich richtig angehen und meinen Traumberuf Coach mit dem Traum vom Home Office (mit Kind) zu realisieren versuchen würde. Das ließ mich zunächst einmal ganz gewaltig an meine Grenzen stoßen..

Eigene Wege gehen

Als Selbstständige musste ich feststellen, dass ich mich um die Dinge, die ich möchte, selber kümmern muss. Mich kennt niemand, ich muss mich verkaufen, bewerben, Akquise betreiben. Rechnungen schreiben, meinen Tag planen, alles alleine erledigen. Natürlich, so ist das eben, wenn man selbstständig ist. Das wusste ich vorher. Nichts davon war mir in der Theorie neu, in der Praxis sehrwohl schon. „Ich kann das nicht.“ dachte ich oft und war wirklich wie gelähmt. Monatelang.
Zu meinem großen Glück hat mein ehemaliger Dozent, ebenfalls Coach, mich immer wieder angetrieben, mir Projekte zugespielt, mich angerufen, mich informiert, mich in neue Aufgaben eingebunden. Häufig war das mein Anker, denn es gab tatsächlich Tage, an denen ich mit niemandem gesprochen habe. Es gab Tage, an denen ich von 8 bis 15 Uhr, der Abholzeit bei der Tagesmutter, in meinen Laptop starrte und am Ende aber nur das Gefühl zurückblieb nichts getan zu haben. Die Selbstständigkeit kostete mich unglaublich viel Kraft und forderte mich heraus mich mit mir selber zu beschäftigen.

Selbststaendig_Home Office

Hinzu kam, dass ich mir bezüglich meiner Arbeitsinhalte immer unsicherer wurde. Personalentwicklung, Organisationsentwicklung, Recruiting – Themen, die mich wirklich sehr interessieren. Aber sie machten mich auch unglaublich müde und es dauerte eine Weile, bis ich das so recht begriffen hatte.
Mir einzugestehen, dass ich keine Lust mehr auf Business Coaching habe, fiel mir unglaublich schwer. Ich sah mich selber in dieser Rolle und wollte nicht recht wahrhaben, dass ich da überhaupt nicht hinein passte. Einigen betriebswirtschaftlichen Maßnahmen, die ich begleitete, stand ich schon lange äußerst kritisch gegenüber. Letztlich wollte ich nicht mehr Teil dessen sein, mich davon distanzieren.

In meiner zweiten Schwangerschaft war mir anfangs extrem übel und ich war so müde, auch von all dem Selbstständigkeitsgedöns, dass ich überhaupt nicht mehr arbeitete. Jedenfalls nicht als Business Coach. Der Blog gewann an Bedeutung für meinen persönlichen Ausdruck und ich erkannte, wie sehr mich auch die Hochsensibilität fesselte.

Sich selber treu sein

Was von meiner Selbstständigkeit übrig blieb war also mein Blog, den ich nach meiner Entscheidung dem Business Coaching weitestgehend den Rücken zu kehren nach und nach grunderneuerte. Ich schrieb über Dinge, die mich bewegten. Über Gedanken, die mir wichtig erschienen. Am Ende landete ich doch immer wieder bei (m)einem besonderen Thema: Der Hochsensibilität.

Das große Ganze

Ich versuchte die Puzzlestücke meiner Karriere zusammenzufügen; versuchte meine Kompetenzen, meine Leidenschaft, meine Gedanken zu verbinden und entschloss den Blog mit meiner Freiberuflichkeit als Coach zu verbinden.

Das Glück findet man nicht zwangsläufig da, wo man das Geld findet.

So habe ich es mir zum Ziel gemacht, mit meinem Blog Menschen, insbesondere Mütter zu erreichen, die die Hochsensibilität interessiert oder die selber hochsensibel sind. Ich möchte Austausch schaffen und coachen, denn sowohl der Austausch als auch das Coaching hätte mir als frisch gebackene Mama sehr gut getan. Ich möchte, dass es anderen Mamas anders geht und sie Zugang finden, ohne diesen schweren Weg durchleben zu müssen.

Natürlich muss ich mit dem was ich tue auch Geld verdienen. Der erste Schritt aber, die einzelnen Puzzleteile zusammenzufügen und daraus etwas zu schaffen, das mir und meiner Fähigkeit entspricht, ist geschafft. Das was ich tue fühlt sich gut an. Das was ich tue stößt auf Anklang. Meine Arbeit trägt Früchte und meine Erlebnisse als hochsensible Mutter werden in etwas Positives verwandelt, konnte ich anfangs doch nur das Negative darin sehen.

Mein wahrgewordener Traum

Für mich ist es ein unglaublich hohes Gut von zu Hause aus arbeiten zu können. Es ist eine Mischung aus Fremdbetreuung für die Kinder und Freiheit für uns als Familie. Ich unterliege keinem Druck von Außen. Meine Arbeitswut kann ich notfalls abends ausleben, wenn die Kinder schlafen. (Jedenfalls wenn sie dann schlafen..).
Es bedarf keiner wilden Konstrukte aus Betreuungspersonen, um den Alltag zu wuppen – jedenfalls, so lange niemand krank wird, denn dann wird es verdammt anstrengend und kräftezehrend.
Als hochsensibler Mensch fällt es mir grundsätzlich schwer, nicht völlig selbstbestimmt zu sein in dem was ich tue. Das war im klassischen Angestelltendasein eine große Herausforderung für mich, weil ich Entscheidungen meist nur dann akzeptieren kann, wenn ich sie selber getroffen habe. Nun entscheide ich selber; das ist genau richtig für mich.
Es ist so wunderbar tun zu können, was mir liegt. Mit mir neuen Menschen in Kontakt zu treten, zuzuhören, die richtigen Fragen zu stellen, dafür zu sorgen, dass sich Menschen gut fühlen können.

Ich habe heute leider keine Tipps für dich

Ich kann keine Tipps zum Home Office geben. Weder zum Aufbau einer Selbstständigkeit, noch zur Organisation des Alltags im Home Office. Ich weiß nur, dass man sich sich selber gegenüber öffnen und in sich hinein hören sollte, wenn man eine Selbstständigkeit angehen möchte. Eine Selbstständigkeit verändert sich, besonders wenn man sich als digitaler Nomade durchs Leben bewegt. Die Umwelt erfordert, sich und seine Arbeit an die Umstände anzupassen. Es braucht Kreativität und Einfühlungsvermögen auf diese Weise zu arbeiten. Es ist okay sich zu verändern, es ist auch okay sich dagegen zu entscheiden.

Mir persönlich hilft der Austausch sehr. Wie geht es anderen Selbstständigen? Vielleicht sogar im Home Office? Einen kleinen Tipp habe ich deshalb: Gerade findet der Familien-Online-Business-Kongress von Familienleicht statt, in dem du viel Input von anderen selbstständigen Menschen bekommen kannst.

xo Jil

P.S. Ich laufe übrigens wirklich oft kaffeeschlürfend durch die Wohnung. Ich räume auf bevor ich mit meiner Arbeit starte und es gibt selten auch Tage, an denen arbeite ich abends, weil ich mir tagsüber lieber die Nägel lackiere.

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5 Kommentare

  1. Ein sehr schöner Beitrag, der auch Mut macht und motiviert. Besonders wichtig für mich, es kann funktionieren aber es zeigt mir auch das es andere Menschen wie dich gibt bei denen es etwas gedauert hat und nicht gleich das Richtige war.

    Danke für den Beitrag.
    Liebe Grüße Dany
    http://www.danyalacarte.de

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Liebe Dany,
      wenn man erfolgreiche Menschen sieht, gibt es viele davon, die zig Projekte laufen hatten, bevor sie erfolgreich waren. Das ist eine, finde ich, wichtige Info und zeigt, dass man loslassen, gleichzeitig aber weitermachen sollte. Die, die auf Anhieb erfolgreich sind, sind doch eher rar, oder was meinst du?
      LG Jil

  2. Schöner Artikel! Wie schön, dass Du -wenn auch über einen kleinen Umweg- dein Traumziel erreicht hast.
    Ich würde meinen Job auch gerne schmeissen, weiss aber nicht was ich dann machen soll…ich kann auch nichts, womit man sich selbständig machen kann
    Liebe Grüße!

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Liebe Wencke, danke dir für den Kommentar! Als was arbeitest du denn? Du hast bestimmt auch eine Leidenschaft, mit der sich Geld verdienen lässt 🙂
      Liebe Grüße Jil

  3. Liebe Jil, ich finde es auch so wichtig, das zu machen, was einem liegt und nicht nur etwas zu tun, weil es eben Geld einbringt. Weiter so! Vielleicht sehen wir uns mal beim Blogger-Treffen in Darmstadt 🙂 Liebe Grüße, Ella

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