Die Liebe wird uns heilen

Geburtstrauma, Postpunktioneller Kopfschmerz und Postnatale Depression

Ich schaue mir Fotos von unserer Tochter an, die ich in den ersten Tagen nach ihrer Geburt gemacht habe, als wir noch im Krankenhaus lagen. Das ist nun schon ein Weilchen her, aber ich erinnere mich nicht daran diese Fotos gemacht zu haben. Auch an die Momente, die auf den Fotos festgehalten sind, fehlt mir jegliche Erinnerung. Nicht, weil mein Gedächtnis so schlecht wäre, sondern, weil ich diese Momente tatsächlich nur am Rande mitbekommen habe. Ich war da und irgendwie ganz wo anders. Ich war traumatisiert, wütend und depressiv.

Die schönste Kaiserschnitt der Welt hinterlässt Spuren

Der geplante Kaiserschnitt, der im Grunde die schönste Geburt der Welt für mich war, hat seine Spuren hinterlassen. Nicht nur die Narbe an meinem Bauch, durch die meine beiden Kinder das Licht der Welt erblickten. Dieses Mal war es mehr als das. Mir tat der Rücken weh von mehreren Fehlversuchen mich zu betäuben. Durch die Spinalanästhesie litt ich an postpunktionellen Kopfschmerzen, die sich durch nichts, wirklich nichts, verbesserten (darüber habe ich bereits im Beitrag „Gewalt in der Geburtshilfe auch als Kaiserschnitt-Mama?“ berichtet und möchte hier nicht näher darauf eingehen.).

Zu all den körperlichen „Wehwehchen“ gesellte sich eine fette postnatale Depression. Schon bei Max war ich im Wochenbett betrübt, in mich gekehrt und weinerlich. Dieses Mal kam es deutlich schlimmer, so, dass es nichts schönzureden gab. Ob es an den mit einhergehenden körperlichen Beschwerden lag, ich weiß es nicht. Nach der Geburt unserer süßen Tochter ging es mir jedenfalls nicht gut. Gar nicht gut.

Das erste Mal

Die erste Zeit mit Baby, die habe ich beim ersten Mal, trotz dem ungeplanten Kaiserschnitt und viel weinendem Baby, als so unglaublich magisch und überwältigend in Erinnerung. So zauberhaft neu, geborgen und kuschelig. Ein ganz klein wenig spüre ich dieses Gefühl auch, wenn ich an die zweite Geburt und das Wochenbett danach denke. Wir konnten unsere Tochter trotz Kaiserschnitt die ersten Minuten ihres weltlichen Lebens bei uns behalten. Wir konnten mit ihr kuscheln, sie ansehen. Sie konnte uns sehen, zum allerersten Mal. Sie konnte sehen und spüren, wer die ganze Schwangerschaft über mit ihr gesprochen und sie sanft gestreichelt hat.

So ziemlich alles, was danach kommt, habe ich durch einen grauen Nebel miterlebt. Ein Nebel, der so dicht ist, dass ich kaum hindurchblicken konnte.
Und ich weiß, ich werde diesen magischen Moment kein weiteres Mal mehr erleben. Ich werde meinen Körper keinem dritten Kaiserschnitt aussetzen, auch, wenn ich manchmal Sehnsucht verspüre.

Geplanter Kaiserschnitt

Liebe Liebe, liebe.

Diese Fotos sind alles, was ich habe. Ich versuche mich krampfhaft zu erinnern, aber ich schaffe es nicht. Ein schlechtes Gewissen überkommt mich, weil ich fürchte, meine Tochter könnte sich aufgrund meiner fehlenden Erinnerung ungeliebt fühlen. Ich beginne zu weinen. Ein bisschen aus Angst, ein bisschen aus Wut, ein bisschen, weil sich Geschehenes nicht ändern lässt.

Ich sehe ich dieses tapfere, furchtlose, fröhliche kleine Mädchen an und wische mir die Tränen aus dem Gesicht. Denn sie ist da. Sie lebt. Ich lebe. Wir lieben. Und ich weiß, die Liebe, egal was hinter uns liegt, ist das einzige, was uns heilen kann.

 

Meine To Do-Listen für die drei Schwangerschaftstrimester findet ihr hier.

Wenn ihr euch für Meditation in der Schwangerschaft interessiert, schaut mal hier hinein.

2 Replies to “Die Liebe wird uns heilen”

  1. Dein Text hat mich sehr berührt ♡
    Ich besitze auch solche Fotos ohne Erinnerung aus einer Zeit in der meine Seele nicht in meinem Körper zu sein schien. Ich habe mich viel damit damit beschäftigt und gelernt, dass ich auch in dieser Zeit unglaublich stark war. Man war das Arbeit. Und ich werde immer traurig sein. Aber ich erkenne heute auch Sinn und Bereicherung in vielen Momenten von damals. Das wünsche ich dir auch von Herzen. Irgendwann. Wenn die Zeit reif ist ♡

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Liebe Jana, es ist schön zu lesen, dass du es geschafft hast das Erlebte positiv zu bewerten. Das ist glaube ich auch das einzige, was letztendlich Versöhnung mit der Situation bringt. Ich danke dir ganz herzlich für deine lieben Wünsche, das ist sehr lieb! <3

Schreibe einen Kommentar