Ein Hoch auf das Einschlafstillen

Einschlafstillen

Genau vor drei Jahren habe ich zum ersten Mal abgestillt. Ich erinnere mich genau daran, denn das Stillen nahm im ersten Lebensjahr meines Sohnes viel Raum ein. Viel mehr Raum als ich dachte, dass es einnehmen würde und zwischenzeitlich auch viel mehr als ich bereit war zu geben. Damals hätte ich nicht geglaubt einmal einen Beitrag mit dem Titel „Ein Hoch auf das Einschlafstillen“ zu verfassen.

Einschlafstillen

Kann ich überhaupt stillen?

Wie ich hier schon häufiger geschrieben habe, war die Anfangszeit mit Baby für mich schwierig. Es begann schon im Krankenhaus, als man uns nicht ohne Flaschennahrung nach Hause lassen wollte, weil unser Sohn ein paar Prozent an Körpergewicht verloren hatte. Man hatte Angst, das Stillen würde ihm vielleicht nicht reichen. In mir kamen Zweifel auf. Verzweifelte Versuche dem kleinen Menschen mit Flaschennahrung zu füttern folgten als er gerade einmal vier Tage alt war. Aber er akzeptierte die Flasche nicht. Auch später nicht. Was mich lange verunsicherte und belastete, freut mich heute: Ich bin unglaublich froh, dass er die Flasche verweigert hat!

Das Stillen war bei uns DER Garant für schnelles Einschlafen. Und DER Garant für sanftes Einschlafen. Dennoch:

Einschlafstillen als Grund für nächtliche Unruhe?

Damals war ich so voller Unsicherheit und Selbstzweifel was diese Ansicht anging. Um mich herum gab es so viele andere Meinungen. Ich habe erst später verstanden, dass es nur einen richtigen Weg gibt: Nämlich der, den das Herz gehen möchte. Aber in meiner Unsicherheit und auch ein Stück in meiner Verzweiflung aufgrund des häufigen nächtlichen Stillens, geriet ich etwas auf Abwege. Es hieß, wenn das Baby eigenständig einschlafen würde, würde es nachts nicht so häufig aufwachen. Wenn das Baby zum Einschlafen gestillt wurde und dann in eine andere Schlafphase überginge würde es wach und suche nach der Brust. Klang irgendwie nachvollziehbar.

Wir alle tun es!

Aber mal im Ernst.. Welches Baby schläft denn einfach so ein? Nahezu alle Eltern die ich kenne machen (anfangs) von Einschlafhilfen Gebrauch. Sie tragen, sie machen irgendwelche Geräusche, bedienen Apps mit „weißem Rauschen“, singen, fahren Auto oder schieben den Kinderwagen. Alles irgendwie mit Aufwand verbunden, den man mitten in der Nacht nicht unbedingt braucht. Und auch Babys, die nicht in den Schlaf gestillt werden wachen nachts auf! Sie alle können sich bis zu einem bestimmten Alter schlecht selbst regulieren. Meiner Meinung nach müssen sie das auch gar nicht.

Nicht abzustreiten ist die große Abhängigkeit von der Mutter, wenn das Baby einschlafgestillt wird. Abends weggehen ist nicht drin. Aber welche Mama hat in der ersten Zeit nach der Geburt schon das Bedürfnis danach?

Genug ist genug

Wenn die eigenen Bedürfnisse dann irgendwann tatsächlich mit dem Einschlafstillen kollidieren, kann man die Situation verändern und eine neue Schlafumgebung mit neuen Gewohnheiten schaffen. Nicht anders, als bei allen anderen Arten von Einschlafhilfen. Irgendwann ist die Zeit gekommen etwas zu ändern. Egal, von wem dies ausgeht, ist es in Ordnung. Bei mir war es nach 11 Monaten soweit. Leider hatte ich meine Grenze lange überschritten und fühlte mich schon länger nicht mehr wohl mit dem abendlichen und nächtlichen Stillen.

Unsere Tochter konnte ich leider nur wenige Monate stillen. Ich habe nun also den Vergleich und weiß: Auch sie wird nachts wach. Nicht so häufig wie unser Sohn damals, aber sie wacht auf. Und dann muss ich aufstehen, ein Fläschchen machen, im dümmsten Fall muss ich sie danach eine Weile umher tragen, weil sie beim Saugen so viel Luft schluckt. Wie gerne wäre ich gerade bereit stündlich kurz zu stillen..

Nach all meinen Erfahrungen möchte ich aus vollem Herzen zum Einschlafstillen ermutigen. Ihr verwöhnt eure Babys damit nicht!

Tipps zum Einschlafstillen

#Nutze die kurze Auszeit um selber innezuhalten oder zu meditieren.
#Lass dir nichts einreden.
#Hör auf deine Grenzen.
#Genieß diese kurze Zeit, die nur euch beiden gehört
#Für blöde Tage: Denk daran, dass sich die Situation jederzeit ändern lässt und du sie bald vermissen wirst.

Und denkt auch daran: Es gibt keine innigere, behutsamere und liebevollere Art und Weise sein Baby in den Schlaf zu begleiten.

Vielleicht möchtet ihr auch meinen Beitrag „Ein Hoch auf das Familienbett“ lesen? Hier gehts lang.

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19 Replies to “Ein Hoch auf das Einschlafstillen”

  1. Danke für deinen Beitrag. Wie hasst du die Situation geändert? Was hast du gemacht? Es ist gerade genau so bei uns: Tochter 11 Monate und Grenze länger überschritten. ..obwohl ich lange und gerne stillen wollte…das nächtliche, ständige und häufige Aufwachen macht einen irgendwann fertig. Wenn allerdings nur die Brust hilft zum Wiedereinschlafen, bleibt einem nicht so viel übrig.

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Hallo Julia, dieses Hin und Hergerissen sein kenne ich. Als mein Sohn 11 Monate alt war habe ich ihm erklärt wie es mir geht und gesagt. dass sich das mit dem Stillen nun ändern wird. Ein plötzliches Abstillen schien mir nicht angebracht und so haben wir ihn langsam entwöhnt. Du kannst dazu mal „Abstillen nach Gordon“ googlen. Das war für mich eine gute Orientierungshilfe und es hat funktioniert. Liebe Grüße, Jil

  2. So schön und so wahr. Danke! ❤️

  3. Ein ganz toller Beitrag, der einen bestärkt, dass man das Richtuge macht und sich für das Natürliche entschieden hat! Danke dafür.

    Allerdings ist der Punkt „die Situation lässt sich jederzeit ändern“ nicht sehr einfach! Ich suche seit einiger Zeit eine Möglichkeit unsere 14. monatige Einschlaf-Stillbeziehung, liebevoll ausklingen zu lassen! Ich habe leider noch keinen guten Weg gefunden!
    Vll. magst du von deinem erzählen? Lg

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Hallo Jenny, nein, von einfach war nicht die Rede, da hast du ganz recht. Auch mir ist es nach so langer Zeit nicht leicht gefallen das Einschlafstillen und das Stillen allgemein zu streichen. Aber ich konnte und wollte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Und das habe ich meinem Sohn, natürlich etwas vereinfacht, erklärt. Es gab für mich zu diesem Zeitpunkt auch keine Alternative mehr. Da ein plötzliches Entwöhnen nicht in Frage kam haben wir es langsam gemacht. „Abstillen nach Gordon“ wäre mein Anhaltspunkt für dich. Das hat uns sehr geholfen als Orientierung. Natürlich war es eine kurze Zeit sehr anstrengend, gerade wenn man das nächtliche Stillen gewöhnt ist. Aber unser Sohn hat „gut mitgemacht“ und ich kann nur empfehlen es nicht bis an die absolute Schmerzgrenze auszureizen, weil man dann doch schnell mal Gefahr läuft, dass einfach gar nichts mehr geht und das Kind von jetzt auf gleich abgestillt wird. Dann lieber sanft <3 Ich wünsch dir alles Gute und viel Kraft!

  4. Du hast so recht, ich habe es auch geliebt das Einschlafstillen und habe mir auch viel negatives deswegen anhören müssen. Allerdings hatte ich auch das Glück, dass unsere Tochter sich alleine irgendwann abgestillt hat, das klappt leider nicht immer. Was genau meinst du denn mit “ die Situation verändern?“ Das stelle ich mir recht schwierig vor, wenn das Baby sich mit dem Einschlafstillen noch ganz wohl fühlt, nur man selbst nicht mehr. Viele Grüße Anita

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Hallo Anita, vielen Dank für deinen Kommentar. Dass sich das Kind selber abstillt ist wohl das, was sich alle Mamas irgendwann wünschen, oder? Schön, dass du es erleben durftest 🙂 Das Einschlafstillen muss für beide in Ordnung sein. Wenn es das nicht mehr ist, sollte sich etwas ändern. Natürlich sind die Babys davon nicht begeistert. Aber eine Mutter, die aus Mitleid/Gefälligkeit/oder oder oder stillt, macht auch niemanden glücklich. Also denke ich, ist das Stillen toll, so lange es sich für beide gut anfühlt. Was meinst du? Liebe Grüße, Jil

  5. Hallo Jil,

    ein schöner Beitrag, der total gut widerspiegelt, mit welchen Unsicherheiten Mamas so gequält werden (oder sich selbst quälen? ;))

    Wir haben von der ersten Minute an Einschlafgestillt, denn Lotte ist immer an der Brust eingeschlafen. Ich fand es nicht schlimm, denn beim Papa hat es auch auf andere Art funktioniert, nur mit mehr Aufwand.

    Was mir jedoch dann ein paar Monate später den letzten Nerv geraubt hat, war das Brustnuckeln. Sobald ich ihr den Nippel zum Nuckeln geklaut habe, war sie wach und hat sich die Seele aus dem Leib geschrien. das waren wirklich ein paar schlimme Monate. Irgendwann habe ich es ihr dann mit ganz viel Geduld abgewöhnt, denn ich hatte Schmerzen, die ich einfach nicht mehr aushalten wollte. Kanntest du das auch? Ich hab mich ja immer gewundert, dass es Frauen gibt, denen dieses Nuckeln nichts ausmacht. Mich hat es gelähmt und in den Wahnsinn getrieben ^^

    LG Sarah

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Liebe Sarah, ja, das Nuckeln kannte ich auch. Das war dann für mich auch nur schwer erträglich, weil sich einfach so diese Gewohnheit eingeschlichen hat. Und anfangs weiß man ja gar nicht ob es nun notwendig ist oder einfach nur Gewohnheit. Ich hab dann aber recht schnell auch keinen Nerv mehr gehabt und mit 11 Monaten abgestillt. Dann ging es mir irgendwie wieder viel besser und ich hatte das Gefühl meinem Sohn auch. Wir waren beide in dieser Gewohnheit etwas „gefangen“.
      Liebe Grüße Jil =)

  6. Toller und sehr ehrlicher Artikel. Ich hatte die 1:1 selbe Situation mit meinem Sohn und Frau Maus stille ich abends jetzt boch in den Schlaf. Niemals hätte ich gedacht dass ich solange stillen würde und außerdem erzähle uch es auch kaum. Ständig wird man irgendwie von außen beeinflusst, dabei funktioniert es am besten wie du es auch beschreibst: abwarten und auf dass hören was man selber gerade will und braucht. Glg aus wien lily

  7. Hallo Jil,
    schön, dass du so ehrlich über deine Erfahrungen berichtet hast. Den Vergleich am Ende habe ich besonders spannend gefunden. Bei mir kommen jeden Moment das 2 Baby und ich bin schon richtig gespannt, wie es diesmal mit Stillen geht. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich mein erstes Baby in der Nacht stets aufgeweckt habe und deswegen durch die Hölle gegangen bin, nur um ihn dazu zu erziehen, dass er selber einschlafen lernt. Mal schauen, ob ich beim Nächsten diesen Aufwand noch betreiben möchte und vor allem die Kraft dazu noch habe..
    ♥ Sabrina

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Ich wünsche dir alles Gute für Geburt und Co.! =) <3 Ich bin ehrlich gesagt beim zweiten Kind deutlich eingeschränkter unterwegs. Ich tue, was am leichtesten ist. Ich trainiere nichts an/ab, weil ich keine Kraft dazu habe. Lass dein Herz und deine Kraft entscheiden =) So lange es für dich in Ordnung ist, ist doch alles gut, oder? Ich wünsch dir alles Liebe!

  8. Einschlafstillen und nächtliches Stillen ist bei uns seit 28 Monaten Programm. Auch wenn unsere Nächte sehr unruhig sind (wie ich bereits unter einem anderen Artikel von dir gepostet habe)ist es für uns von Anfang an das beste Mittel zum entspannten Einschlafen. Unsere Tochter liebt es und kann dabei sofort entspannt wegschlummern. Ich muss aber sagen bei mir ist mittlerweile der Punkt gekommen an dem ich mich auch freuen würde wenn sie sich abstillt. Es ist doch zeitweise sehr anstrengend nachts 4-8 Mal zu Stillen und den nächsten Tag an der Arbeit voll Energie alles zu geben. Trotz allem lass ich es ihr, alle Versuche nach Gordon abzustillen sind bisher gescheitert, ich habs aufgegeben natürlich muss ich mir viele blöde Sprüche anhören gerade weil wir so lange Stillen und das sie deshalb nicht durch schläft, aber das ist völliger Quatsch. Ich kenne mittlerweile einige Langzeitstiller die das nächtliche Stillen noch praktizieren, und viele Kinder wachen meist nur einmal auf. Ich hab halt eine kleine Ausnahme daheim ich würde es beim nächsten Kind auf jeden Fall wieder so machen. Für die Kinder gibt es doch nix schöneres als an einem sicheren, geborgenen Ort so einzuschlafen.

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Liebe Melli, sicher wird sie von ganz alleine durchschlafen, ob stillen oder nicht. Ich wünsche dir aber, dass du, wenn du selber nicht mehr kannst, Kraft und Erfolg beim Abstillen hast <3

  9. Hallo Jil!
    Danke für deine ehrlichen Worte!
    Mein kleiner ist 18 Monate alt nimmt absolut keinen Schnuller und schläft nur mit Stillen ein. Er wacht in der Nacht alle zwei Stunden auf und lässt sich nur beruhigen bzw schläft dann wieder ein wenn ich ihn stille. So gern ich es mache und so sehr ich gekämpft habe das es überhaupt funktioniert wäre es wirklich an der Zeit das ich etwas umstellen könnte. Jedoch hab ich schon so viel probiert und es hilft alles nichts und einfach schreien lassen das schaffe ich nicht und möchte ich auch nicht. Habt ihr bzw du mir Tips?

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Liebe Kathrina, was habt ihr denn probiert? 🙂

      1. Probiert haben wir das Papa ihn ins Bett bringt oder die Oma.. Funktioniert aber alles nicht.. Wir haben versucht andere Rituale anzubieten von Bücher vorlesen und Beten und einfach nur kuscheln… Alles vergebens.. Das geht solange bis er irgendwann nach einer Stunde sauer wir und auch ziemlich müde..
        Wenn er dann nachts wach wird versuche ich ihm eine Flasche Wasser oder Tee oder Milch anzubieten.. Jedoch schreit er sich so lange in Rasche bis er wieder an die Brust darf.. Selbst rumtragen und gut zu reden habe ich probiert.
        Ich möchte ihm ja die Zeit lassen und langsam versuchen ihm das ganze abzugewöhnen, aber es funktiert nicht..

        1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

          Liebe Kathrina, ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen: Bei uns war es bei beiden Kindern immer Gewohnheit. Das klingt so simpel, aber letztlich war es genau das. Deshalb bin ich persönlich auch der Meinung, dass es sinnlos ist, andere Rituale einführen zu wollen, bevor das Stillen als Ritual nicht abgedankt hat. Das kannst letztlich dann nur du übernehmen. Wenn dein Sohn vom Papa ins Bett gebracht wird, dann findet er das natürlich doof, weil er weiß: „Bei Mama gibts aber Milch!“ Also möchte er natürlich zu dir. Bei uns war die Lösung ein sanftes Abstillen. Das beinhaltete, dass ich selber das Abstillen übernahm, als ich einfach überhaupt gar nicht mehr wollte und ganz sicher und überzeugt davon war, dass das jetzt aufhören muss. Ich habe dann jeden Abend etwas weniger gestillt, kürzer, noch im Wachzustand „abgedockt“ usw. Immer auch vorab erklärt, dass ich nicht mehr stillen möchte. Jede Phase nahm bei uns etwas Zeit in Anspruch, dann ging es. Denn sobald die Gewohnheit abgelegt ist, kann ein neues Ritual kommen. Bei uns war es das Vorlesen, jeden Abend abwechselnd von Mama oder Papa im Bett. Schau mal im Netz nach „Abstillen nach Gordon“. Das hat mir als Orientierungshilfe gedient. Ich hoffe ich klinge nicht zu abgebrüht, aber ich möchte alles weitergeben, was ich weiß und hoffe einfach, dass du mich richtig verstehst 😉
          Liebe Grüße Jil

          1. Nein überhaupt nicht!
            Vielen dank für deine ehrlichen Worte!
            Ich möchte es halt sanft gestalten. Wir machen seit ein paar Tagen sogar Fortschritte.. er geht nachmittags mit mir und sogar mit der Oma ins Bett ohne stillen. Er braucht zwar eine Flasche aber das ist okay für mich.. Hauptsache wir kommen langsam aber sicher vom stillen weg. Wenn das jetzt gut funktioniert möchte ich das abends auch anfangen. Und dann hoffe ich das wir das auch nachts schaffen das ich ihn anderweitig beruhigen kann

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