Ein Hoch auf das Familienbett

Ein hochsensibles Kind im Familienbett

Als ich schwanger war, saß ich wochenlang da und habe mir den Kopf darüber zerbrochen, wo unser Baby wohl schlafen wird. Welches Bett sollten wir kaufen? Ich dachte, Babys schlafen in Wiegen, Beistellbetten, Körbchen oder Kinderbetten. Eine unserer ersten Anschaffungen in der Schwangerschaft war dann also ein Gitterbettchen. Kurz danach zog ein geliehenes Beistellbett ein. An Schlafplätzen fürs Baby mangelte es also nicht.

 

AHNUNGSLOSIGKEIT TRIFFT REALITÄT

Dass es Babys gibt, denen diese Auswahl nicht gefallen könnte, kam mir nicht in den Sinn. Das Beistellbettchen steht ja schon direkt an meinem Bett. Näher geht doch gar nicht! Ihr merkt es vielleicht.. Ich hatte keine Ahnung.

Nach Max Geburt mussten wir zu Hause zu unserer Verwunderung feststellen: Er ließ sich weder ins Kinderbett, noch ins Beistellbett, noch irgendwo ablegen. Nicht mit Begrenzung, nicht ohne Begrenzung. Nicht mit Spieluhr, nicht ohne Spieluhr. Einfach gar nicht. So verbrachte ich nächtelang halbschlafend, verkrampft, heulend und sitzend mit Baby auf der Brust in meinem Bett. Das leere Beistellbettchen neben mir weckte in mir immer wieder das Gefühl, dass bei uns irgendetwas falsch läuft. Zwischendurch überkam mich sogar etwas Angst, ob mit Max alles stimmte. Traurig, nicht wahr? Dass unser Baby so viel (mehr) Nähe brauchte, brachte mich gelinde gesagt etwas zur Verzweiflung. Wozu gab es dann überhaupt Laufställe, Kinderwägen, Beistellbetten, Kinderbetten und all das? Warum wehrt Max sich gegen all das? Warum hat uns das niemand gesagt? Wenn niemand darüber spricht, dann müssen wir doch die Einzigen sein, bei denen das nicht funktioniert, oder?

Wir haben viele, für uns alle nervenaufreibende Versuche hinter uns gebracht den kleinen Mann abzulegen und an sein Bettchen zu gewöhnen. Ich weiß nicht wie viele Stunden wir an seinem Bettchen saßen und versuchten ihn zu beruhigen. Wir dachten, so macht man das eben, weil alle anderen das auch so machten. Diese Zeit fühlte sich für uns nicht gut an. Es fühlte sich falsch an.

WAS UNS UNSERE HERZEN SAGEN

Glücklicherweise zog mit der Erfahrung mehr Sicherheit und Selbstvertrauen ein. Dazu auch die Erkenntnis, dass es für Babys, egal worum es geht, keinen richtigen oder falschen Weg gibt. Jedes Baby hat seine ganz persönlichen Bedürfnisse, die befriedigt werden möchten. Und so zog Max dauerhaft ins Elternbett. Auf unbestimmte Zeit. Bis ich abgestillt habe, dachte ich. Bis er durchschläft, dachte ich. Ich habe das Familienbett sehr genossen und uns als Familie ging es gut mit dem Familienbett. Ich konnte in Ruhe stillen, musste nicht nachts stundenlang auf einem dieser hübschen Sessel im Kinderzimmer neben dem Babybett verbringen. Wenn Max nachts aufwachte und ängstlich schrie, konnte er unsere Anwesenheit unmittelbar spüren. Auch wenn er nach wie vor sehr ängstlich ist, denke ich, unsere Anwesenheit war sehr bedeutsam für ihn.

Ich gebe aber zu, Meinungen und Kommentare ließen meine Sicherheit das Richtige zu tun immer etwas ins Wanken geraten, egal wie gut sich das Familienbett für uns anfühlte. Dennoch: Wir haben uns entschieden zu tun, was unser Herz und unser Bauchgefühl uns sagt und nicht das, was gesellschaftlich anerkannt ist. Denn das Familienbett ist bei Vielen leider immer noch negativ behaftet. Es ist eng verknüpft mit Schwäche, antiautoritärer Erziehung und solchen Dingen.

Es erscheint mir heute völlig klar, dass ein Baby nicht unbedingt in einem eigenen Bett schlafen möchte und finde es schon fast irre anzunehmen, dass das so sein sollte. Bei Luise haben wir das erst gar nicht versucht und die Nähe im Familienbett von Anfang an genossen im Bewusstsein, dass das alles irgendwann vorüber sein wird.

Max gegenüber habe ich aber noch ein schlechtes Gewissen, denn er war es, an dem wir lernten. Er war unser Lehrmeister und lehrte uns erst, auf uns selbst zu hören. Ich hätte es so gerne direkt anders gemacht, so wie bei seiner Schwester. Er hätte nicht verzweifeln müssen. Es tut mir einfach sehr leid, weil ich denke, gerade er als hochsensibles/High Need Baby hätte unsere Sicherheit gebraucht.

 

P.S. Ich möchte niemandem eine Meinung aufzwängen und jeder darf das tun, was er/sie für richtig hält. Dieser Beitrag ist ein reiner Erfahrungsbericht und ich bin keine dogmatische Familienbett-Verfechterin. Für uns ist das gemeinsame Bett eine tolle Sache und ich wünsche mir, dass sich werdende Eltern nicht an dem orientieren, was andere tun. Hört auf euer Herz und steht dazu, auch, wenn es nicht immer leicht ist.

Mehr von mir gibts hier: „Ein Hoch auf das Einschlafstillen

10 Kommentare

  1. Mittlerweile haben hier ein Familienbett zu 4 und es geht. Ich mag es sogar… irgendwie verstehe ich es. Mein Mann und ich wollen Nähe nachts und von den Kids verlangt man dass sie ganz allein schlafen? Im Moment sind wir alle zufrieden so. Mal schauen was die zeit bringt.
    Lg,
    Bettina

    1. Ein Familienbett ist sicher eine zeitlich begrenzte Möglichkeit, aber eine wunderschöne 🙂

  2. Doro sagt: Antworten

    Mit anderthalb Jahren ist unser Großer aus dem Familienbett ausgezogen. Und mit zwei Jahren, als das Baby kam, wieder eingezogen. Und ich liebe es, beide bei mir zu haben. Sie sind da, wo sie hingehören… Das Anstellbett brauchen wir trotzdem – als Rausfallschutz und Kuscheltierlager 😉

    1. Mir geht es genauso. Und ich liebe es auch, alle zusammen zu haben. Ich finde es nicht besonders erstrebenswert jeden in sein Bett zu verfrachten. Abgesehen davon ist es einfach auch praktisch alle zusammen zu haben. Und warm. Einfach Familie <3

  3. Anja sagt: Antworten

    Auch wir haben versucht, unsere Tochter in ein eigenes Bett zu legen. Das Beistellbett war noch ok für sie, danach gab es diverse Versuch… Wir haben uns dann ein größeres Bett gekauft. Seit dem wir uns dafür entschieden und aufgehört haben, sie „auszuquartieren“ (weil es ja so üblich ist), schlafen wir alle entspannt und zufrieden. Und siehe da, da wo erst so viel „ein King gehört ins eigene Bett“-Verfechter waren, haben plötzlich „alle“ Kinder in ihren Betten 😉
    Man selber möchte ja auch nicht alleine schlafen… Mal sehen, ob unser Sohn direkt aus dem Beistellbett „rüberrollt“, noch ist er ein „alleine-Schläfer“.

    1. Bei uns ist es ähnlich. Der Große möchte unbedingt bei uns schlafen. Unsere Tochter ist da bisher nicht ganz so wählerisch, sie schläft auch im Beistellbett oder wo auch immer. Mal sehen, ob das so bleiben wird 😉

  4. Sabia sagt: Antworten

    Öööh.. mal ganz blöd gefragt, wie macht ihr das denn dann mit dem Sex? Also bei nem Baby sehe ich da jetzt nicht so das „Problem“, aber wenn bei Bettina zB scheinen die Kids ja doch schon etwas älter zu sein.. Also bitte, das soll hier kein Angriff gegen irgendwen sein, im Gegenteil: Ich finde das Konzept wirklich spannend, bin aber selbst für mich persönlich noch ein bisschen skeptisch – eben aus dem oben genannten Grund 😉

  5. Berta sagt: Antworten

    Ich war anfangs genau wie du total erstaunt und habe zu meiner betreuenden Hebamme gesagt: „Sie will nicht in ihrem Bett schlafen!“ Sie sagte: „Dann habt ihr wohl ein ganz normales Kind!“ 🙂 Von da an schlief sie bei uns und ist irgendwann einfach ausgezogen.
    Ich finde es komisch, dass sich so viele Eltern nicht trauen, auf ihr Gefühl zu hören.
    Es muss ja auch nicht alles zum Konzept erklärt werden. Jeder macht so wie es passt. Die andern quatschen immer 🙂

  6. Christin sagt: Antworten

    Hallo,
    Genauso wars auch bei uns. Als unser Sohn zur Welt kam, hatten wor auch alles. Wiege und ein großes Babybett. Schon im Krankenhaus wollte er nicht in das Zustellbett. Er wollte unbedingt in meinem Arm schlafen. Da war einfach nichts zu machen. Als wir dann zu Hause waren haben wir auch nächte Lang versucht ihn in seine Woege oder in sein Bett zulegen aber nichts funktionierte. Also gaben wir auf und nahmen in mit ins Bett. Und oh ja. Wir hatten tierische Ängste. Uns wurde ja soviel vom Plötzlichen Kindstod berichtet. Aber was soll man machen wenn sein Kind wie verrückt brüllt weil es seine Mama vermisst. Anfangs war es ziehmlich eng für uns daher kauften wir uns ein größeres Bett. Um auf die frage zu Antworten wie es mit dem Sex aussieht. Naja man muss es ja nicht immer im Bett machen. Nach 11 Monaten war dann aber trotzdem Schluss für mich. Ich selbst bemerkte als mein Sohn mal bei seiner Oma schlief, das es mir seelisch und psychisch einfach besser ging nach dieser Nacht. Weil ich einfach mal durch schlief ohne unbewusst ständig wach zu werden. Als mein Mann dann in die Elternzeit ging für 2 Monaten wagten wir das Experiment und legten ihn erst Tagsüber in sein Bett und später auch Nachts. Und siehe an es ging gut. Klar weint er ab und zu mal aber er bekommt dann gezeigt das wir noch da sind und schläft dann wieder ein. Morgens wenn er wach wird zur Flasche kommt er aber noch zu uns ins Bett. Und das genießen wir alle. Seit dem ist unser Kind auch viel besser ausgeruht. Und natürlich wir auch.
    Also ich kann nur sagen das ich es auch für gut halte wenn man seine Kinder mit ins Ehebett nimmt.
    Aber wenn sich einer nicht mehr wohl fühlt sollte man es auch beenden ohne schlechtes gewissen haben zu müssen.
    Jedes Kind ist individuell und sehr traurig finde ich das es sehr vielen Menschen gibt, die wissen was für mein Kind das beste ist.

  7. […] Vielleicht möchtet ihr auch meinen Beitrag „Ein Hoch auf das Familienbett“ lesen? Hier gehts lang. […]

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