Ein Hoch auf das Tragen

Ein Hoch auf das Tragen 2

Familienbett, Einschlafstillen, Tragen. Ich erfülle inzwischen alle Klischees. Vor Max‘ Geburt war ich aber tatsächlich fast ahnungslos. Von Einschlafstillen hatte ich keinen blassen Schimmer. Das Familienbett war mir in Ansätzen klar, denn wir hatten uns um eine Beistellbettchen-Leihgabe gekümmert und dass Max neben uns schlafen würde, war beschlossen. Auch vom Tragen hatte ich gelesen und habe mir, weil ich davon so angetan war, in der ersten Schwangerschaft ein elastisches Tragetuch gekauft. Wie wichtig dieses Tuch später mal sein würde, hatte ich damals noch nicht ansatzweise geahnt.

Wenn ich zurückblicke war ich einfach völlig ahnungslos. Das sagt sich hinterher wohl immer leicht. Weil bald zwei Freundinnen von mir zum ersten Mal Mama werden, habe ich mich gefragt, was für mich in der ersten Zeit mit neugeborenem Baby zu Hause das Wichtigste war. (Über das Einschlafstillen und das Familienbett habe ich bereits vor längerer Zeit berichtet.)

Glücksgefühle

Max und Luise wurden sehr, sehr viel getragen. Zwischendurch habe ich es verflucht, denn Tragen mag für Eltern und Kinder etwas Wunderbares sein, aber das sehen lange noch nicht alle Menschen im Umfeld so. Viel zu oft bin ich Menschen begegnet, die mich mit schrägen Blicken begutachteten als ob ich von einem anderen Stern käme. Es gab auch solche, die mir vorwarfen, ich würde meine Kinder verwöhnen und dafür sorgen, dass sie niemals (und zwar wirklich NIEMALS) alleine schlafen können würden. Okay, bei Max hat sich das bisher vielleicht bewahrheitet 😉 Das liegt aber sicher nicht daran, dass er zuviel getragen wurde.

Aber ungeachtet des Umfelds habe ich das Tragen wirklich sehr geliebt. Von den Meinungen anderer habe ich mich zwar beeinflussen, aber nicht vom Tragen abbringen lassen.

Tragen ist Heilung

Ich habe gespürt: Das Tragen ist genau das Richtige für uns. Diese Nähe, die wir beim Tragen spüren durften war einfach überwältigend. Diese Momente, wenn die Kinder ihr müdes, kleines Köpfchen zum Schlafen auf meiner Brust abgelegt haben und ihre Körper immer entspannter und schläfriger wurden, waren unbezahlbar innig. Vielleicht war es nach den Kaiserschnitten auch eine Möglichkeit eine tiefere Bindung und mehr Nähe aufzubauen, denen wir durch die Kaiserschnittgeburten etwas beraubt wurden – jedenfalls fühlte es sich für mich so an. 

Nach Luises Geburt zeigte mir die Hebamme zu Hause, wie ich Luise schon kurz nach der Geburt im Sling-Tuch tragen konnte. Das klappte super und war für mich oft auch viel angenehmer als sie auf dem Arm zu tragen.

Meine Kinder zu tragen war dadurch ein Stück Heilung.

Das Tragen half mir zu vermitteln: „Ich bin da“ und gleichzeitig vermittelten mir auch meine Kinder damit „Ich bin da.“ Denn wie ihr vielleicht wisst, hat es eine Weile gedauert, bis ich in meiner Rolle als Mutter angekommen war.

Ohne Kinderwagen durchs erste halbe Lebensjahr

Nicht nur die Nähe war wunderbar, sondern auch die Flexibilität. Für die Kinder und auch für uns Eltern, weil wir mit Tuch so viel wendiger waren. Meine Kinder zu tragen fühlte sich so natürlich und frei an. Ich war frei in meinen Bewegungen und frei in den Aktivitäten. Jeder, der einmal mit Kinderwagen über einen Weihnachtsmarkt schlendern wollte, weiß wovon ich spreche.

Meine Kinder zu tragen fühlte sich für mich deutlich natürlicher an als den Kinderwagen zu nutzen. Die Entfernung zwischen mir und dem Baby, das im Kinderwagen lag, kam mir absurd vor. Abgesehen davon, dass beide Kinder überhaupt nicht gerne darin lagen und viel schrieen. Selbsterfüllende Prophezeiung? Who knows.
Durch das Tragen hatte ich auch selten das Problem, dass fremde Menschen mein Baby antätscheln wollten. Ein ganz klarer Pluspunkt!

Das erste halbe Lebensjahr wurden beide Kinder unterwegs meist getragen. Als die beiden später sitzen konnten kam mehr und mehr der Buggy zum Einsatz. Das war nach der intensiven, innigen Phase des Tragens in Ordnung für uns alle. Besonders mein Rücken freute sich über die Abwechslung 😉

Familienalltag ohne Tragen? Für mich undenkbar!

Ganz besonders mit Luise war das Tragetuch Gold wert. Wenn schon ein Geschwisterkind da ist und bestimmte Tagesabläufe eingehalten werden müssen, ist das Tragetuch so wertvoll!
Wenn Max zum Fußballtraining wollte, packte ich Luise währenddessen ins Tragetuch. Wenn Max auf Kindergeburtstagen eingeladen war, zu denen ich mitsollte, packte ich sie ins Tragetuch. Wenn Max mich abends zum Einschlafen brauchte, habe ich Luise im dunklen Zimmer herumgetragen bis Max eingeschlafen war.

Völlig egal wie die laut, hell oder wuselig die Umstände waren: Im Tragetuch war meist alles gut.

 

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? 

(Ich möchte auch keine Tragen vs. Kinderwagen-Debatte auslösen sondern mitteilen, wie es mir ging.)

xo Jil

Schreibe einen Kommentar