Geburtsplan für einen Kaiserschnitt

Vielleicht erinnert ihr euch an meine zweite Schwangerschaft, die ich hier auf dem Blog in Form von Updates und To Do Listen mit euch geteilt habe. Ich erwähnte darin, dass unser Baby per Kaiserschnitt zur Welt kommen wird und ich einen Geburtsplan geschrieben habe. (Hier kurz zur Erinnerung.)

Ich erhalte dazu viele Nachfragen und so möchte ich heute etwas näher auf den Geburtsplan allgemein und im Besonderen auf den Geburtsplan für einen Kaiserschnitt eingehen.

Ein Geburtsplan beinhaltet ganz vereinfacht Wünsche der Eltern über den Ablauf einer Geburt. Dieser Plan dient den Geburtshelfern als Orientierungshilfe und stellt sicher, dass die Eltern sich nicht unter der Geburt erklären müssen. Die betreuende(n) Hebamme(n) können die Eltern auf diese Weise deutlich besser einschätzen und entsprechend unterstützend einwirken. Angenommen die Eltern lehnen alternative Formen der Entspannung unter der Geburt ab, braucht die Hebamme nicht mit irgendwelchen Globuli, Atemtechniken oder linksgerührtem Massageöl daherzukommen und das Unverständnis der Eltern zu ernten. Das ist nicht nur für die Eltern sondern auch für die Hebamme unangenehm. Da ein Geburtsplan einzig und allein Sache der Eltern ist, gibt für einen Geburtsplan weder formelle noch inhaltliche Vorgaben.


Ein tiefer Einschnitt

Die meisten Eltern wünschen sich, dass ihr Kind spontan geboren wird. Und das ist richtig, natürlich und gut. Aber es gibt auch Eltern die wissen, dass ihr Kind im OP per Kaiserschnitt das Licht der Welt erblicken wird. Oder solche, die es vermuten. Eine Kaiserschnittgeburt ist vielleicht besser planbar für Begleitpersonen oder Betreuung von Geschwisterkindern, geht aber für die Eltern, besonders für die Mutter, mit ganz besonderen psychischen Herausforderungen einher.
Egal wie die Umstände aussehen mögen und aus welchem Grund das Baby per Kaiserschnitt geboren wird: Ich möchte euch, liebe (werdende) Kaiserschnitt-Baby-Eltern ermutigen euch Gedanken über die bevorstehende Geburt zu machen und einen Geburtsplan zu erstellen. 

Natürlich finden Gespräche mit dem operierenden Arzt und Anästhesisten statt. Es werden Operationsmethoden besprochen und Formulare unterschrieben. Ganz ehrlich: An einen Geburtsplan denkt da niemand. Ich wurde auch nicht danach gefragt und es schien scheinbar sehr abwegig als Kaiserschnittmama einen Geburtsplan in der Tasche zu haben. Da ich bei der ersten Geburt völlig überraschend doch einen Kaiserschnitt bekam und so Manches anders lief als erwünscht, war es mir bei der zweiten Geburt besonders wichtig meine Wünsche mitzuteilen.

Vielleicht denkt ihr: Was sollte man sich bei einem Kaiserschnitt schon wünschen?! Man hat praktisch null Kontrolle, denn es handelt sich schließlich um eine Operation. Die Fremdbestimmung könnte nicht größer sein. Und wir haben keine Ahnung was uns da erwartet. Aber: Man weiß bei einer Geburt NIE was einen erwartet, egal ob Spontangeburt oder Kaiserschnitt. Wir sind alle gleich unwissend. Das sollte aber kein Argument sein einfach alles laufen zu lassen und darauf zu vertrauen, dass alles schon so laufen wird, wir ihr es euch wünscht.


Halt stopp! Jetzt rede ich!

Nach zwei Kaiserschnitten weiß ich, dass man sehr wohl ein paar Dinge erwünschen kann, die vielleicht ansonsten anders laufen, nämlich so, wie sie eben im Krankenhausalltag immer laufen wenn keine besonderen Wünsche vorgegeben sind. Ich erinnere mich zum Beispiel sehr gut daran, dass unser erstes Kind gleich nach der Geburt von beiden Elternteilen getrennt erst einmal gebadet wurde. Mein Mann kam später dazu und hat noch in letzter Minute die Kamera gezückt um ein Video vom ersten Bad unseres Sohnes zu machen. Wenn ich heute dieses Video sehe, oder auch nur daran denke, bekomme ich einen fetten Kloß im Hals und habe Tränen in den Augen. Das Bad hätten wir gerne selber als Eltern übernommen. Und das nicht gleich nach der Geburt. Ich hätte ihm gerne Ruhe geschenkt, die er nach der wirklich harten Geburt verdient hätte. Auch, wenn es damals kein geplanter Kaiserschnitt war, so bin ich dennoch traurig über die Umstände. Die Zeit lässt sich nun einmal nicht zurückdrehen und selbst wenn unser zweites Kind spontan hätte geboren werden können, ich hätte zwei Geburtspläne abgegeben: Einen für die gewünschte spontane Geburt und einen für einen Kaiserschnitt, falls er doch notwendig sein sollte.


Eine freudige Nachricht

Ich gab den Geburtsplan für den geplanten Kaiserschnitt bei der Anmeldung im Krankenhaus bei meiner Hebamme ab. Wie erwähnt, sie hat mich nicht danach gefragt und ganz kurz habe ich überlegt, den Ausdruck, auf dem unsere Wünsche festgehalten waren in der Tasche zu lassen. Und habe dann doch gewusst, wenn ich ihn jetzt nicht abgebe läuft die Geburt vielleicht so wie die letzte. Und das war Grund genug doch den Zettel zu zücken. Meine Hebamme war etwas erstaunt aber total begeistert. Sie schien allgemein nicht allzu häufig Geburtspläne in der Hand zu halten. Und noch dazu für einen Kaiserschnitt. Wir besprachen die einzelnen Punkte und ich fragte sie, was sie davon für realistisch hielt. Wir waren uns in allen Punkten einig und sie bedankte sich sogar noch einmal dafür, dass wir uns Gedanken gemacht hatten.


Der Plan geht auf

Im Nachhinein muss ich sagen, dass tatsächlich fast alles so lief wie wir es uns gewünscht haben. Wir durften unsere Tochter nach dem Kaiserschnitt eine Weile in unseren Armen halten und mein Mann ist dann mit ihr aus dem OP-Saal. Sie wurde nicht direkt gebadet und wir hatten eine tolle Zeit zu Dritt. (Wenn ihr dazu mehr lesen möchtet, lest gerne meinen Beitrag „Der schönste Kaiserschnitt der Welt“.)

Einzig und alleine die Schwestern auf der Station hat der Plan nicht sonderlich interessiert. Ich weiß gar nicht, ob sie ihn überhaupt gelesen haben. Aber das ist ein anderes Thema und würde etwas zu weit führen.


Nur Mut

Nutzt die Chance und schreibt eure Wünsche nieder, egal wie banal oder blöd sie klingen mögen. Das ist eure Möglichkeit die Geburt eures Kindes mitzubestimmen. Besprecht den Plan vor Ort und bittet darum, dass die Geburtsbegleiter sich euren Geburtsplan zu Herzen nehmen, wenn es dann soweit ist. Als Orientierungshilfe stelle ich euch unseren Geburtsplan zur Verfügung. Er entstand auf Basis unseres ersten Kaiserschnitt-Geburtserlebnisses ohne Plan für einen solchen Fall. Dank dem Geburtsplan für den Kaiserschnitt haben wir, so es ein OP-Saal dann zulässt, eine tolle zweite Kaiserschnittgeburt erleben dürfen. Vielleicht hilft er euch bei der Erstellung eures eigenen Geburtsplans mit euren persönlichen Wünschen.

Hier findet ihr unsere Wünsche für den Kaiserschnitt

 

Falls ihr Fragen habt, schreibt mir gerne einen Kommentar – oder eine Mail.

f8792-signature

5 Kommentare

  1. Nana sagt: Antworten

    Ich hatte 2005 einen Notkaiserschnitt, 2007 eine traumatische Saugglockengeburt und 2015 ein wunderbar durchgeplanter Kaiserschnitt bei dem ALLE meine Wünsche respektiert wurden. Alle Ärzte und Hebammen waren erstmal irritiert über einen anderen Ablauf bzw dass ich ihnen sagte wann was gemacht oder gespritzt werden durfte 😉 Aber dass ich am nächsten Abend nach Hause gegangen bin (2005 allerdings auch nach 48std.) verwunderte dann keinen mehr 😀 Ich kann nur allen Schwangeren raten einen Geburtsplan zu machen!Euer Kind hat nä,lich nur die eine :-*

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Liebe Nana, danke für deinen ermutigenden Kommentar! =)

  2. […] Auch bei einem (geplanten) Kaiserschnitt können die Eltern Einfluss auf den Ablauf nehmen und ihre Wünsche und Vorstellungen kund tun, z.B. mit Hilfe eines Geburtsplans. […]

  3. […] Geburt gewünscht hätte, die mir bereits bei der ersten Geburt verwehrt blieb. Ich hatte einen Geburtsplan geschrieben und war vorbereitet. Das dachte ich […]

  4. […] Geburt gewünscht hätte, die mir bereits bei der ersten Geburt verwehrt blieb. Ich hatte einen Geburtsplan geschrieben und war vorbereitet. Das dachte ich […]

Schreibe einen Kommentar