Geplant, nicht gewünscht! – Eine Kaiserschnittgeschichte

Hallo ihr Lieben,

heute muss ich mal etwas Dampf ablassen.

Mein letzter Kaiserschnitt ist nun etwas mehr als drei Jahre her. Er war weder geplant noch gewollt. Lange, lange habe ich dieses einschneidende Erlebnis verarbeiten müssen. Äußerlich ist die Wunde lange verheilt. In weniger als drei Monaten wird ein neuer Schnitt gesetzt. Alte Gefühle, Erinnerungen, Trauer und Freude kommen hoch. Die alte Wunde wird geöffnet. Und gleichzeitig wird unser zweites Kind geboren. Neue Gefühle und Freude. Trauer? Ich denke nicht. The first cut is the deepest, richtig?

Wie schon erwähnt hat uns der erste Kaiserschnitt völlig unvorbereitet getroffen. Ich hatte mich sogar auf die Geburt gefreut – zum Unverständnis aller. Auch dieses Mal freue ich mich auf die Geburt: Eine geplante, wenn auch nicht gewünschte Kaiserschnittgeburt.

Ich stelle fest, es ist wirklich etwas merkwürdig sich auf einen Kaiserschnitt vorzubereiten. Es gibt weder Geburtsvorbereitungskurse für Kaiserschnittmamas noch zufriedenstellende Literatur zum Thema Kaiserschnitt, geschweige denn zum geplanten Kaiserschnitt.
In sämtlichen Büchern, die mir in die Hände gekommen sind, wird der Kaiserschnitt als absolute Notlösung beschrieben. „Der Kaiserschnitt – wenn gar nichts mehr geht“ war zum Beispiel eine der Überschriften. Ich habe alle Bücher sofort weggelegt, in denen der Kaiserschnitt als großes Übel dargestellt wurde. Warum? Es hilft mir nicht weiter. Ich habe keine Lust mich schlecht zu fühlen wegen etwas, das ich nicht ändern kann. Ja, es gibt Frauen, die sich einen Kaiserschnitt wünschen. Und es gibt Frauen wie mich, die einen Kaiserschnitt bekommen müssen, auch wenn sie es sich nicht wünschen. Und ich bin sehr froh, dass es die Möglichkeit eines Kaiserschnittes gibt. Anderenfalls säße ich jetzt ganz sicher nicht hier am Schreibtisch. Und das Glück, das mir mein Sohn schenkt, hätte ich ebenfalls nie erfahren dürfen.

Und dann frage ich mich: Es gibt doch sicher noch mehr Frauen auf dieser Welt, die wissen, dass sie einen Kaiserschnitt bekommen werden, oder? Warum gibt es keine tollen Geburtsvorbereitungsbücher für all diese Frauen? Ich will nicht lesen, dass eine Spontangeburt besser für Mutter und Kind ist, denn dessen bin ich mir bewusst. Ganz bestimmt könnte so mancher Kaiserschnitt umgangen werden, wenn die Geburt wieder geduldiger angegangen würde. Wenn die Umstände zuließen, dass Frauen in Ruhe und natürlich gebären. Aber so ist es nicht. Und ich persönlich möchte nicht überredet werden doch noch mal darüber nachzudenken mein Kind spontan zu entbinden. Weil ich schlicht keine Wahl habe. Ich möchte mich auf die Geburt meines Kindes konzentrieren dürfen, egal wie sie genau aussehen wird. Ich möchte mich darauf freuen dürfen und soweit es denn möglich ist die Ruder für diese Geburt in der Hand halten. Ohne schlechte Gefühle. Einfach nur spüren.

Ein einziges Buch habe ich gefunden, das dem Kaiserschnitt gewidmet ist ohne die Geburtsmethode es an den Pranger zu stellen. Es ist auch wirklich verrückt, dass ich dieses Buch nur irgendwo in den Tiefen des amazon Marketplace finden konnte. Jedenfalls bin ich glücklich, wenigstens ein Buch gefunden zu haben, mit dessen Hilfe ich mich etwas auf die bevorstehende Geburt vorbereiten kann. Ein gutes Buch reicht ja auch 😉 Ich habe den Titel gerade nicht im Kopf, ich poste es einfach bei Instagram nach.

Was ich eigentlich sagen möchte: Egal was diese ganzen Schwangerschafts- und Geburtsbücher suggerieren, es wird Zeit dem Kaiserschnitt mehr (positive) Aufmerksamkeit zu widmen. Und zwar nicht erst in Form von Literatur zur Krisenbewältigung nach einem erfolgten Kaiserschnitt. Unabhängig von den Umständen und der Entscheidungsgewalt: Häufig stellt der Kaiserschnitt nicht die „Notlösung“ sondern die „einzige“ Lösung dar.

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