Heute vor einem Jahr aka. Stay Alive

HeutevoreinemJahr

Vor einem Jahr war meine Welt noch in Ordnung, könnte man meinen. Heute vor einem Jahr hätte ich genau nachlesen können, was ich heute vor zwei Jahren getan hätte. Ich hätte einfach meine fein säuberlich nach Jahren sortierte Kalender durchgeblättert und nachlesen können.

Jetzt habe ich keine alten Kalender mehr. Ich habe in diesem Frühjahr alle Kalender der letzten Jahre weggeschmissen. Vielleicht war das der Anfang einer großen Reise?

In diesem Jahr hat sich unglaublich viel bewegt. Was kommen sollte kam. Was gehen sollte ging. Für mich gab es dabei nur zwei Dinge zu tun: 1. Hinsehen, 2. Annehmen.

There is a truth and it’s on our side
Dawn is coming
Open your eyes
Look into the sun as the new days rise

-José González, Stay Alive

Ich habe mir lange eingebildet, dass Hinsehen mir nicht schwer fällt. Wie ich festgestellt habe, habe ich zwar hingesehen, aber ausgeblendet, was meinen Annahmen nicht dienlich war. Man könnte also behaupten, dass ich nicht gut im Hinsehen war. Im Annehmen ebenso wenig. Vieles habe ich von mir weggeschoben. Ich habe hingesehen und Dinge und Menschen dann von mir weggeschoben. Ich habe nicht angenommen, was das Leben mir gab und mir zeigen wollte. Und so hing ich in einer Spirale aus Hinsehen und Wegschieben fest. Es gab zwar viel Erkenntnis aber wenig charakterliche Weiterentwicklung. Ich war gefangen in meinem eigenen Kopf und habe angenommen, was in meine Denkmuster passte. Ich war nicht bereit mich zu öffnen oder mich zu verändern.

Loslassen lernen

Es brachen alte Muster auf. „Bewegung“ hieß mein Blogartikel, der die Anfänge dessen ganz gut beschrieb.

Und dann erkannte ich, es gibt drei Dinge zu tun: 1. Hinsehen, 2. Annehmen, 3. Loslassen.

Ich habe versucht loszulassen, gedanklich. Ich habe weggeschmissen was ich nicht mehr brauche. Erinnerungsstücke, Kalender und Zeug, das ich mir eingebildet habe zu brauchen. Ich habe mich gedanklich und physisch frei gemacht von Dingen, die mich belasten und mich daran hindern mich weiterzuentwickeln. Und ich habe langsam und schmerzlich meine eigenen Vorstellungen von „Richtig“ losgelassen.

Loslassen ist dabei die Königsdisziplin, für mich jedenfalls. Loslassen, was mich belastet und das ich für sinnlos erachte, fällt mir leicht. Was ist aber wenn ich Dinge und Menschen loslasse, die ich denke zu brauchen? Was passiert, wenn ich meine (negativen) Bindungen löse und erkenne, dass dabei aus welchen Gründen auch immer Beziehungen zerbrechen? Was ist aber mit all den Beziehungen, an denen ich krampfhaft festgehalten habe? Und gab es, wenn mir das Loslassen so schwer fällt nicht bereits ein Problem beim Hinsehen?

Meine Erfahrung aus einigen Monaten Loslassen ist: Was zu mir kommen soll, kommt zu mir.

Das mag stoisch klingen und das ist es möglicherweise. Damit meine ich aber nicht, dass ich mich nun völlig passiv durchs Leben bewege. Ganz im Gegenteil.

Aber die Dinge fügen sich und dazu braucht es kein Zutun. Was sich begegnen soll, begegnet sich. Was zusammen sein soll, kommt zusammen.

Fokus

Früher habe ich in der Vergangenheit gelebt. Ich war ständig damit beschäftigt Geschehenes Revue passieren zu lassen um daraus zu lernen und habe dabei völlig vergessen den Moment zu leben. Kistenweise haben sich Erinnerungen angesammelt; Dinge, die ich vielleicht irgendwann mal brauchen würde. Bücher, die ich vielleicht irgendwann mal lesen würde.

Dieses Jahr hat mich gelehrt: The time is now.

There’s no place to run and no gasoline
Engines won’t turn and the train won’t leave

-José González, Stay Alive

Es gibt in diesem Jahr so viele spannende, unvergessliche Momente, die ich leben darf. Solche, die ich nicht festhalten kann, egal wie sehr ich es mir wünsche. Solche, die ich nicht festhalten kann, egal wie krampfhaft ich es dennoch versuche. Diese Momente sind da um gelebt zu werden. Sie sind da um mit allem was ich habe gelebt und gespürt zu werden.

So wie dieser Moment heute Morgen, als ich gespürt habe, wie ganz viel Last von mir abfällt. Ich habe mich selten so „ich“ gefühlt wie derzeit, ehrlich. Ich weiß ziemlich genau warum das gerade so ist und bin sehr dankbar, dass ich mich so fühlen darf.

Ich habe nicht nur andere Menschen und Dinge angesehen, angenommen und losgelassen sondern auch mich selber. Ich finde zu mir selber. Die große Reise ist eine Reise zu mir selbst (deshalb auch das Beitragsbild-Selfie). Ich erkenne alte, destruktive Muster und bin dankbar für die Möglichkeit etwas daran zu ändern.

Heute vor einem Jahr also, würde ich sagen, war ich nichts mehr als die Hülle der Vorstellungen davon, wer ich dachte zu sein. Mein Leben hat sich mit Leben gefüllt; mir gezeigt wer ich bin und was ich tatsächlich brauche.

Es gibt jeden Tag so viel zu lernen und ich bin so gespannt, was das Leben mit mir vorhat. Ich bin bereit hinzusehen, anzunehmen und loszulassen.

 

(Ich weiß, ihr seid andere Beiträge von mir gewohnt. Das hier hat nichts mit Max und Luise, nichts mit Hochsensibilität oder Coaching zu tun. Aber das alles hier musste ich mal runterschreiben, wie damals im Mai.)

Kennt ihr solche Phasen auch von euch?

xo Jil

2 Kommentare

  1. Hi, ja ich kenne diese Momente. Ich stecke gerade mittendrin. Und arbeite dran, den ersten Sprung zu schaffen. Toller Artikel und mich regt es an es auch zu versuchen. Das Loslassen. Toller Blog. Grüße Viky (Mamaslandkids)

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Liebe Viky! Vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg beim Loslassen. Es tut so gut! 🙂 Liebe Grüße, J

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