Hochsensible Kinder – Interviewreihe – Sascha

Interviewreihe Hochsensible Kinder

Interviewreihe Hochsensible Kinder

Heute darf ich einen weiteren Papa in unserer Interviewreihe vorstellen, nämlich Sascha, den Mann von Petra, die ich bereits interviewen durfte. Zu ihrem Interview und zu allen weiteren gehts ganz unten im Beitrag.

Lieber Sascha, ich freue mich, dass du dabei bist! Gerade für Väter scheint die Hochsensibilität noch ganz andere Herausforderungen mit sich zu bringen und ich finde es spitze, dass du uns von deinen Erfahrungen berichtest!

Seit wann weißt du von der Hochsensibilität deines Kindes? Was hat darauf hingedeutet?

Zum ersten Mal erfuhr ich dadurch, als meine Frau aufgewühlt von der Arbeit kam, mit Ausdrucken in der Hand und mir begann davon vorzulesen. Es war, als würde sie über unser Kind reden. Sie selbst meinte, dass sich die Hochsensibilität unseres Sohnes schon im Mutterleib abzeichnete. Doch mir, als Mann, war dasnicht klar – woher sollte ich auch wissen, wie empfindlich so ein Baby im Bauch normalerweise ist oder nicht. 😉

Der Begriff erklärte vieles, als wir ihn dann hatten. Dass unser Junge eher vorsichtig als draufgängerisch ist merkte man schon als er ein Baby war.Wald

Wie macht sich die Hochsensibilität im Alltag bemerkbar? Was läuft dadurch vielleicht anders?

Bemerkbar macht sich das oft. Gerade mir, als Vater, der sich (in unserer Familie) als am wenigsten hochsensibel einordnen würde, fiel das am Anfang oft schwer. Möchte man seinen Sohn doch auch für die Zukunft stärken und ihm einen Eindruck vom „Mann sein“ vermitteln. Allerdings war schnell klar, dass das klassische Bild vom „Mann“ heute so eigentlich gar nicht mehr existieren muss. Fußball spielen, am Bach Dämme bauen oder die höchsten Rutschen auf dem Spielplatz herunterschlittern… das war zwar meine Kindheit – aber das darf ich ja nicht von meinem Sohn verlangen. Er selbst weiß, was für ihn gut ist und das teilt er mir mit. Auch unbewusst – Blicke und Gesten verraten hier viel 😉

Zwar wird auch heute ab und an mal der Fußball aus dem Keller geholt… aber wir schießen ein paar Elf-Meter auf´s Tor und kicken gemütlich hin und her – während sich auf dem Platz nebenan die Jungs schon fast um den Ball raufen und ihn dann ins Tor bolzen. Da geht es bei uns doch vieeeel ruhiger zu.

Was wir damals als spaßig und abenteuerlustig empfanden – macht einem hochsensiblen Jungen vielleicht gar keinen Spaß. Das anzunehmen war ein Stück weit ein Lernprozess für mich. Auch durch das Buch meiner Frau (Henry mit den Superkräften – oder warum in jedem Kind ein Held steckt) fand der Begriff noch viel mehr Einzug in unser Leben und man beschäftigte sich auf die unterschiedliche Art und Weise mit allen Facetten dieser „Superfühlkraft“. Das hat enorm geholfen. 

Bringt die Sensibilität deines Kindes dich im Alltag öfter mal an deine Grenzen? 

Ehrlich gesagt: Manchmal schon. Das ist aber keineswegs böse gemeint, sondern zielt viel mehr auf die Unbesonnenheit der anderen ab (im direkten Vergleich). Unsere Zwei grübeln sich in den verschiedensten Situationen den Kopf heiß. Gedanken wie „soll ich“, „was passiert wenn“, „ist das gut für mich“ zehren doch oftmals an der Grundstimmung, wenn es um eine Entscheidung geht.

Während andere mehr den Draufgänger spielen und die Situation einfach ohne nachzudenken in Angriff nehmen – kann das bei uns schon einmal länger dauern und endet dann damit, dass man die Situation einfach nicht genutzt hat. Aber das ist ok – man muss sich nur darauf einstellen und es zulassen können. Das hat aber bei mir eine Zeit lang gedauert.

Weiß dein Kind, dass es hochsensibel ist? 

Ja. Wir sind  von Anfang an offen damit umgegangen. Das Kind merkt ja selbst, dass es in vielen Situationen anders als andere Kinder reagiert. Da kommen dann auch schnell Fragen auf wie „Warum traut der sich das und ich nicht?“

Man darf den Begriff nur nicht negativ darstellen. Es ist keine Krankheit – es ist eine Gabe. Es gibt hier nichts zu behandeln sondern man fühlt einfach mehr als andere. Das ist ein Bonus, den nicht viele Menschen (wissend) haben und auch einsetzen können.

Sprecht ihr mit Familie und Freunden über Hochsensibilität? Ist das ein Thema, das ihr mit anderen besprecht?

Also eigentlich eher nicht. Wenn man Themen wie Hochsensibilität anspricht, kann das dem Gegenüber (der vielleicht noch nie von HS gehört hat) schnell wie eine Rechtfertigung vorkommen. Ich selbst glaube, dass der Begriff an sich auch schnell überstrapaziert werden kann. Macht das Kind einmal nicht das was es soll oder hat es mal einen schlechten Tag und möchte sich einfach nur zurückziehen – kann dieses Wort hier sehr schnell fallen. Aber wirklich gerechtfertigt? Ist das Kind wirklich hochsensibel oder macht es gerade einfach nicht das, was die Eltern sich in diesem Moment wünschen? Der Begriff kann dazu verleiten, viele Sachen auf eben diese Sensibilität zu schieben.

Siehst du die Hochsensibilität als etwas Positives oder Negatives? Fluch oder Segen?

Na absolut positiv. Wer so viel fühlen kann, der ist doch ganz klar im Vorteil. Das einzig Negative  daran ist, dass man sich vielleicht öfters mal selbst im Weg steht in manchen Situationen.

ABER (und das sollte man nicht vergessen) – für das Kind ist dieser Ausgang der Situation ja völlig in Ordnung und dann so gewollt. Nur als Außenstehender denkt man dann vielleicht, dass hier etwas verpasst wurde, nur weil man selbst es so betrachtet. Dass es von dem Kind in diesem Moment aber gar nicht als vertane, vermeintliche Chance erlebt wird, wird da eventuell übersehen. 

Oft ist ein Elternteil ebenfalls hochsensibel. Bist du oder dein*e Partner*in hochsensibel?

Also meine Frau ist es auf jeden Fall mehr als ich. Für mich selbst ist der Begriff immer präsent und ich fühle und nehme Dinge auch intensiver wahr, als andere Menschen. Vor allem, wenn es um meine Familie geht. Aber ich habe auch noch die rauere Seite an mir, welche mich in manchen Dingen dann wiederum abgrenzt zu meiner Frau. Jeder also auf seine Art und Weise – und das ist gut so 😉

Was wünschst du dir für dein hochsensibles Kind? 

Ich wünsche meinen beiden Kindern dass sie –  gerade durch diese Gabe der Superfühlkraft – ihr Leben so leben und gestalten werden, dass sie immer glücklich und stolz auf sich sind. Die Hochsensibilität birgt viele Vorteile. Diesen Umgang damit zu erlernen und zu beherrschen, und sich niemals deswegen „anders“ fühlen zu müssen. Aber da mache ich mir gar keine Sorgen, denn wenn ich meinen Kopf zur Seite drehe und meine zwei Kinder anschau‘, weiß ich, dass sie ihren Weg gehen werden und dass ich ein verdammt stolzer Papa bin und immer sein werde.

Herzlichen Dank an Sascha für die Beantwortung der Fragen und auch für das tolle Foto, das, nehme ich an, Petra geschossen hat? 🙂 Fantastisch!

Ich danke an dieser Stelle auch allen weiteren Interviewpartnern! Dies ist vorerst das letzte Interview dieser spannenden Reihe. Wir haben in den letzten beiden Monaten so viel mitgenommen und der Austausch darüber liegt mir sehr am Herzen. Danke euch allen!

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