Ich wäre gerne stark für dich – (Mal wieder) ein Brief an mein hochsensibles Kind

Brief an mein hochsensibles Kind

Brief an mein hochsensibles Kind

Lieber H1,

weißt du noch, heute Morgen, als du jammernd aufgewacht bist? Vielleicht hattest du einen dieser blöden Träume. Oder Angst, dass du dich im Kindergarten einsam fühlen würdest? Du hast es mir nicht verraten, aber ich weiß, du hattest heute einen deiner „blöden Tage“.

Gerade begleitet dich dein Papa in den Schlaf. Dein blöder Tag neigt sich also dem Ende; du hast ihn geschafft.

Schlechte Laune hatte dich heute ganz fest im Griff und es schien, als wäre nichts so gewesen, wie du es gerne gehabt hättest. Das geht allen Menschen manchmal so. Aber leider konnte ich dich in deiner schlechten Stimmung nicht so liebevoll begleiten, wie ich es mir für dich gewünscht hätte. Und du dir vermutlich auch. Das tut mir sehr leid. Ich hätte gerne die Kraft mich nicht von deiner Traurigkeit mitreißen zu lassen. Dann könnte ich dich drücken und knuddeln, deine Sorgen weglachen. An manchen Tagen erscheint mir das unmöglich. Denn dann sorge ich mich um dein kleines, so sorgenvolles Leben und mache mir Vorwürfe, weil es dir so geht wie es dir geht. Vielleicht wäre dein Tag ohne mich viel schöner gewesen. Was ich dir sagen möchte, ist:

Ich wäre gerne ganz, ganz stark für dich. Aber weißt du, lieber H.: Ich bin so wie du. Ich wache manchmal morgens auf und fühle mich dem Tag nicht gewachsen. Dann würde ich auch gerne jammern, meckern oder weinen. Und auch ich kann manchmal gar nicht genau sagen, was mit mir los ist.

Ich habe da eine Idee, von der ich dir gerne erzählen möchte: Das nächste Mal, wenn wir beide einen blöden Tag haben, dann ärgern wir uns nicht gegenseitig, sondern ärgern stattdessen gemeinsam den Tag. Wir zeigen ihm, wo’s lang geht! Dann machen wir ganz verrückte Sachen, um uns den „blöden Tag“ etwas schöner zu machen. Wir essen Schokoladeneis im Winter, machen am Abend eine Wanderung mit unseren Taschenlampen, erzählen uns lustige Quatschgeschichten (darin sind wir ja ohnehin schon geübt) oder tanzen ganz wild durchs Wohnzimmer. Was hälst du davon, mein kleiner Schatz?

Ich bin gespannt auf deine Antwort. Für diese Nacht wünsche ich dir nun schöne Träume.Träume, in denen du der Held bist, der du für mich jeden Tag bist.

Gute Nacht, mein Schatz. Morgen wird ganz bestimmt ein schöner Tag.

 

Ich habe schon mal einen Brief an meinen Sohn geschrieben. Wenn ihr ihn lesen möchtet, gehts hier entlang.

Ein Kommentar bei „Ich wäre gerne stark für dich – (Mal wieder) ein Brief an mein hochsensibles Kind“

  1. Manchmal kann man einfach nicht stark sein, so sehr man es sich wünscht. Ich finde es aber eine wahre Stärke, aus einem schlechten Tag noch irgendwie einen guten zu machen. Das habe ich mir in den letzten Monaten zu Herzen genommen und so noch einen doofen Tag mit einer gemeinsamen Mutter-Kind-Aktivität schön(er) werden lassen. 🙂

Schreibe einen Kommentar