Hochsensible Kinder – Interviewreihe – Petra Neumann

Interviewreihe Hochsensible Kinder

Interviewreihe Hochsensible Kinder

Ihr Lieben, die Interviewreihe „Hochsensible Kinder“ geht weiter mit Petra Neumann. Wie angekündigt kennt ihr sie vielleicht schon ein wenig. Petra ist Autorin zweier Kinderbücher, die ich euch unten im Beitrag verlinke, um den Lesefluss jetzt nicht zu stören.

Liebe Petra, ich freue mich total, dich an Bord zu haben! Los gehts mit deinen Antworten 🙂

Seit wann weißt du von der Hochsensibilität deines Kindes? Was hat darauf hingedeutet?

Im Nachhinein betrachtet, hat sich das schon in der Schwangerschaft mit meinem Großen abgezeichnet. Nur wusste ich damals noch nichts von „Hochsensibilität“ – auf den Begriff selbst stieß ich erst viel später. Ich erinnere mich aber sehr gut daran, wie extrem mein Sohn schon in meinem Bauch auf Geräusche und Empfindungen reagiert hat. Eine Situation fällt mir da gleich ein: Ich war ca. im siebten oder achten Monat schwanger, als mein Mann und mein Vater Laminatboden im künftigen Kinderzimmer verlegten. Ich musste tatsächlich den Raum verlassen, weil der Bub in meinem Bauch bei jedem Hammer-an-Laminatkante-Klopfen total erschrak und zusammenzuckte. Zu einem anderen Zeitpunkt hatte ich einigen Ärger. Und prompt entwickelte der ungeborene Junge eine Leidenschaft fürs Pogo-Tanzen. Bei meiner Tochter war ich schon sensibilisierter (wie gut dieses Wort doch jetzt hier passt) und bin dann auch offener damit umgegangen. Sie hat hier ganz klar den Vorteil als Zweitgeborene, da ich – gänzlich ohne bösen Willen – bei ihrem Bruder manchmal noch etwas damit haderte. 

Wie macht sich die Hochsensibilität im Alltag bemerkbar? Was läuft dadurch vielleicht anders?

Diese Frage zu beantworten fällt mir nicht ganz leicht. Ich habe keinen Vergleich zu einem nicht-hochsensiblen Alltag. Bei uns wird viel geredet, viel vorbereitet. Wir haben ganz eigene Rituale an denen die Kinder hängen, obwohl sie eigentlich schon gar nicht mehr altersgemäß wären. Einige Themen sind für uns einfach größer, als sie für andere Familien in unserem Umfeld zu sein scheinen. Schullandheim, beispielsweise. Oder generell das Übernachten bei anderen. Auch die Sport-Hobby-Wahl war nicht ganz einfach. Ich habe oft das Gefühl, dass wir sehr „kompliziert gestrickt“ sind und viele Dinge, die für andere „einfach mal schnell so“ ablaufen für uns zu Großprojekten werden. Positiv betrachtet finde ich, dass wir als Vierer-Team einander sehr nah und verbunden sind. Ich genieße den Tiefgang unserer Gespräche und freue mich über die Phantasie und die Intensität der Gedanken unserer Kinder.

Interviewreihe Hochsensible Kinder Petra Neumann

Bringt die Sensibilität deines Kindes dich im Alltag öfter mal an deine Grenzen? 

Ja, das tut sie. Vom ersten Tag meines Mutterseins an. In schwierigeren, konfliktreichen Zeiten wünsche ich mir für meine Kinder mehr Leichtigkeit. Wenn ich sehe, dass sie gehemmt sind, weil sie erst alles durchdenken müssen, statt einfach lachend durch ihre Kindheit zu tanzen, dann piekst es ordentlich im Mama-Herz. Oder wenn ich selbst im Stress bin, sei es innerlich wie auch zeitlich, und eines der Kinder dann aber nicht einfach schnell mitzieht, weil jetzt etwas „bearbeitet“ werden muss, dann komme ich an meine Grenzen. Emotional muss ich mir selbst immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass wir – egal wie stark die Verbindung ist – immer noch Individuen sind und eine Situation, die mir unerträglich erscheint, für mein Kind nicht automatisch auch so sein muss, und umgekehrt. Es kam schon vor, dass ich an dem Problem von einem meiner Kinder länger gekaut habe, als das Kind selbst. Zum Glück geschieht dies jedoch auch bei positiven Ereignissen. 

Weiß dein Kind, dass es hochsensibel ist? 

Ja. Ich musste schließlich irgendwann antworten, als die Frage kam: „Warum ist das bei mir so, und bei anderen so anders?“ Wir nennen dies die Superfühlkraft. Mir ist aber von Anfang an wichtig gewesen, dass dieses Wort (egal ob nun Hochsensibilität oder Superfühlkraft) nicht lebensbestimmend im Raum steht. Wie bedauern uns nicht dafür, wir feiern uns nicht dafür. Dieser Wesenszug ist einfach ein Teil von uns. Ebenso wie unsere Haarfarbe, Schuhgröße, Eigenheiten und unsere anderen Talente und Schwächen. 

Sprecht ihr mit Familie und Freunden über Hochsensibilität? Ist das ein Thema, das ihr mit anderen besprecht?

Nein, eher nicht. Seit mein Buch „Henry mit den Superkräften“ erschienen ist, werde ich natürlich in meinem Umfeld vermehrt darauf angesprochen. Doch selbst enge Freunde erfuhren erst davon, als es veröffentlicht wurde. Das hat jedoch nichts damit zu tun, dass ich die Hochsensibilität meiner Familie verleugne oder womöglich gar nicht dahinter stehe. Ich sehe jedoch nur für uns – im Privaten – keinen Grund über eine neurologische Veranlagung zu reden. Wenn, dann spreche ich über mein Kind (oder mich) als Person. Benenne die zu beredende Situation und erkläre, weshalb wir das nun vielleicht anders handhaben, als erwartet. Um ein Beispiel zu nennen: Wenn der Trainer nun meint, dass mein Sohn nun aber bitte gleich auch mit zu Turnieren soll, dann erkläre ich ihm, dass dies gerade noch etwas zu früh ist, da sich mein Kind noch nicht bereit dazu fühlt und ihn generell Wettkampfsituationen noch verunsichern. Vermutlich wäre dem Verein und dem Kind geholfen, wenn er erst im neuen Halbjahr auf Turnieren spielt. Das Wort „Hochsensibilität“ fällt hier nicht.

Siehst du die Hochsensibilität als etwas Positives oder Negatives? Fluch oder Segen?

Wie schon weiter oben erwähnt: Wir nennen das für uns „Superfühlkraft“. Also betrachten wir die Hochsensibilität als etwas Positives. Dennoch kann und will ich nicht leugnen, dass ich sie auch schon das ein oder andere Mal verflucht habe. Wenn ich aber ganz ehrlich zu mir selbst bin, dann war das meist dann der Fall, wenn ich mich dagegen gewehrt habe, mich verbiegen wollte oder musste. Die Vorteile hochsensibel zu sein überwiegen meiner Meinung nach. Denn wir Superfühlkrafthelden sind ja nicht nur am Grübeln, Jammern, Schonen und Fürchten. Wir können uns auch von Freude, Liebe, Schönheit und Verständnis nahezu beflügeln lassen. Ich halte es für einen Segen, tiefe Bindungen aufbauen zu können und immer besser meiner Intuition zu trauen.

Oft ist ein Elternteil ebenfalls hochsensibel. Bist du oder dein*e Partner*in hochsensibel?

Ja, sind wir. Jeder auf eine ganz eigene Art und Weise. Darüber bin ich unendlich glücklich.

Was wünschst du dir für dein hochsensibles Kind? 

Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass jedes meiner Kinder sein eigenes Wesen leben und ausleben kann. Dass es mit dem Wissen aufwächst, wie wichtig und richtig es ist und dass es stolz auf sich sein darf. Ich wünsche mir, dass es im Leben immer wieder Menschen begegnet, die es „sehen“ und würdigen. Vermutlich wünscht sich das jede Mama für ihr Kind: Zufriedenheit, Liebe und Glück.

 

Liebe Petra, das war ein tolles Interview! <3 Du nimmst die Hochsensibilität mit so viel Liebe und Einfühlungsvermögen an – einfach fantastisch!
Und ich empfinde es als große Bereicherung, dass du dich mit dem Thema auch in Form von Kinderbüchern auseinander gesetzt hast. Hochsensible Kinder fühlen sich häufig „anders“. Mit den Büchern erwirkst du ein Stückchen mehr Selbstverständnis und Akzeptanz für die Kinder im Umgang mit ihrer besonderen Art. Zu den Büchern* geht es hier entlang:

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Das nächste Interview gibts mit Julia. Sie bloggt auf Wheely Mum und wie immer freue ich mich drauf =)

Es berührt mich so, dass die Interviewreihe euch interessiert und so viel Austausch hervorbringt <3

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Ein Kommentar bei „Hochsensible Kinder – Interviewreihe – Petra Neumann“

  1. Tolles Interview! Und immer wieder entlastend zu hören, dass selbst „Hochsensibilitäts-Profis“ manchmal ihre Schwierigkeiten damit haben bzw. hatten. Petra Neumann macht eine ganz tolle Vermittlungsarbeit!
    Liebe Grüße!

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