Meine Kinder sollen Landeier sein

Elf Mal bin ich inzwischen umgezogen. Ich habe ländliche Umgebungen kennengelernt und in Großstädten gewohnt. Schon als Kind habe ich Pläne von meinem Traumhaus gezeichnet – aus heutiger Sicht völlig überdimensioniert, aber egal. Ich liebe Altbauwohnungen und stand unter Tränen in der wunderschönen Berlin-Mitte-Altbauwohnung meiner Eltern, als klar war, dass ich zum letzten Mal dort sein würde. Aber Heidelberg ist ja auch toll. Karlsruhe liebe ich auch. Ach und irgendwann möchte ich mal ein altes Haus renovieren. Okay, ich gebe zu, man kann nicht alles haben. Aber wenn es um Wohnen und Leben geht, mache ich mir viele Gedanken, schon immer. Und seit ich Kinder habe sowieso.

Back to the roots

Ich bin ein absolutes Landei und aufwachsen mitten in der Eifel, in einem Dörfchen, in dem gerade mal 500 Menschen leben. Als Kind genoß ich eine unglaubliche Freiheit und Vertrautheit. Um mich herum waren Menschen, die mich kannten, viele Tiere, viel Landwirtschaft. Wir konnten schon früh alleine durch die Straßen ziehen oder morgens alleine zum Bäcker gehen.

Das wünsche ich mir auch für meine Kinder. Diese ganz besondere Art von Freiheit.

Schon seit ich 19 Jahre alt bin lebe ich in Großstädten. München, Karlsruhe, Heidelberg, Mannheim. Ohne Kinder war das immer toll. Ich spüre gerne dieses Pochen der Stadt, die ständige Bewegung. Ich stehe gerne abends wenn alles dunkel ist am Fenster und beobachte den Straßenverkehr.

Als ich zum ersten Mal schwanger war, sind wir aus der Stadt rausgezogen. Hierher, wo wir jetzt sind.
Nun wohnen wir im Ballungsgebiet. Um uns herum größere Städte. Egal wohin wir möchten, wir müssen eigentlich keine weiten Strecken überwinden.

Meine Kinder sollen Landeier sein2

Ich genieße unseren aktuellen Wohnort sehr. Es gibt alles, was wir so im Alltag brauchen und sind zwar nie mittendrin, aber nah dran. Die Sommer hier sind herrlich warm und sonnig, die Winter bin ich härter gewohnt. Meine Lieblingsstadt Heidelberg ist einen Katzensprung entfernt. Wir sind schnell in Frankfurt (und am Flughafen). Wir standen gedanklich kurz davor eine Eigentumswohnung in einem wunderschönen neuen Gebiet in Heidelberg zu erwerben, umgeben von alternativen Wohnformen. Eine ziemlich coole Sache. ABER.

Nichts für schwache Nerven

So wunderschön ich die Gegend finde: Mir fehlt Ruhe und eine Rückzugsmöglichkeit. Beides werde ich hier nicht bekommen, weil wir den Platz, den ich brauche, nicht bezahlen können.

Hier ist es immer zu laut – für mich hochsensibles Seelchen jedenfalls. Auch abends weggehen gehört nicht zu den alltäglichen Dingen, die ich tue, so dass das „mittendrin sein“ nicht notwendig ist.
Die Kinder können hier nicht frei so herumspielen, wie ich es mir wünschen würde. Dass ich an der Situation etwas ändern möchte, wurde mir immer dann besonders klar, wenn ich bei meiner Familie in der Eifel war. Wie unglaublich frei und sicher Max sich dort bewegt. Seine Zufriedenheit, wenn er frei und unbefangen herumlaufen kann, ist unbezahlbar wertvoll. Um ein Haar hätte uns die Eifel tatsächlich wiedergehabt – dauerhaft meine ich. Warum, das erzähle ich hier ganz bald.

Tatsache ist aber: Hier möchte ich nicht bleiben. Ich möchte ländlicher wohnen, wo ich Platz und Ruhe habe. Nicht zuletzt bedeutet das Landleben für mich Freiheit.

Wohn doch wie du willst

Die Frage, wie man mit Kindern „richtig“ wohnt begegne ich immer wieder. Für Familien ist die Wohnform aber ja leider nicht nur eine Frage davon, wie man gerne wohnen möchte oder davon, was „richtig“ ist, sondern vielmehr auch mit der Frage verbunden, was man sich leisten kann und wo man als Familie akzeptiert wird. Zum Thema Akzeptanz hat Frida einen Text geschrieben, der mich sehr nachdenklich gemacht hat. 

Ich bin überzeugt davon, dass sich Kinder an unsere Lebensverhältnisse anpassen und alles in Ordnung ist, so lange es für die Eltern in Ordnung ist. Denn egal ob wir in einer Großstadt oder auf dem Land wohnen, jede Wohnform birgt Vor- und Nachteile.
Wo meine Kinder später vielleicht mal fluchen werden, weil auf dem Land nichts los ist, werden Kinder in Städten vielleicht dankbar sein, dass sie keinen Fahrer brauchen um abends weggehen zu können. Who knows 😉

Wie denkst du darüber? 

Alu von GroßeKoepfe sammelt alle Beiträge hier. Ich finde das Thema sehr interessant und freue mich, was da alles zusammen kommen wird 🙂

xo Jil

2 Kommentare

  1. Hi, interessante Überlegungen, Deinem letzten Absatz stimme ich absolut zu. Ich denke, das Idealszenario wechselt auch mit dem Alter der Kinder. Wir haben (Großstadt)Kinder und zumindest unserem Großen kann eine Stadt nicht groß genug sein, Berlin und London findet er wunderbar und würde am liebsten hinziehen. Als er ganz klein war, wäre vielleicht ein Dorf richtig gewesen. Was Du aber sagt, ist eben der Punkt, man kann sich sein Idealszenario nicht immer so leisten, sei es, wegen der Erreichbarkeit des Jobs, der Familie oder den Finanzen. Man findet aber hoffentlich immer eine Lösung mit der man glücklich ist und die für die eigene Familie passt. Viele Grüße!
    PS: Dorf in der Eifel wäre zum Beispiel mein Horrorszenario 😉

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Hallo Denise, ja ich glaube tatsächlich, dass es was das Wohnen angeht ganz verschiedene Szenarien geben kann, die gut sind. Das ist so individuell und ein „Richtig“ gibt es einfach nicht. Ich schau mir jetzt mal deinen Blog an 🙂

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