Meine unnötigen Kaiserschnitte

Unnoetige Kaiserschnitte

„Ich freue mich auf die Geburt!“ sagte ich und mein Frauenarzt antwortete mit einem zweifelnden Lächeln. „Ja wirklich!?“ fragte er dann. Ich erinnere mich noch genau an die Situation und meine damit einhergehende Verwunderung, dass ich scheinbar eine von wenigen schwangeren Frauen bin, die sich auf die Geburt ihres ersten Kindes freut.

„Hypno Birthing“ statt Angst vor der Geburt?

Natürlich war meine Aufregung groß und natürlich packte mich von Zeit zu Zeit auch etwas die Angst beim Gedanken an die bevorstehende Geburt. Ich fühlte mich aber gut vorbereitet, hatte mich intensiv mit Hypno Birthing auseinander gesetzt, was mich einfach in meinem Denken bestärkte. Ich fühlte mich bereit und gewillt, dieses Kind zu gebären. Ich wollte spüren, wie es sich anfühlt ein Kind zu gebären. Ja, ich habe mich auf das Geburtserlebnis sehr gefreut.

Und fand mich dann im OP-Saal wieder..

Ein Kaiserschnitt.

Hier stimmt etwas nicht.

Ich war gedanklich so, so weit entfernt von diesem Eingriff. So, wie wahrscheinlich alle Mamas, die einen ungeplanten Kaiserschnitt bekommen. Ich fühlte mich noch ein Stück weiter davon entfernt, weil ich mich noch kurz zuvor so bereit für die Wehen fühlte. Ich war so bereit sie anzunehmen. Und dann durfte ich sie plötzlich gar nicht mehr spüren?

Das kam mir alles extrem falsch vor. Ich dachte: Da stimmt etwas nicht. Das kann nicht sein, dass ich einen Kaiserschnitt brauche. Ich kann mein Kind selber gebären.

Nach diesen üblen Einleitungswehen und einer künstlich eröffneten Fruchtblase ging es mir zusehends schlechter. Ich hatte keinen Durst, wollte nichts trinken, obwohl ich für gewöhnlich wirklich in jeder Lebenslage gerne (Wasser) trinke.
Irgendwie schien im Nachhinein aus Hebammensicht alles nicht schnell genug zu gehen. Ich bekam einen Wehentropf, der mich völlig aus den Latschen haute. Mein Muttermund schloss sich von fünf auf zwei Zentimeter und die Hebamme sagte so etwas wie: „Da stimmt etwas nicht.“ Ich bekam Fieber, fühlte mich dermaßen krank und schwach. Und dann, ja dann war klar: Ich werde mein Kind nicht natürlich gebären.

Everybody gets a second chance..

Vor meiner zweiten Schwangerschaft riet mein Frauenarzt mir dazu, mich vom Radiologen durchchecken zu lassen und mir eventuell bestätigen zu lassen, dass mein Becken zu eng ist, um ein Kind zu gebären. Das war nämlich letztlich die Erklärung, die man mir für den Kaiserschnitt gab. Wie ein Schlag ins Gesicht mit den Worten: „Es liegt an dir, du schwaches Ding“.

Und wie sollte es anders sein: Mein Becken ist sehr eng. Sieht man mir gar nicht an! 😉 Darüber ob es so richtig ZU eng war, wurde nie gesprochen. Nur, dass es eng ist und wohl dadurch die Komplikationen während der ersten Geburt zustande kamen. So jedenfalls die Vermutungen.

So war in der zweiten Schwangerschaft schon früh klar: Diese Schwangerschaft wird mit einem geplanten Kaiserschnitt enden. 

Naivität trifft Realität

Das hätte ich in Frage stellen können. Mein Frauenarzt überließ mir selber die Entscheidung und drängte mich nicht – was ich sehr schätze. Aber ich war ängstlich. Was, wenn es wieder genau so wird? Max hatte unter der Geburt gelitten. Das Fruchtwasser färbte sich grün, während er vergebens versuchte sein Köpfchen aus mir herauszuschieben.
Sollte ich das meinem zweiten Kind auch zumuten? Ist das verantwortungsvoll?

Meine Antwort war ganz klar: Nein. Mit dem zweiten Kaiserschnitt hatte ich mich frühzeitig auseinander setzen können und es war mit viel weniger Enttäuschung verbunden, einfach aufgrund der Tatsache, dass ich wusste, was passieren würde. Auch wenn ich nicht glücklich damit war, habe ich es angenommen. Aber auch nicht hinterfragt.

Eine Enttäuschung blieb bei all dem: Ich werde niemals ein Kind natürlich gebären. Ich werde nie wissen, wie es sich anfühlt. Ich werde nie diesen innigen Moment kennenlernen, wenn einem das Baby nach all den Strapazen auf die Brust gelegt wird.

Von unnötigen Kaiserschnitten

Je mehr Abstand ich zu den Geburten von Max und Luise bekomme, desto deutlicher höre ich meine innere Stimme, die zweifelnd anmerkt, dass die Kaiserschnitte, die ich bekam, unnötig waren.

Warum sollte mein Becken zu eng sein? Niemand in meiner Familie hatte mit diesem Problem zu kämpfen. Alle Frauen haben ihre Kinder natürlich geboren und bei mir sollte das nun anders sein?

Immer mehr weise ich die „Schuld“ von mir ab und denke: Der Wehentropf war ganz klar ein Fehler. Mein Körper hält einiges aus, aber er ist auch sehr empfindlich und schnell zu sehr beansprucht – das wusste ich damals leider noch nicht. Ich dachte sowas wie: „Jil, du bist stark, die Wehen steckst du weg!“ Prinzipiell ja mal keine falsche Einstellung, nur absolut unrealistisch für meinen hochsensiblen Körper.

Wie es wahrscheinlich inzwischen den meisten Frauen ergeht, fehlt unter der Geburt einfach Zeit. Den Schwangeren wird die Zeit genommen zu gebären. Etwas völlig Natürliches, etwas, was kein Geld und keine Interventionen verschwendet. Ich begreife nicht, warum die Provitorientierung (auch hier) über dem menschlichen Wohlergehen steht. Es ist mir ein Rätsel..

Und irgendwann, schätze ich, sind unsere Becken evolutionsbedingt dann tatsächlich zu eng um Kinder natürlich zu gebären.

 

Wie denkt ihr darüber?

xo Jil

2 Kommentare

  1. Silke sagt: Antworten

    Hallo Jil,

    Ich zweifel auch, ob mein KS mit einer 1:1 Betreuung zu verhindern gewesen wäre, aber letztlich wird man es nie herausfinden. Es ist möglich, vielleicht aber auch nicht und vielleicht wäre es ohne KS schlecht ausgegangen. Ich versuche, nicht zu hadern…

    (Heißt nicht, dass ich nicht dringend für Geburten mit guter Betreuung u idR weniger Interventionen bin)

    Viele Grüße, Silke

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Liebe Silke, ja es ist wirklich traurig, welche Entwicklung sich in der Geburtshilfe abzeichnet. In jeder Hinsicht! Aber du hast recht, vielleicht wäre es auch einfach notwendig gewesen.. Wir werden es nie erfahren.
      Danke dir für deinen Kommentar! Liebe Grüße Jil

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