(D)ein Nein ist (m)ein Nein. Aus Hochsensiblen-Sicht

Ein Nein ist ein Nein. Egal wer es sagt. Jedes Nein ist gleich viel wert.

Grenzen setzen für hochsensible Menschen

Denkste!

Aufgrund von Machtstrukturen kommt es nun dazu, dass jemand dazu befugt ist ein Nein nicht zu akzeptieren, gar zu ignorieren. Das kann zum Beispiel das Finanzamt sein, dass Geld möchte, obwohl man „Nein“ gesagt hat 😉 Oder aber auch Eltern, die ihre Kinder dazu anhalten Regeln einzuhalten. Und es gibt Menschen, die ein Nein nicht akzeptieren möchten, weil sie eben nicht wollen. Und diese zweitere Gruppe gilt es zu erkennen!

Für diese zweite Gruppe möchte ich meine Kinder sensibilisieren. Natürlich möchte ich meine Kinder auch dazu anhalten, Machtstrukturen nicht ohne Hinterfragen hinzunehmen. Aber die Menschen, die ihr „Nein“ ignorieren, ohne, dass es einen akzeptablen Grund dafür gibt, sind es, bei denen sie vorsichtig sein sollten.

Dein Nein ist mein Nein.

Nicht immer. Denn, nennen wir es mal das „Nein aus Macht“ wiegt schwerer als mein eigenes „Nein“. Dazu gehören eben gesellschaftliche Zwänge oder Regeln. Is halt so. Aber wie gesagt, mir geht es um das „Nein“, das nicht anerkannt werden WILL.

Und das ist nicht leicht beizubringen. Denn ich erlebe so oft, dass Erwachsene das „Nein“ von Kindern ignorieren, weil sie es nicht als gleichwertig anerkennen.

Wie auch immer, ich möchte, dass meine Kinder lernen, dass ihr Nein genauso zählt wie meines. (Eben im Rahmen unserer aller Grenzen und unter Einhaltung von Regeln.) Auch wenn mein Nein von ihnen auch mal ignoriert wird, so liegt es an mir, ihnen zu zeigen, dass ich ihr „Nein“ hinnehme. Dass sie selbstwirksam sind und in mir etwas bewirken. „Modell-Lernen“ ist das Stichwort.

Eine Sache, die mir aus Juuls Büchern hängen geblieben ist, ist, dass man sein „Nein“ reduzieren sollte. Zum Beispiel in dem man eine Situation erst gar nicht aufkommen lässt, in der man „Nein“ sagen muss. Das habe ich schon immer so gehandhabt seit ich Mama bin. Wenn ich etwas vorausschauend bin und Situationen vermeide, die zu Streitigkeiten führen können, ist das eine echte Entlastung. Und damit meine ich nicht, dass ich meine Kinder vor jedem Konflikt bewahre!

Wenn ich Nein sage, meine ich auch nein.

Ist das so?! Hand aufs Herz: Wie oft sagen wir als Erwachsene „Nein“ ohne es zu hinterfragen? Weil uns gerade danach ist? Weil wir faul sind? Oder was auch immer. Meinen wir denn mit „Nein“ selber immer „Nein“? Wenn mein Mann mich fragt, ob ich mal wieder abends weggehen möchte und meine Antwort „Ach, nein“ ist. Glaubt ihr, ich meine dann auch wirklich „Nein“? 😉
Bevor wir unseren Kindern beibringen dass „Nein“ „Nein“ bedeutet, sollten wir unsere eigenen Neins auf ihre Häufigkeit und ihre Ernsthaftigkeit überprüfen. Sonst bringt das alles nichts. Das ist so als ob ich jeden Tag von früh bis spät vollgesifft im Unterhemd auf dem Sofa rumhänge und meinem Sohn sage, er soll gefälligst arbeiten gehen, damit aus ihm was wird. Ja genau, klappt nicht.

Ein Nein auf Verhandlungsbasis.

Ich konnte schon immer sehr schlecht Grenzen setzen, weil ich gar nicht wusste, wo meine Grenzen überhaupt sind. Das ist bei Hochsensiblen oft ein Thema. Ich habe tausend Mal Dinge getan, die meine Grenzen eigentlich überschritten und zwar ohne, dass es mir in dem Moment auffiel. Mein Leben lang. Zum Glück ohne fatale Folgen, wenn ich da so drüber nachdenke! Ich habe viel, viel, viel zu selten „Nein“ gesagt.
Als ich Mama wurde, kannte ich meine Grenzen immer noch nicht. Mein Sohn hat mir beigebracht Nein zu sagen, noch lange ehe er sprechen konnte. Und nun bringe ich ihm bei Nein zu sagen. Und sofern er meine Grenzen und Regeln damit nicht umstößt, akzeptiere ich sein Nein. Aufrichtig und respektvoll. So wie ich möchte, dass er mein Nein akzeptiert. (Wie gesagt, klappt nicht immer :D)

Ein hochsensibles Nein.

So wie mein eigenes Nein lange Verhandlungssache war, möchte ich meinen hochsensiblen Sohn früh erforschen lassen, wo seine Grenzen liegen und dafür auch einzustehen. Manchmal muss ich meinen Sohn auf seine eigenen Grenzen hinweisen („Aber du wolltest doch nicht, dass…“). Besonders für hochsensible Menschen ist es nämlich schwer, ihre eigenen Grenzen abzustecken. Weil sie ihre Grenzen gar nicht kennen oder sich nicht trauen etwas zu sagen. Und weil sie oft nicht so selbstbewusst sind. Sie fügen sich (zu) häufig äußeren Gegebenheiten. Das Schlimme ist dann, dass man sich nur aufgrund fremder Grenzen bewegt, nicht aber aufgrund von eigener. Und so irrt man als hochsensibler Mensch häufig durch die Welt auf der Suche nach fremden Grenzen, um des anderen Grenzen zu wahren, mit der Folge seine eigenen dabei völlig zu übergehen. Deshalb finde ich es extrem wichtig, dass hochsensible Kinder lernen achtsam mit sich und ihrem Körper umzugehen! Das ist der erste Schritt zum „Nein“.

Eine schwere Lektion.

„Nein“ zu fühlen und „Nein“ zu sagen ist, glaube ich, eine wirklich schwere Lektion, ob hochsensibel oder nicht. Dazu ist Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein nötig. Akzeptanz fremder und eigener Grenzen. Die Gewissheit, selbst etwas bewirken zu können. Hinter einem „Nein“ steht also so vieles und es ist nicht damit getan unseren Kindern beizubringen „Nein“ zu sagen. Ein „Nein“ muss mit Inhalt gefüllt sein. Ein „Nein“ braucht immer ein gutes Motiv.

 

 

Sagt ihr häufig „Nein“? Welche Situationen veranlassen euch dazu, „Nein“ zu sagen? Und schafft ihr es, das „Nein“ eurer Kinder jederzeit zu akzeptieren? Für die Eltern hochsensibler Kinder: Welche Erfahrung habt ihr gemacht?

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*Dieser Beitrag ist Teil dieser wunderbaren Blogparade. Danke, dass ihr das Thema habt aufkommen lassen!

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