RE: Identitätskrise als Mama

Liebe Frida,

vor einiger Zeit hast du einen Beitrag geschrieben, an den ich oft denke. Identitätskrise als Mama.

Ich denke deshalb so oft daran, weil ich mich in dem, was du geschrieben hast so wiedererkenne:

Ich vermisse mich, und ich würde einiges darum geben, mal wieder einen Tag ich selber sein zu können, nicht nur „die Mama von“.

Bevor ich zum zweiten Mal schwanger wurde, ging es schon recht etwas bergauf für mein eigenes „Ich“. Ich konnte abends wieder weggehen oder gemütlich vorm Fernseher rumgammeln, in manchen Momenten auch einfach mal nur an mich denken. Es gab sogar Momente, in denen ich mich wieder etwas wie „Ich“ gefühlt habe.

Und jetzt, wo ich wieder einen Säugling zu Hause habe, denke ich an so vieles aber so wenig an mich. Ich trage Windeln, Klamotten, Spielzeug und sämtliches Zeug in meinen Taschen. Außer meinem Geldbeutel gehört in den Taschen meist nichts mir. Ich passe auf, dass meine Kinder warm genug angezogen sind, sie nicht schwitzen oder zum Eisklotz werden aber ich selber laufe meist rum wie der letzte Hampel. Und wenn ich schon angenervt von meinem Spiegelbild bin, noch bevor der Tag überhaupt richtig begonnen hat, denke ich: Ich vermisse mich.

Wir werden nie wieder wir sein.

Fakt ist aber auch: Ich werde nie wieder so Ich sein, wie ich mich in Erinnerung habe. Ich bin Mama von zwei Kindern, die ich tief im Herzen trage. Sie regieren, und das meine ich nicht negativ, meine Gedanken und mein Tun.
Irgendwann werde ich mich wieder wohler in meinem Körper fühlen, der zwei Kinder geboren hat. Ich werde mich wieder öfter schminken und mich morgens vielleicht sogar über mein Spiegelbild freuen. Im Auto werde ich nicht irgendeine sondern meine Musik hören und ich werde die Kleidung tragen, die mir gefällt, ob sie praktisch ist oder nicht. Ich werde Gelegenheit zum Nachdenken finden.

Aber, liebe Frida, ich nehme an, wir werden nicht mehr so ausgelassen wir selber sein. Unser Leben besteht nun aus mehr als uns selbst und unsere Gedanken sind, egal was wir tun, bei unseren Kindern. Es gibt Tage, an denen bin ich wirklich traurig, nicht länger Ich gewesen zu sein. Vielleicht kennst du dieses Gefühl.

Und wenn wir uns dann vom Boden aufkratzen, stellen wir fest: Wir haben viel gelernt, getan, gesungen, geweint, gedacht, geschrieben und all das hinterlässt seine Spuren. Wir werden keine Cool Kids mehr sein. Wir werden Mama von Cool Kids sein. Wir werden die MILFs sein. Und das ist gut.

Ich bin mir ganz sicher, dass wir uns in unserer neuen, erwachsenen Rolle irgendwann mögen werden. Dass wir uns wohl fühlen und ganz in unserer Mitte sein werden, auch wenn wir nicht mehr die sind, die wir früher einmal waren. Die Identitätskrise als Mama wird irgendwann zur Identität hin und weg von der Krise führen. Denn wie du schon sagtest: Vielleicht sind wir jetzt mehr wir selber als wir es früher waren. Und wir haben noch viel, viel Zeit unser neues Ich zu entdecken.

Was ich mit diesem Brief sagen will, falls es vor lauter Müdigkeit meinerseits nicht klar erkennbar ist: Ich fühle wie du. Und eigentlich weiß ich, wie so oft wenn ich Briefe schreibe, gar nicht recht, warum ich dazu so viele Worte verwende. Ich denke immer, das interessiert eh niemanden. Und ohnehin, ich schreibe ja gar keine Briefe mehr. Mein altes Ich hat Briefe geschrieben und gedacht, dass das eh niemanden interessiert. Also schreibe ich nun auch keinen Brief mehr, sondern einen Blogpost, so wie die Mütter das eben jetzt so tun. Nur in Briefform. Ach egal. Jetzt noch mal ordentlich:

Ich fühle wie du.

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2 Kommentare bei „RE: Identitätskrise als Mama“

  1. Hey Jil. Schön, dass du deine Gedanken hier teilst. Ich bin mir ganz sicher, dass die meisten Mütter sich in deinen Worten hier wiederfinden! Es ist ganz klar fast schon wie ein komplett neues Leben, das man als Mutter beginnt. Und da hineinzufinden ist nicht immer einfach. Aber zum Glück können wir MILFs ja das Beste daraus machen und die schönen Momente des Familienlebens genießen =)

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Hi Katharina, ich danke dir für deinen Kommentar! 🙂 Du hast ganz recht und ich bin froh, dass ich mit meinem Gedanken nicht alleine bin 🙂

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