Sonntagskolumne: Ab Morgen bin ich deine gute Mama

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Freitag ey.. Das war vielleicht ein Tag! Irgendwie war einfach der Wurm drin. Es war einer dieser Tage, an dem sich das Gemüt aller Familienmitglieder irgendwo zwischen genervt und gereizt bewegte, ihr kennt das (hoffe ich). Ein Tag, an dem der Sohn einen viel zu früh und nörgelnd weckt und der irgendwie einfach nicht besser wird. Da weiß ich dann morgens schon: „Okay alles klar.. Spar dir den Stress, bringt eh nichts!“

Es könnte so einfach sein, ist es aber nicht

Leider denke ich das mit dem „Spar dir den Stress“ nur. In der Realität bin ich in gereizter Stimmung, wie wahrscheinlich alle gereizten Menschen, nicht ganz so entspannt. Dann bin ich die Mutter, die wie eine Kameltreiberin vor ihrem Kind steht und zum Anziehen anfeuert, während sie selber krampfhaft versucht was möglichst fleckenfreies Anziehbares zu finden. Die Mutter, die ihren Sohn genervt in Richtung Kindergarten schleift, während dieser sich lieber mit den 20 superspannenden Stöcken auf dem Weg dorthin beschäftigt. Das ist dann der Moment, der meine Geduld dann endgültig zerstört. Ich nöle im Kindergarten herum und versuche zum Hausschuhe anziehen zu animieren. Und das ist ja leider nur der Anfang des Tages..

Wenn der Tag zu viele Stunden hat

Solche Tage würde ich gerne überspringen. Oder einfach ein bisschen vorspulen, so ungefähr auf 20.30 Uhr. Aber genau diese Nervi-Tage ziehen sich ewwwwig hin. Kennt ihr das? Sie wollen kein Ende nehmen. Vielleicht sind die Tage ja auch genervt vom Genervtsein. Ach was weiß denn ich.

Freitag jedenfalls..

..als die Kinder abends dann ENDLICH schliefen und ich den ganzen Tag mit Nörgeln, Schimpfen und Motzen verbracht hatte, fiel mir wieder auf, wie sehr ich an solchen Tagen in eine Negativspirale gerate. Es schaukelt sich ständig hoch. Sohn motzig, ich motzig. Ich motzig, Tochter motzig. Tochter motzig, Sohn motzig. Aus dem Gemotze kommen wir alle dann so schnell nicht heraus. Mein persönliches Highlight war ja das Abholen im Kindergarten. Ich war so mies gelaunt und habe völlig sinnfrei zeitlichen Druck ausgeübt, obwohl wir es nicht eilig hatten. Wegen nichts also. Fragt nicht.. Aber genau das macht es bei mir an solchen Tagen so anstrengend: Ich bin grundgenervt und motze wegen jedem Blödsinn. Wenn ein Glas herunterfällt oder so was. Gelegenheiten, in denen ich normalerweise verständnisvoller reagiere. Tja, und was bringt am Ende das ganze Geschimpfe? Ihr ahnt es.. nichts. Rein gar nichts. Außer, dass ich noch genervter bin und in 10 Jahren wahrscheinlich doppelt so alt aussehen werde, wie ich tatsächlich bin.

Auch, wenn ich Stimmungen meiner Mitmenschen sehr schnell spüre und aufnehme, möchte ich zukünftig versuchen, mich anders zu verhalten. Ich habe keine Lust mehr mir an doofen Tagen umsonst den Mund fusselig zu reden oder mich meiner Nerven berauben zu lassen. Weil es nichts bringt und es eigentlich nur nur schlimmer macht. Mein Geschimpfe geht mir an solchen Tagen auch selber ganz schön auf die Nerven. Und meine Kinder sollen blöde Tage haben dürfen und wissen, dass ich für sie da bin. Das ist natürlich kein Freifahrtschein, aber wenn ich einen schlechten Tag hätte und mich jemand die ganze Zeit anmotzen würde.. Vielen Dank auch. Hinzukommt, dass ich weiß, dass ich eigentlich anders sein kann und möchte. Also:

Ab morgen!

Ich habe mir am Freitag Abend vorgenommen aus meiner Schimpf-Motz-Nörgel-Spirale auszubrechen. Statt zu motzen, habe ich beschlossen möglichst nicht zu werten und stattdessen zu erklären, wie es mir gerade geht. „Ab Morgen bin ich deine gute Mama“ hätte ich meinem Sohn am Freitag Abend, als er schon lange schlief so gerne ins Ohr geflüstert.

Gestern, also der Tag nach dem Motz-Marathon, war tatsächlich ein schöner Tag und das, obwohl ich den ganzen verregneten Samstag alleine mit den Kindern zu Hause rumgehangen bin. Aufatmen!

 

Und nun Hand aufs Herz.. Gibts noch mehr so Nöli-Eltern wie mich? Erwischt ihr euch auch manchmal, wie ihr vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt? Oder seid ihr relaxed, wenn eure Kinder mal mies drauf sind?

Habt einen schönen Sonntagabend,

Jil

3 Kommentare bei „Sonntagskolumne: Ab Morgen bin ich deine gute Mama“

  1. Oh man, aber hallo! Und ich glaube, das wird immer schlimmer, je größer er wird. Aber ich weiß auch und erkenne dann selbst, wie du schon schreibst, das Problem, diese Spirale. Aber es ist so schwer, dort dann herauszukommen …

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Liebe Lea, absolut! Das ist verdammt schwer da herauszukommen. Ich finde das besonders schwer, wenn man selber nicht zur Ruhe kommen kann abends. Dann gehts am nächsten Morgen gleich wieder weiter mit dem Wahnsinn und über die Jahre hinweg mit Schlafmangel etc. wird die persönliche Frustrationsgrenze immer kleiner. Es hilft mir selber aber sehr, mir ab und an mal vorzunehmen nicht zu meckern und das auch durchzuziehen. Das klappt dann manchmal sogar 😉

  2. Gereizte Person, das trifft wohl gut auf mich zu, das war ich irgendwie schon immer… 😉 Ich merke aber, dass es wirklich darauf ankommt, wie ich zum Beispiel geschlafen haben. „Mit dem falschen Fuß“ aufgestanden, das trifft auf mich öfters zu und dann bin ich manchmal etwas unentspannt.
    Ich versuche dann aber trotzdem irgendwie entspannt zu sein… Nicht immer einfach. 😉

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