Sonntagskolumne: „Da kann ja jeder kommen!“

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Heiße Sommertage verbringen wir seit ein paar Jahren am See. Das ist der Ort, an dem wir uns vor der Hitze der stickigen Wohnung mit Südbalkon flüchten. Die „Seetasche“ steht im Sommer jeden Tag bereit genutzt zu werden. Lediglich was die Verpflegung angeht, müssen wir hin und wieder improvisieren, denn nicht an jedem Tag am Wasser lässt sich Max für meine fein säuberlich entkernten Melonenstückchen begeistern, die ich vorher in völliger Hetze noch schnell geschnippelt (und entkernt) habe. Er weiß nämlich inzwischen ziemlich genau, wie lecker die Eisschokolade vom Kiosk dort schmeckt.

Ein Ausflug zum See. Mit zwei Kindern. Alleine.

In der vergangenen Woche war ich alleine mit Max und Luise am See. Wenn es warm und entsprechend voll dort ist, bedeutet das eine ziemliche Herausforderung für mich. Der Geräuschpegel und die vielen Menschen sind mir eigentlich viel zu viel. Dennoch möchte ich auf diese tollen Tage, die ich in Summe gerne konservieren würde, nicht verzichten. Denn Ausflüge zum See sind wie Ausflüchte zum See. Wir sind von Jetzt auf Gleich raus aus dem Alltag, rein in den Kurzurlaub.

Max und Luise wollten am besagten Tag nach zwei ausgiebigen Plantschrunden in völlig überfüllten Becken eine Eisschokolade. Um zu verhindern, dass Luise (zu jung) oder ich selber (zuckerfrei und so) zu viel Eisschokolade trinken, habe ich beschlossen eine Schokolade für beide Kinder zu bestellen. – Ist die irre!? – Ja, möglicherweise! 😉

Das Argument der Argumente

Ohne bewusst darüber nachzudenken fragte ich beim Verkäufer, der mich inzwischen schon kennen dürfte, ob er so freundlich wäre und mir die Eisschokolade für die Kinder auf zwei Becher aufteilt. Ohne zu zögern schüttelte er mit dem Kopf und sagte: „Nein, da kann ja jeder kommen!“ Und noch sowas wie „Dann wollen das Morgen alle!“ aber ich habe ihm gar nicht mehr recht zuhören können, so irritiert war ich von seiner (für mich) vorschnellen Antwort.

Da kann ja jeder kommen

Es lässt sich nun darüber streiten, ob mein Wunsch unangemessen war, okay. In dem Moment aber als ich die Antwort hörte, da hatte ich sowas von die Schnauze voll. „Da kann ja jeder kommen!“ Immer wieder höre ich diesen Satz und für mich ist es eines der schlechtesten Argumente überhaupt. Damit bewahrt man sich doch auf, bloß ja niemandem einen Gefallen zu tun. Gib bloß der Frau mit den zwei Kindern auf dem Arm nicht auch zwei Becher. Dann lass die Kinder lieber die Plörre aus einem Becher trinken und sich dabei streiten bis sie nie wieder eine Eisschokolade trinken wollen! (Ironie off)

Ich finde es einfach schade, dass Menschen dieses „Da kann ja jeder kommen“ sagen. Ich mag nicht diese Distanz, die dieser Satz aufbaut. Mich stört auch, dass man nicht im Einzelfall entscheiden kann oder „Stopp“ sagt, wenn es zu viel wird und stattdessen lieber direkt alles von sich abwehrt. Auch für meine Kinder wünsche ich mir, dass sie aufgrund solcher stumpfsinnigen Aussagen nie den Mut verlieren Fragen zu stellen.

Wenn alle sagen würden „Da kann ja jeder kommen!“ – leben wir dann nicht in einer Welt stinklangweiliger, ja nicht aus der Reihe tanzender Egoisten?

Vielleicht übertreibe ich, aber das denke ich tatsächlich. Wie seht ihr das? Übertreibe ich? Oder hat das Argument seine Daseinsberechtigung?

Wer Schokolade hat, dem kann man nicht böse sein

Der Eisschokoladen-Verkäufer hat uns jedenfalls schon viele Nachmittage am See versüßt. Über seine Worte möchte ich nicht urteilen, mich auch nicht darüber aufregen, denn ich bin sicher, dass er seine Gründe hatte genau dieses Argument anzubringen, das in mir so viel Gegenwind ausgelöst hat. Ich konnte mit seiner Antwort im Prinzip gut leben. Nur das Argument, das ich schon so oft gehört habe, hing mir irgendwie zum Hals heraus. Sorry.

Vielleicht hat der Verkäufer sich auch einfach gedacht:

Was ist das denn für eine Mutter, die ihre Kinder dazu nötigen will diese köstliche Schokolade zu teilen!? Ist die irre?! – Sieht ganz so aus!

 

Habt einen feinen Sonntag!

 

Und erzählt mir doch mal, wie ihr mit Situationen umgeht, in denen ihr euch irgendwie ungerecht behandelt fühlt. Oder solche, in denen ihr mit den Antworten nicht gut umgehen könnt. Was tut ihr, um wieder in Balance zu finden?

In meinem nächsten Newsletter berichte ich, wie ich gelernt habe, mich nach solchen Momenten etwas zu regulieren und mich nicht im Ärger zu verlieren. Wenn es dich interessiert, freue ich mich, wenn du dich in meinen Newsletter in der Seitenleiste einträgst.

xo Jil

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