Sonntagskolumne: Müsli an der Hose

Muesli an der Hose - Kolumne

Es ist Sonntag Morgen. Das klingt gemütlich oder? Nunja, wir haben zwei Kinder.

Wir sitzen am Frühstückstisch. Früher als gewünscht, aber hey. Wir haben es gerade rechtzeitig geschafft uns einen Cappuccino zu machen, bevor eines der Kinder sich schon fröhlich am halbherzig gedeckten Frühstückstisch bedient. Zu viert sitzen wir also am Tisch und ich hoffe auf ein gemütliches Frühstück. Es sieht gut aus, ich glaube, das Glück ist heute mit mir! Liegt bestimmt daran, dass ich Gestern meditiert habe. Entspannte Eltern, entspannte Kinder, sagt man ja.

H1 möchte Cornflakes. Perfekt. Da müssen nämlich nur Milch und Cornflakes zusammen geschüttet werden und unsere Arbeit ist erledigt. Kein Brot schmieren.
Nein. Ich sag euch was: Cornflakes sind hier mit dem Aufwand eines 3-Gänge-Menüs aus der Molekularküche vergleichbar. Während der Mann am Tisch H2 zum Frühstücken zu bewegen versucht, stehe ich in der Küche und kippe die lauwarme Milch, die ich zu den Cornflakes gegeben hatte mühsam aus der Müslischüssel. Ich hatte doch tatsächlich Milch mit der falschen Temperatur benutzt! Pf. Die Milch schmeckt komisch. Sie müsste kälter sein. Außerdem habe ich in meiner Achtlosigkeit zur Empörung meines Sohnes zu wenig Cornflakes in die Schüssel geschüttet. Okay, das mit dem entspannten Frühstück kann ja noch werden, aber ihr ahnt es vielleicht schon. Ich gebe die nachgebesserte Müslischale an meinen Sohn weiter. Er sitzt am Tisch und isst. Ich sitze am Tisch und schlürfe etwas von meinem inzwischen auch lauwarmen Cappuccino. Lauwarm ist klasse! Man wird ja etwas anspruchsloser als Eltern.

Dann richtet mein Sohn ein vorwurfsvolles „MA-MA!“ an mich. Ich schrecke kurz zusammen, war ich doch etwas vertieft in Vorbereitungen für mein leckeres Sonntagsbrötchen. Ich atme tief durch und befürchte: Mein Brötchen muss warten. Adieu, lieber Zuckerrübensirup! Verteil dich nur über den Brötchenrand auf meinem Teller. Wer gerne Zuckerrübensirup oder auch Honig isst, kennt das. Aber zurück zu meiner eigentlichen Aufgabe: Die Cornflakes haben zu wenig Milch! Wie gerne hätte ich ihm einfach ein Brot geschmiert. Oder auch zwei. Dann hätte ich mich wenigstens nicht von meinem Cappuccino und meinem Brötchen entfernen müssen..

H2, unsere Tochter verweigert das Frühstück. Sie hat ein Kindermüsli vor sich stehen und bei H1 gesehen, wie er zu warme Milch aus seiner Schüssel schlürft. Sie möchte nun auch Milch. Ich renne schon wieder in die Küche. Der Mann schüttet etwas Milch in ihre kleine Schüssel und sie beginnt fröhlich zu matschen. Während ich mit einer Hand mein Zuckerrübensirup-Brötchen balanciere, damit der Sirup auf dem Brötchen bleibt, versuche ich H2 dazu zu bewegen, ihr Müsli zu essen statt damit zu spielen. Ungefähr eine Minute später sehen sich mein Mann und ich irritiert an. „Hast du das auch gerade gesehen!?“ fragt er. „Ja“ antworte ich. H2 hat mit ihrem kleinen Löffel zu wild in der Schüssel herumgerührt und das Müsli mitsamt der Milch auf dem Boden verteilt. Wir beseitigen alle Spuren und setzen uns erneut an den Tisch.

Die Kinder scheinen ihr Frühstück beenden zu wollen. Klasse, denn das ist der Moment, auf den ich mich insgeheim jeden Sonntag freue. Die Hoffnung auf ein gemütliches Sonntagsfrühstück mit meinem Mann, vielleicht sogar einem (kurzen) Gespräch, steigt in diesem Moment. Beide Kinder hüpfen kurz durchs Wohnzimmer und machen es sich auf dem Sofa bequem. Wir sitzen zu zweit am Tisch genießen ein paar Minuten Zweisamkeit am Esstisch. Das reicht dann auch.

H1 meldet sich. „MAAA-MAA!“ Dieses Mal höre ich keinen vorwurfsvollen Unterton sondern einen erschrockenen und ich frage mich ganz kurz, was mir besser gefällt.

„MAAAAAAMAAAAAA! H2 hatte Müsli an der Hose! Das ganze Sofa ist voll!“

Wir packen unser Putz-Equipment wieder aus. Als Putz-Duo sind wir eindeutig eingespielter als als Frühstücks-Duo.

Ich geh dann mal meditieren. Einen schönen Sonntag euch allen!

P.S. Ist Essen mit zwei Kindern bei euch ähnlich unentspannt? Und wenn ja, wird das besser? Und wenn ja, wann?

P.P.S. Hast du Lust mitzumischen in der Sonntagskolumne? Ich würde mich sehr freuen, wenn ich GastautorInnen für diese Reihe gewinnen könnte. Falls du Lust hast oder jemanden kennst, der Lust haben könnte (…), schreib mich gerne an 🙂

4 Kommentare bei „Sonntagskolumne: Müsli an der Hose“

  1. Auch mit einem Kind ist es oft ähnlich, ich glaube Bedienen in einem Restaurant ist einfacher als das perfekte Frühstück für Kinder herzurichten.
    Witzigerweise hoffen wir auch am Ende auf den „Ruhemoment“. 😉 So 2-3 Minuten „alleine“ sind schon ganz entspannend. 😉

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Dann bin ich beruhigt, wenn es nicht nur uns so geht 😀 Danke für deinen Kommentar, liebe Lara <3

  2. Also ich muss sagen, ich war bei Cornflakes auch als Kind schon mäkelig und bin es immer noch. Mein Mann ist davon auch schon genervt 😀 aber ich kann deine Kinder verstehen! Ich mag z.B nur eiskalte Milch (sobald sie nur ein Tick zu warm ist, mag ich sie nicht mehr), je nach Sorte brauch ich einen großen oder kleinen Löffel und es muss die Reihenfolge stimmen und das Verhältnis 😀 meine Mama und meine Schwester hatten das irgendwann aus dem FF drauf und mein Mann lernt es inzwischen auch. 😀
    Also Übung macht den Meister. Und sorry, falls ich dich desillusioniere, dass es evtl immer so bleibt 😀

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Das bleibt für immer?! 😉 Nein Quatsch, ich werde mich daran gewöhnen 😀 Das mit dem Löffel ist übrigens lustig. Da bin ich nämlich auch etwas „komisch“, mein Mann versteht das nicht, weil ich es gar nicht erklären kann, wann ich welchen Löffel brauche. Ich weiß es einfach 😉

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