Sonntagskolumne: Von Vertrauen, Idealen und Gras

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Es ist wieder Sonntag und ich habe es trotz Erkältung geschafft die Sonntagskolumne fertig zu schreiben. Heute etwas ernster als in der vergangenen „Müsli an der Hose“-Ausgabe. Hier gehts um Vertrauen, Ideale und Gras:

Eine der wichtigsten Botschaften, die wir unseren Kindern mit auf den Weg geben möchten, ist doch „Du kannst mir vertrauen.“
Uns ist daran gelegen, dass unsere Kinder uns ihr Vertrauen schenken und wir tun alles um ihnen zu zeigen, dass ihre Worte und Taten bei uns sicher sind. Sie wünschen uns, dass sie uns erzählen, dass sie mit einem Freund gestritten haben oder ein mieser Tag mit vielen Ärgernissen hinter ihnen liegt.

Dazu ist es notwendig, dass unsere Kinder urteilsfrei und bedingungslos mit uns Eltern ins Gespräch gehen können. Wir sind diejenigen, die ihre Worte anhören sollten, ohne sie zu verurteilen. Sie brauchen uns als Eltern nicht, damit wir ihnen unsere Meinung aufzwängen sondern um zuzuhören und sie zu halten, auch schon, wenn sie noch nicht (für uns verständlich) sprechen können. Sie brauchen uns als Eltern, damit wir sie bei der Hand nehmen und ihnen beistehen, bedingungslos.

Sie brauchen uns als Eltern, nicht nur, damit sie uns vertrauen, sondern auch, damit wir ihnen Vertrauen schenken. Es ist nicht unsere Aufgabe sie zu drängen oder auf einen Weg zu schubsen, von dem wir glauben, dass er richtig ist. Denn sind wir mal ehrlich.. Wir sind doch selber noch nicht „angekommen“, wenn wir Eltern werden. Auch wir suchen nach uns selber, nach unserem eigenen Weg. Und obgleich ich das als eine sehr herausfordernde Aufgabe ansehe, so sollten wir als Eltern uns selber reflektieren: Unsere eigenen Vorstellungen von Richtig müssen nicht auf unsere Kinder zutreffen. Sie haben ihr ganz eigenes „Richtig“, das sie selber finden werden, auch, wenn das für uns Eltern manchmal hart sein mag.

Unsere Kinder sind nicht da um unsere Vorstellungen und Ansprüche zu leben.

Versteht mich bitte nicht falsch, natürlich dürfen wir unsere Kinder unterstützen. Vielleicht bedarf es manchmal auch einen kleinen Denkanstoß in eine bestimmte Richtung. Aber es gibt für mich einen Unterschied ob wir sie auf ihrem eigenen Weg unterstützen oder versuchen sie auf einen für uns vermeintlich richtigen Weg zu drängen.

Wir haben so viele Vorstellungen davon, wie Dinge zu sein haben. Ganz besonders dann, wenn wir diese Vorstellungen als Ideal abtun, und das, obwohl wir eigentlich ahnungsloser als ahnungslos sind. Ich erinnere mich gut daran, als ich zum ersten Mal Mama wurde. Ja ja ich weiß, darüber habe ich oft geschrieben.. (zum Beispiel über das Familienbett). Aber es ist mir sehr wichtig. Ich möchte, dass andere Eltern es besser machen können. Wie dem auch sei. Ich war sowas von unglaublich ahnunglos. Ich hatte aus Erzählungen, Berichten und Büchern Vorstellungen davon, wie das Leben mit Baby wohl so sein sollte. Als dann alles anders war als ich es mir vorgestellt hatte, wurden meine Vorstellungen plötzlich zum Ideal.
Da war zum Beispiel diese Sache mit dem Beistellbettchen. Meine Vorstellung: Babys schlafen in Beistellbetten. Meine Realität: Babys schlafen nur auf Mama. Weil meine Realität von meiner Vorstellung abwich, wurde diese Vorstellung kurzerhand zum Ideal, obwohl ich überhaupt keine Ahnung hatte.

Ich habe viele Eltern erlebt, die ihren Kindern ihre Idealvorstellungen aufgedrängt haben. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Denn dieses Aufdrängen ist verdammt, und zwar wirklich VERDAMMT kräftezehrend! Völlig egal ob es dabei um Töpfchentraining (oder wie nennt man das?), alleine einschlafen oder später um Schulangelegenheiten geht.

Man sagt bekanntlich: „Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht.“

Unsere Kinder sollten doch, so schwer das manchmal für uns und unsere Idealvorstellungen sein mag, ihr eigenes Tempo bestimmen dürfen. Lassen wir sie ihren eigenen Weg gehen, der viel richtiger ist schöner sein möge, als wir ahnen.

Lassen wir sie durch gegenseitiges Vertrauen über uns hinaus wachsen.

P.S. Hoffentlich erinnert mich jemand daran, wenn meine Kinder erst einmal in der Schule sind! Bitte danke.

 

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