Tipps für den Umgang mit hochsensiblen Kindern

Umgang mit hochsensiblen Kindern

Was hilft uns Eltern eigentlich im Umgang mit hochsensiblen Kindern? Wie können wir die Geduld bewahren, wenn dem Kind morgens in der Eile alle Kleidungsstücke zu unbequem erscheinen? Oder es am Abend partout nicht einschlafen will?

Ich habe mir ein paar Tipps herausgepickt, die sich für mich im Alltag mit Max (unserem hochsensiblen Sohn) besonders hilfreich erwiesen haben:

 

Eine reizarme Umgebung schaffen

Kinder vor Reizen zu bewahren, gehört wahrlich nicht zu den einfachsten Aufgaben. Hochsensible Kinder, die vieles ungefiltert in sich aufnehmen, benötigen weit weniger Action als wir möglicherweise denken. Schon ein Vormittag im Kindergarten kann genug/zuviel Input für den Rest des Tages sein. Kommt dann noch eine Nachmittagsverabredung hinzu, ist eine Reizüberflutung vorprogrammiert.

Tipps:

  • Mittagsschlaf oder eine ausgedehnte Ruhephase
  • Pausen zwischen Events und Verabredungen
  • „Gammeltage“ zwischendurch, an denen nichts außerhalb der vertrauten Umgebung geschieht
  • wenn umsetzbar kindergartenfreie Tage
  • die Tage nicht mit Terminen zupflastern

Das Kind ansprechen

Introvertierte, hochsensible Kinder spüren/sehen/hören extrem viel, sind aber oft auch in sich gekehrt. Sie sind scheinbar dauerhaft mit der Verarbeitung von Erlebtem beschäftigt ohne darüber zu sprechen. Alles passiert  im stillen Kämmerlein. Es liegt also auch an uns Eltern einmal nachzufragen, was das Kind gerade bewegt, woran es denkt. Dadurch lassen sich zum Beispiel (negative) Gedankenspiralen auflösen. Oder das Kind lernt, seine Gefühle verbal zu kommunizieren.

Tipps:

  • Fragen, fragen, fragen. Jedoch ohne zu stören. Das Kind ermutigen über seine Gefühle und Gedanken zu sprechen. Hochsensible Kinder machen Vieles mit sich aus, sind aber meist sehr erleichtert, nachdem sie ihre Gedanken artikuliert haben
  • Eine Umarmung

Mach dein Ding, egal was die anderen sagen

Besondere Menschen – besonderes Denken. Was normal sensiblen Kindern gut tun mag, muss nicht automatisch auch hochsensiblen Kindern gut tun. Ich erinnere mich gut, wie frustriert und wütend ich damals war, dass Max partout nicht in seinem Gitterbettchen schlafen wollte. Statt das zu akzeptieren, habe ich viel Zeit darauf verschwendet die Situation zu optimieren, statt mich mit Alternativen zu beschäftigen.

Tipps:

  • Nicht abschrecken lassen, dass die Welt sich für hochsensible Kinder anders und intensiver anfühlt
  • Statt auf alt Bewährtes zurück zu greifen und sich daran die Zähne auszubeißen lieber nach Alternativen suchen, die möglicherweise viel besser zum Kind passen, das kann zum Beispiel eine alternative Betreuungsform oder Schule sein; Tragen statt Kinderwagen; Familienbett statt Gitterbett usw.

Die Hochsensibilität anerkennen

„Du bist okay“ lautet die Message – natürlich nicht nur für hochsensible Kinder.

Die Hochsensibilität ist eine Gabe und lässt sich nicht einfach wegzaubern. Die große Herausforderung ist es, dem hochsensiblen Kind zu vermitteln, dass es vielleicht in manchen Bereichen anders aber immer gut ist, wie es ist. Voraussetzung dafür ist, dass wir als Eltern die Hochsensibilität anerkennen und wertschätzen. Die manchmal negativen Aspekte gilt es hinzunehmen und nicht zu verändern oder das Kind gar versuchen abzuhärten.

Tipps:

  • Um das Kind mit seiner Gabe anzuerkennen, gehört aus meiner Sicht, seine Bedürfnisse ernst zu nehmen. Auch wenn die Bedürfnisse hochsensibler Kinder groß, anspruchsvoll, kräftezehrend sind: Herunterspielen oder gar Ignorieren von Gefühlen vermittelt alles, nur keine Wertschätzung und Anerkennung.
  • Die Meinungen Außenstehender können manchmal zur Last werden und Verunsicherung mit sich bringen. Es kann daher hilfreich sein sich immer wieder selber still aufzusagen, was wir tief im Herzen wissen: „Mein Kind ist gut, genau so wie es ist.“

Kratzige Kleidung aussortieren

Viele hochsensible Kinder tun sich schwer mit kratzender Kleidung. Es ist nicht nötig jeden Tag die gleichen Diskussionen zu führen, denn die Kleidung wird sich am nächsten Tag nicht weniger unangenehm anfühlen. Wir werden nur mehr und mehr gestresst vom Kleider-An-Und-Auszieh-Drama und Etiketten herausschneiden führt dazu, dass die Kleidung noch mehr kratzt als zuvor.

Tipps:

  • Um den zeitlichen Druck etwas zu minimieren: Am Morgen zuerst Anziehen, danach alles weitere
  • Kratzende Kleidungsstücke direkt aussortieren statt ins Leere führende Diskussionen zu führen
  • Das Kind die Kleidung beim Kauf selber aussuchen bzw. fühlen lassen

 

 

So, erzählt mir doch mal von euren Erfahrungen im Alltag mit hochsensiblen Kindern. Habt ihr ultimative Tipps? Was fordert euch besonders heraus? Sucht ihr vielleicht noch nach einer Lösung?

Wenn du eine hochsensible Mutter bist und Lust hast, dich mit anderen hochsensiblen Müttern auszutauschen, findest du hier unsere Facebook-Gruppe.

Interessiert euch, wie es anderen Eltern hochsensibler Kinder geht? Dann schaut doch mal in die Interviewreihe.

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7 Kommentare

  1. Carmen sagt: Antworten

    Liebe Jil!

    In jedem Satz Deines tollen Berichtes finde ich uns und unsere Tochter wieder. Wir wissen ja schon lange, dass sie einfach nicht in das „normale“ Raster passt. Sie hat über 4 Jahre lang extrem viel geschrien und wenig geschlafen. Sie ist sehr schnell überreizt und erkennt mittlerweile selbst wann es ihr zu viel wird. Zu laut, zu eng, zu viele Menschen….
    Sie möchte dann auch sofort gehen.
    Die morgendlichen Diskussionen bzgl Kleidung rauben mir manchmal den letzten Nerv. Die Unterwäsche darf nur DEN einen bestimmten Schnitt haben. Eine Schere liegt jetzt immer parat um kratzende Etiketten zu entfernen.
    (Das kenn ich aber auch von mir….) Bestimmte v.a. künstliche Materialien auf der Haut gehen gar nicht. Sie war schon als Baby am liebsten ganz ohne Kleidung…. Hat sich als Kleinkind immer selbst ausgezogen.
    Daneben stehen, wenn andere spielen… sich aber auch selbst „ausgrenzen“.
    Abends laaaaaaange wach. Schlafen nur bei uns im Bett. Und solange es ging, und auch heute noch mit 7, am Liebsten auf dem Arm oder an der Hand von Mama und Papa. Kindergarten war ein Graus! Zu viele laute Kinder. Auch mir tut es noch immer weh, dass ich sie dorthin bringen „musste“.
    Allerdings wollte sie in die „normale“ Grundschule gehen. Wir hatten ihr auch die Montessori angeboten. Aber ich denke, sie wollte sich von den wenigen Freundinnen, sie sie hat, nicht auch noch abgrenzen. Dazu gehören ist einerseits total wichtig, aber nicht bei jedem.
    Sie ist auch oft ein sehr ernstes Kind. Nicht so unbeschwert wie Kinder in dem Alter vlt sein sollten. Schnell traurig, fühlt sich oft persönlich angegriffen.
    Sie lehrt uns jeden Tag achtsam zu sein in dem was und wie ich etwas sage. Sie bringt auch
    Oft die nötige Ruhepause in unseren vollen Terminplan, weil sie ihre Auszeiten fordert. Ich bin jetzt erst in den letzten Monaten auf den Begriff „Hochsensibiliät“ gestoßen und hätte mir gewünscht vorher davon zu erfahren. Das hätte so vieles einfacher gemacht und auch viele Diskussionen erspart über ihre „Macken“, wie wir dieses „Anders sein“ lange fehlgedeutet hatten. Danke für Deinen offenen Bericht, der so vieles erklärt!

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Liebe Carmen, vielen Dank für deinen Kommentar erst einmal.
      Ich freue mich, dass dir mein Beitrag hilft, das Verhalten deiner Tochter besser nachvollziehen zu können. Gerade für hochsensible Kinder ist es so wunderbar, wenn sie Eltern haben, die sie verstehen und sich mit dem Thema auseinander setzen, weil sie einfach besonders empfindsam sind. Deshalb liegt es mir auch so am Herzen darüber zu schreiben und zum Nachdenken anzuregen. Bei uns ist der Kindergarten übrigens auch kein Spaß.. H1 erzählt immer wieder, dass es ihm zu viele Kinder sind, dass es zu laut ist, dass er sich langweilt usw. Aber so wie mich das traurig stimmt, so froh bin ich auch, dass ich morgens mal meine Ruhe habe. Es ist ein ewiges Hin und Her, nicht nur für ihn, sondern auch für mich. Geht es deiner Tochter in der „normalen“ Schule gut? Liebe Grüße, Jil

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  3. Wilma sagt: Antworten

    Mich würde interessieren, welche Sportart ihr gefunden habt, die Spaß macht. Meine Tochter bewegt sich sooo gerne, aber nur alleine oder mit mir, falls noch andere anwesend sind. Ich hoffe, irgendwann findet sie über eine schöne Sportart ein paar gute Freunde, aber ich will sie auch nicht durch alle möglichen Vereine hetzen. Habt ihr einen guten Tipp?

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Hallo, also bei uns geht alles gut, wo es ruhig ist und nur wenige Kinder anwesend sind. Pauschal kann ich keine Sportart oder Aktivität nennen, weil ich denke, das Angebot und die Gruppengröße variieren sicher.
      Bei uns ist Karate sehr gut angekommen. Die Kinder waren aufgrund der Aktivität eher ruhig und es ging „diszipliniert“ zu, was H1 sehr schätzte. Wie alt ist denn deine Tochter?

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