Waldorf, Montessori oder Regelschule? Warum mir der Schuleintritt Sorge bereitet

WelcheSchulefuerhochsensiblesKind

Im kommenden Sommer wird Max eingeschult. Wir stehen schon seit zwei Jahren auf der Anmeldeliste für eine Montessori-Grundschule, weil ich denke, dass sich Max dort gut aufgehoben fühlen würde.

Genau. WÜRDE.

Hätte, hätte, Fahrradkette

Schon seit geraumer Zeit frage ich mich: Wann ist Max schulreif? Welche Schule soll er einmal besuchen? Und die große Preisfrage lautet: Ist die Regelschule für ihn als hochsensiblen Jungen überhaupt das Richtige?

Ehrlich gesagt, ich bin völlig planlos.

Als es um die Auswahl des Kindergartens ging, war ich weitaus mehr im Bilde. Jedenfalls denke ich das jetzt. Aber wahrscheinlich war ich damals ähnlich orientierungslos, wusste es nur nicht. Abgesehen davon, dass man einen Kindergarten leichter auswählen (und wechseln) kann, wenn es gleich mehrere im näheren Umfeld gibt, die zur Auswahl stehen.

Bei der Wahl der Schule ist das schon anders. An unserem zukünftigen Wohnort gibt es eine Grundschule. Fertig. Nicht zwei, nicht drei. Eine andere Schule ist also zunächst einmal verbunden mit Autofahren. Und das bedeutet zwangsläufig auch einen Ausschluß aus dem gewohnten sozialen Gefüge vor Ort.

Welche Schule ist die Richtige für ein hochsensibles Kind?

Ganz abgesehen davon, ist mir etwas schleierhaft, nach welchen Kriterien ich eine „gute“ Grundschule auswählen kann. Was macht denn eine gute Grundschule aus?

Und dann ist immer noch die Frage: Ist eine objektiv gute Schule (falls es die überhaupt geben kann) auch gut für mein Kind? Wie laut wird es dort sein? Wie behutsam gehen die Lehrer mit den Kindern um? Was passiert, wenn Max seine ersten kleinen Rückschläge verkraften muss? Schafft er den ganzen Schulalltag ohne feste Bezugsperson?

Sicher stelle ich mir Fragen, die sich jedes andere Elternteil auch stellt. Egal ob hochsensibles Kind oder nicht, natürlich wollen alle Eltern ihre Kinder gut aufgehoben wissen. Die Hochsensibilität ist lediglich ein Verstärker für all diese Fragen. Mir scheint, als wiege alles ein bisschen schwerer.

Alternative Schulkonzepte: Waldorf, Montessori oder eine freie Schule?

In meiner Filterbubble besuchen viele hochsensible Kinder alternative Schulen. Und auch ich fühle mich etwas hingezogen zu anderen Formen des Lernens, allerdings unabhängig von der Hochsensibilität.

Mein Verständnis von nachhaltigem Lernen entspricht absolut nicht dem, was in Schulen Alltag ist. Ich wünsche mir für meine Kinder, dass sie nach Interessen lernen können. (Ja ich weiß, man muss auch mal lernen, was einen nicht interessiert.) Ich bin immer wieder angetan von Richard David Prechts Worten bezüglich Schule und Lernen. In einer Talkshow erklärte er mal, wie sinnvoll es wäre, wenn Kinder projektbezogen und interdisziplinär lernen könnten. Das leuchtet mir total ein und es wäre einfach ein Traum, wenn so etwas tatsächlich mal flächendeckend auch an Regelschulen eingeführt würde.

 

Eine Waldorf- oder Montessorischule hätte darüber hinaus den großen Vorteil, dass die Klassen deutlich kleiner sind als gewöhnlich. Es findet eine vertrautere, intensivere Zusammenarbeit statt, von der ich mir erhoffen würde, dass sie weniger überfordernd ist als wenn 25 Kinder quer durch den Raum quasseln.

Wir hatten uns schon einmal über Kindergärten dieser Art informiert und festgestellt: Das Waldorf-Konzept ist uns ein bisschen zu „krass“. Ich kann gar nicht genau festmachen, woran es lag. Es war eher so ein Gefühl, das mich packt, wenn ich an Waldorf denke. Das mag natürlich völlig falsch sein, aber meine Recherchen und Besichtigungen haben das Bild für mich etwas bestätigt.

Es kommt also eher eine Montessori-Schule in Frage und tatsächlich gibt es eine freie Montessori-Schule im Umkreis, was allerdings mit 20 Minuten Autofahrt morgens und nachmittags verbunden wäre. Ganz abgesehen von den Schulgebühren, die ich happig finde. Im Gegenzug gibt es kleine Klassen und einen naturwissenschaftlichen Schwerpunkt, was Max Interessen entgegen käme. Es handelt sich außerdem um eine Ganztagsschule, so dass wir am Nachmittag keine Hausaufgaben mehr zu erledigen hätten.

Wie sinnvoll wäre es also, Max auf dieser Schule, die einen tollen Eindruck macht, anzumelden? Würde er sich in unserem Ort dann nicht als Außenseiter fühlen? Würde man an der Montessori-Schule eher auf ihn eingehen? Ist das alles notwendig?

Wahrscheinlich weiß man sowas tatsächlich erst, wenn es soweit ist, aber eine Schule wechselt man ja dann nicht einfach mal so, oder? Ich bin ziemlich überfragt – ihr merkt es schon 😉

 

Macht ihr euch auch so viele Gedanken über den Schuleintritt und die Schulform? Erzählt doch mal 🙂

12 Replies to “Waldorf, Montessori oder Regelschule? Warum mir der Schuleintritt Sorge bereitet”

  1. Wie schon so oft scheinst du meine Gedanken zu lesen. Trotz oder weil mein Hintergrund pädagogisch ist, komm ich derzeit noch zu keinem Ergebnis für uns, außer Bauchweh. Bin ja gespannt, wohin die Reise unserer Großen gehen wird!

  2. All diese Gedanken kommen mir sehr bekannt vor. Leider gab es bei uns keine sinnvolle Alternative, also Regelschule, auch mit Bauchschmerzen, aber sie werden aktuell gerade wieder besser.

    Alles Gute für eure Entscheidung und die nächsten Schritte.

  3. Hallo! Mir geht es gerade auch so. Das ist sooooo furchtbar. Ich kann schon an nichts anders mehr denken u hätte gerne ruhe im kopf 😉 oder besser : Klarheit!

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Absolut! Habt ihr euch denn für einen bestimmten Weg entschieden oder hängt ihr auch so in den Seilen? Liebe Grüße, Jil

  4. nein..wir hängen noch in den seilen… und ihr? wir waren in einem normalen kiga..sind dann in einen waldorfkiga gewechselt…das tat unserem sohn besser… weniger Kinder.. schönere athmosphäre.. aber es hat auch einsamer gemacht… die alten freunde sind bisschen aus dem leben verschwunden…und die neuen sind weit verstreut..die trifft man nie im Dorf… ich spüre eine zerissenheit… und die schule ist nochmal 25 km entfernt..was das gefühl noch verschlimmern würde.. ich sehne mich nach Normalität, auch wenn es meinem Kind iwie gut tut..außer die fehlenden freund natürlich.. als waldimama ist man nur am fahren..das wird nicht besseer..unsere tochter ist gerade 3 geworden..ich müsste , um morgens die kl in den kiga zu bringen u den gr in die schule, etwa 1,5 std unterwegs sein..morgens und dann nochmal mittags.. montessori ist direkt ums eck..aber die kosten wesentlich höher..und nach klasse 4 ist schluss… ich bib echt hin u hergerissen u weiß nicht, was f uns als Familie am besten ist..habt ihr schon mehr Klarheit?

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Wow, das ist natürlich krass mit der Entfernung. Letzten Endes hängt die Entscheidung ja dann leider eben nicht nur von der Schule selber, sondern eben auch von dem Drumherum ab, richtig? Bei uns gäbe es eine Montessori-Grundschule, die aber eben auch mit Kosten und längerer Fahrt verbunden ist. Ich denke wir werden es mit der Regelschule probieren, denn ich möchte nicht irgendwas vorwegnehmen, was meinem Sohn vielleicht am Ende schadet. Zum Beispiel, dass er dann hier im Ort eben keine Freunde hat, zu denen er mal eben hingehen kann.

  5. Noch vor einer Woche wusste ich nicht, dass es Hochsensibilität überhaupt gibt. Jetzt nachdem ich mich begonnen habe mich intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen, bin ich mir sicher, dass meine große Tochter (7) hochsensibel ist. Wir haben uns damals für eine Montessori Schule entschieden. Zum einen, weil wir eine vor Ort haben und ich selbst früher in einer Montessori-klasse gewesen bin und das als positiv in Erinnerung habe, aber auch weil ich möchte, dass mein Kind länger Kind sein darf.
    Dennoch hat meine Tochter jetzt Problem in der Schule. Über Google bin ich auf Umwegen vom „Träumerchen“ zur Hochsensibilität gekommen. Auf Nachfrage bei den Klassenlehrerin, könnten diese meine Beobachtungen zum Wesen meiner Tochter bestätigen. Jetzt steht ein Gespräch mit den Lehrerinnen an und ich hoffe sie können meine Tochter entsprechend fördern. Das Montessori Konzept ist toll, aber es kann ein hochsensibles Kind schneller überfordern als die Regelschule. Denn die Strukturen sind nicht so klar und viele Entscheidungen müssen von den Kindern selbst getroffen werden. Das ist nicht so leicht und hier ist die Hilfe der Lehrkräfte erforderlich. Ich bin gespannt ob diese Hilfestellung bei uns gelingt.

    1. Liebe Maja, vielen Dank für deinen Input! Du sprichst etwas sehr Wichtiges an, das ich selber bisher nicht berücksichtigt habe, nämlich die Andersartigkeit der Strukturen. Ich drücke dir ganz fest die Daumen! Ist deine Tochter in der ersten Klasse? Liebe Grüße, Jil

  6. Hallo Ihr Lieben! Ich habe mit großem Interesse Eure Beiträge gelesen.Auch ich bin Mama eines HSK.Meune Tochter war immer anders und für mich war das normal und okay.Wir hatten Glück mit einem Platz im Waldorf Kindergarten und auch dort durfte sie so sein,wie Sie ist.Vor der Schule bekam ich das Bauchweh,von dem ihr grad geplagt seid.Denn unsere Montessori Schule ist klein und man muss sich für einen Platz bewerben….das war nervenaufreibend….Doch wir haben einen Platz und mein Kind findet:Schule ist das schönste auf der Welt.So zu lernen und keinen Druck zu haben ist so schön für sie.Klar,Sie ist verträumt und spricht wenig und die Lehrerin muss sie etwas unterstützen….Doch wie wäre das an der Regelschule mit ständigem Notendruck und Stress?Ihre Lehrerin ist allerdings echt toll und strukturiert.Meine Tochter kommt trotz HS super mit dem Lernmodel klar.Sie ist jetzt 8 und in der 2.Klasse!Wer Fragrn hat,gerne melden!Lg Anni

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Liebe Anni, vielen Dank für deinen Kommentar und dass du deine Erfahrungen teilst! Was du von der Montessori-Schule berichtest klingt toll. Darf ich fragen wie hoch die Kosten sind, die ihr monatlich für die Schule zahlt? Ach, eigentlich habe ich noch viel mehr Fragen 😉 LG Jil

  7. Hi Jill!Ja,die lieben Kosten….die haben mir auch erst Sorgen bereitet,vor allem,weil ich alleinerziehend bin….Ich zahle 170 Euro Schulgeld +80 Euro Mittagsbetreuung im Monat und Leiste 44 Elternstunden im Jahr.Klar,das ist nicht ohne.Aber ich hake es ab für das Glück meines Kindes.Man gibt so viel Geld für Quatsch aus und dieses ist richtig gut investiert.Natürlich unterscheiden sich auch Montessori Schulen und ich weiß nicht,ob es was für jedes HSK was ist.Mein Gefühl hat mich aber bestätigt.Schon als ich das erste Mal dort hospitiert habe,wusste ich,da kann die sich wohl fühlen!Ich bin selbst Erzieherin und erlebe schon oft bei Nicht-HSK,dass die Regelschule zur Herausforder werden kann.Meine Idee von lernen und einer guten Atmosphäre für mein Kind ist einfach eine andere.Trotzdem kann es auch auf einer Regelschule klappen.Vieles hängt vom Lehrer ab.Wie ist es bei Euch?Habt ihr Euch schon entschieden?Jetzt geht es ja in die heisse Phase mit Schuluntersuchung/Schnupperunterricht usw. Ich erinneremich noch gut an dieses aufregende Jahr vor der Schule….Glg Anni

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Liebe Anni, du hast recht. Wenn es das Leben leichter macht, es deiner Tochter gut geht und das finanzierbar, ist es das sicher wert. Das ist dann auch eine Ganztagsschule, oder?
      Unsere Entscheidung ist eigentlich für die Regelschule gefallen. Nicht, weil ich davon überzeugt wäre, sondern weil ich keine rechten Alternativen sehe. Die nächste Montessori-Schule, eine ganz tolle übrigens, ist 15-20 Minuten mit dem Auto entfernt. Ich weiß nicht so recht ob das realistisch ist und „ausprobieren“ geht ja nicht. Darüber hinaus ist sie recht teuer.. Also alles in allem für mich keine Alternative. So richtig happy bin ich aber nicht 😉

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