Warum es doch gut ist, dass ich Mama geworden bin

Warum_es_doch_gut_ist_dass_ich_Mutter_geworden_bin

Immer wieder verweise ich in Beiträgen auf meinen Artikel „Ich wäre besser keine Mutter geworden„. Warum? Weil es der wahrscheinlich wichtigste Artikel meines gesamten Blogs ist. Dieser Beitrag beschreibt meine „Ausgangslage“ und zeigt, wie ich mich die meiste Zeit in meiner Rolle als Mutter gefühlt habe.
Es liegt mir sehr am Herzen hier zu berichten, warum ich mich heute anders fühle als noch vor vier Jahren.

Jil, bist du da drin?

Ich habe mich falsch gefühlt. Als Mutter falsch. Und als Jil falsch. Ich fühlte mich weder als Mutter, noch als ich. Ich fühlte mich anders und unverstanden. Ständig überkam mich der Wunsch aus meiner Rolle auszubrechen, auch, wenn ich das nie tatsächlich getan hätte. Gedanklich schweifte ich hingegen permanent ab und entglitt mir selber.

Lange Zeit hatte ich das Bedürfnis in mein altes, kinderloses Leben zurückzukehren. Ich dachte mich zu kennen und nun, seit ich Mutter war, erkannte ich von mir nichts mehr. Ungefähr so als wachte man morgens in einem anderen Leben auf, in dem man sich hilflos und falsch fühlt (Grüße an Herrn Kafka). Ich wollte ja immer Kinder, auch immer in jungen Jahren. Und dann fehlte mir plötzlich absolut die Sinnhaftigkeit dieser Mutterrolle für mich als Person. Ich hätte mich noch länger selber kennenlernen sollen. Ich hätte gerne noch länger mein Verhalten überprüft und gelernt es zu verstehen. Ich hätte mehr reisen und feiern sollen, bevor ich Mutter wurde. Ich hatte das Gefühl die Mutterschaft verhindert, dass ich ich selber sein kann oder mich als Person weiterentwickeln kann.

Die Jahre als Mutter plätscherten so vor sich hin. Mal schöner, mal weniger. Chronisch angestrengt und überreizt. Ich baute meine Selbstständigkeit als Wirtschaftspsychologin und Coach aus, investierte unglaublich viel Zeit, Kraft und Nerven, fühlte mich als Business Coach aber dann doch nicht mehr so wohl wie früher. Irgendwie war also alles suboptimal. Mein Leben fühlte sich in vielerlei Weise unglücklich an und ich fürchtete mich niemals selber zu finden.

Level Up

Dann kam die Sache mit der Hochsensibilität. Ich las viel, sprach viel. Ich probierte viel aus. Diese Herumprobiererei kostete mich viel Kraft. Ständig geriet ich an meine Grenzen und fühlte mich erneut falsch. Um mich herum schien es jede Mutter einfacher zu haben als ich. Andere Eltern entschieden sich für den Kindergarten um die Ecke, während wir uns unter anderem den Kopf über eine reizarme Umgebung mit möglichst geringer Lautstärke machten.

Mit einem Kind schwebte ich völlig zwischen den Welten. Ich hatte zwar ein Kind, konnte aber auch jederzeit mal raus, für einen Tag, für mehrere. Dadurch hatte ich zwar Freiheit, die ich sehr genoss, geriet aber immer wieder in ein Karussel aus negativen Gedanken bezüglich meines jetzigen Lebens, das sich nicht wie Leben anfühlte.

Luises Geburt brachte dann sehr viel Veränderung in unsere Familiendynamik und auch für mich persönlich. Trotz unglaublicher Erschöpfung, passierte recht viel:

Ich begann mir erneut Gedanken über meine berufliche Laufbahn zu machen, wir entschieden uns aufs Land zu ziehen, ich erkannte, mich selber zu erkennen, ich wurde minimalistischer und weniger materialistisch, ich begann langsam Gewicht zu verlieren.

Von Berufung und Sinnhaftigkeit

Und dann plötzlich, ich kann gar nicht mehr genau sagen wann es war, nach viel Nachdenken und Meditieren, erkannte ich das Gute in all dem, was ich als Mutter erlebt hatte. Den Auslöser kann ich nicht mehr benennen, aber ich erkannte das Positive hinter all dem Auf und Ab. Zwischen all dem Falschfühlen und den Tränen.

Durch Max habe ich mich mit seiner und meiner Hochsensibilität erst auseinander gesetzt und mich genau dadurch und darin selber gefunden. Genau in der Zeit, in der nach Außen hin nahezu nichts passierte (außer, dass ich zwei Kinder geboren hatte). In mir passierte eine ganze Menge und ich habe so viel Erkenntnis über mich selber gewonnen. Das Leben, das ich mir anfangs immer zurückgewünscht habe, möchte ich nun nicht mehr führen.

Beruflich habe ich das Gefühl angekommen zu sein, mich gefunden zu haben. Die Hochsensibilität mit meinem Wissen als Coach und Psychologin zu verbinden, das ist es, was mich glücklich macht. Anderen hochsensiblen Müttern mein Wissen, meine Erkenntnis zur Verfügung zu stellen und sie zu begleiten ist meine Berufung und ich freue mich riesig, das sagen zu können. Auf meiner neuen Seite „Hochsensible Mütter“ erfahrt ihr mehr darüber, wenn es euch interessiert.

Ich danke

Mich erfüllt eine unglaublich große Dankbarkeit. Ich bin dankbar für so Vieles und erleichtert darüber, dass die Dinge, wie sie passieren, tatsächlich ihre Richtigkeit haben. Ich habe Vertrauen ins Leben. Egal was passiert, es ist irgendwie gut.
Es ist außerdem unglaublich bereichernd diesen Blog führen zu dürfen und meine Berufung gefunden zu haben.

Jetzt weiß ich, dass vieles von dem, was ich damals in meiner kinderlosen Zeit gelebt habe, für meine Seele überhaupt nicht das Richtige war. Natürlich würde ich mal gerne wieder tanzen gehen oder etwas in der Art. Nur nicht mehr ständig. (Vielleicht bin ich einfach nur älter geworden 😉
Auch die Reizüberflutung, der ich mich so oft ausgesetzt habe, tat mir überhaupt nicht gut. Ich hatte häufig ganz diffuse Bauchschmerzen, von denen ich inzwischen weiß, dass sie ein Zeichen meiner innerlichen Anspannung und Aufregung waren.

Und für zwei Menschen auf dieser Welt bin ich ganz besonders dankbar: Max und Luise. Sie haben mich nicht nur zur Mama gemacht, mir gezeigt wo meine Grenzen liegen und wie man einhändig Nudeln abgießt, ohne sich dabei zu verbrennen. Sie haben mich erwachsen werden lassen. Diese beiden Menschen sind es, die mich gespiegelt haben, mir immer wieder die Finger in die Wunde gelegt haben. Sie sind es, durch die ich gewachsen bin. Sie sind der Grund, dass ich mich wirklich kennenlernen und weiterentwickeln konnte. Sie sind es, die mich zu dem hochsensiblen und glücklichen Menschen gemacht haben, der ich jetzt bin.

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5 Kommentare

  1. Anne sagt: Antworten

    Mir wird ganz warm ums Herz, wenn ich das lese. Vielen Dank dafür, so schön und so wahr ❤

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Anne, danke dir, dass du das schreibst! <3 🙂

  2. t sagt: Antworten

    Wow! Da muss ich doch jetzt auch mal schreiben…
    Das klingt soo toll! Es freut mich total, dass du sagen kannst, angekommen zu sein…wirklich wunderbar!
    Ich bin es glaub ich immer noch nicht, obwohl ich einige Jährchen mehr auf dem Buckel habe!

  3. Du hast Recht, vieles ähnelt sich bei uns beiden! Ich bin gerade echt positiv überrascht, deinen Blog gefunden zu haben. Das Thema Hochsensibilität beschäftigt mich erst seit kurzem, aber vielleicht passt es tatsächlich besser, als ich erwartet hatte… der Satz „irgendwie ist doch gerade gefühlt jeder hochsensibel“ hat mich allerdings wieder etwas gebremst in meiner Recherche :-/

    Übrigens: Ich hatte auch gerade ganz aktuell wieder das Bedürfnis feiern zu gehen und habe es zum Tanz in den Mai geschafft. Ich bin total glücklich darüber! Also: Warum nicht? 😉

    Ganz liebe Grüße,
    Janina

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Liebe Janina,
      das ist ja spannend, dass wir so viele ähnliche Themen haben! 😉
      Ich hoffe der Satz, dass gefühlt gerade jeder hochsensibel zu sein scheint, schreckt dich nicht zu sehr ab. Denn es ändert ja nichts an deinen Empfindungen, egal wie viele Menschen drum herum ebenfalls hochsensibel sind.
      Den Tanz in den Mai habe ich leider verpasst, aber ich bin sicher, ich finde bald eine Gelegenheit 🙂

      Liebe Grüße für dich,
      Jil

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