Wenn der Kindergarten nicht das Richtige ist / Tipps für die Wahl eines Kindergartens für hochsensible Kinder

Kindergarten für hochsensible Kinder

Hin und wieder erlebe ich im Netz kontroverse Diskussionen darüber, ob der Kindergarten nun eine sinnvolle Institution darstellt. Ich lese still mit und erlebe Eltern, die gute, manchmal weniger gute Argumente für oder gegen den Kindergarten anbringen. Kinder müssen mit Gleichaltrigen in Kontakt treten dürfen, Kinder brauchen dies, Kinder brauchen das, Kinder müssen, Kinder sollen, Kinder brauchen, Kinder.

Kindergarten ist ne tolle Sache, fand ich immer. Ich habe mich gefreut, als mein Sohn langsam ins Kindergartenalter kam. Und mich begleitete ein mulmiges Gefühl, weil ich mir unsicher war, ob mein Sohn den Gedanken teilt, dass der Kindergarten eine tolle Sache ist. Denn er war zurückhaltend, geräuschempfindlich und mit ganz feinen Antennen ausgestattet.

Die Qual der Wahl

Hier im Ort gibt es drei Kindergärten. Einer bietet ein „offenes“ Konzept, in dem die Kinder sehr viele Möglichkeiten bei der Tagesgestaltung haben und sich zwischen allen Gruppen frei bewegen können. Die Gruppengrenzen sind also etwas „verwischt“. Der Kindergarten direkt um die Ecke machte einen guten Eindruck, bis ich die kleinen Gruppenräume bemerkte. Die Lautstärke war echt gewöhnungsbedürftig – schade. Wir haben uns für den dritten entschieden, der mir beim Öffnen der Eingangstür keine ohrenbetäubende Geräuschkulisse zum Wegrennen darbot und mit großen Räumen Eindruck auf mich machte.

Sicher gibt es für jeden Kindergarten Argumente, aber wir haben wegen der starken Geräuschempfindlichkeit unseres Sohnes besonders die Geräuschkulisse in unsere Entscheidung einfließen lassen. Eben nach bestem Wissen und Gewissen.

Kindergartenalter, wann ist das?

Als es dann soweit war, bewahrheitete sich, was ich lange vorher befürchtete: Die Eingewöhnung im Kindergarten dauerte eine Weile. Zu fremd, zu viel, zu laut. Unser Sohn tastete sich sehr langsamen Schrittes nach vorne, für mein ungeduldiges Wesen zu langsam. Die Eingewöhnung zog sich fast einen Monat hin und ich begann zu zweifeln. Drei Jahre ist doch ziemlich früh für eine solche Veränderung im Leben. Wie würde es mir selber gehen, wäre ich plötzlich unter 25 fremden Menschen ganz alleine? Ist mein Sohn überhaupt schon so weit? Meine positive Meinung zum Kindergarten begann zu bröckeln. Weniger aufgrund der Institution selber, denn man gab uns wirklich viel Zeit zur Eingewöhnung – anders, als ich es von anderen Einrichtungen gehört hatte. Nein, viel mehr aufgrund unserer eigenen Situation und aufgrund meines Sohnes. Wo die anderen Kinder sich problemlos integrierten, hatte ich das Gefühl, dass er mehr Schutz, Ruhe und Vertrautes bräuchte um sich wohlzufühlen. Ich kam mir irgendwie falsch vor. Er kam mir anders vor. Und so sehr ich seine besondere Art liebe und schätze, so sehr verunsicherte sie mich. Denn wie ich da wochenlang auf einem Mini-Stühlchen neben ihm verbrachte und andere Kinder beobachtete, fragte ich mich, was mit meinem Sohn eigentlich genau los ist. Und ob er das einzige Kind ist, das so anders ist. Oder ist er unsicher, weil ich unsicher bin? Aber sind meine Skepsis und meine Unsicherheit nicht erst aufgrund seines Wesens entstanden? Eines war mir jedenfalls recht schnell klar: Er war einfach mit drei Jahren noch überhaupt nicht kindergartenreif.

Hätte ich gewusst..

Erst eine Weile nach Kindergarteneintritt habe ich erfahren. dass unser Sohn nicht einfach schüchtern oder sensibel sondern hochsensibel ist. Wäre ich mir dessen früher bewusst gewesen, hätte ich vielleicht früher Austausch gefunden; wäre sensibilisiert worden. Vielleicht hätte ich dann die Überzeugung und den Mut gehabt die Eingewöhnung abzubrechen?

Als sich deutlich abzeichnete, dass er hochsensibel ist, las ich viel und informierte mich.
Ich habe kurz in Erwägung gezogen ihn vom Kindergarten abzumelden. Das wäre meine Wunschsituation gewesen. Falls jetzt jemand mit Argumenten dagegen sprechen will, nur zu.
Letztendlich haben wir uns dafür entschieden, dass er, jetzt wo er schon mal drin war, weiterhin zum Kindergarten gehen wird. Und wir als Eltern tun, was wir können, um ihm eine schöne Zeit zu bereiten. Freitags habe ich sozusagen zum „Zu-Hause-Tag“ ernannt. Das ist das, was ich ihm aus meiner eigenen Hochsensibilität geben kann, denn eine komplette Zu-Hause-Betreuung konnte ich kräftemäßig nicht abfangen.

In Form gepresst?

Ich hatte mir immer vorgenommen seine Art zu schützen, ihn zu lassen wie er ist. Ihn anzuerkennen und zu sehen, als der, der er ist. Und nun, wo ich ihn in diese Institution Kindergarten hineingepresst hatte, begann ich mir große Vorwürfe zu machen, nicht das Richtige für ihn getan zu haben. Denn egal für welchen Kindergarten ich mich entscheide und was ich bei der Wahl berücksichtige – kein Kindergarten ist zu Hause. Für ihn ist der beste Ort einfach zu Hause. Anders als im Kindergarten wird er hier mit seiner leisen Stimme gehört, mit seinem zarten Wesen gesehen, von ganzem Herzen wertgeschätzt. Und das ist, was er dringend brauchte.

Nach einem Jahr Kindergarten ist er langsam angekommen. Aufatmen. Er beginnt sich wohl zu fühlen und mittags auch einmal von seinem Tag im Kindergarten zu sprechen.

Bei all den Zweifeln die mich überkamen und die ich nach wie vor habe, finde ich seine Entwicklung beeindruckend. Es hat sehr lange gedauert, bis er ein positives Gefühl zum Kindergarten entwickeln konnte. Nun, da ihm die Gegebenheiten vertrauter sind, blüht er an manchen Tagen regelrecht auf und lässt meine Zweifel etwas in den Hintergrund treten. Ob seine positive Entwicklung daher rührt, dass ich ihm zu Hause so viel wie möglich das gebe, was er braucht, oder er einfach er ist und sich eben so entwickelt, oder ob er sich einfach dem System gefügt hat – das weiß ich nicht.

Ich finde Kindergarten nach wie vor eine tolle Sache. Aber ich weiß nun auch, dass Kindergarten ist eben nicht für alle Kinder das Richtige ist. Hätte ich von seiner Hochsensibilität gewusst, hätte ich ihn wahrscheinlich erst mit vier Jahren im Kindergarten angemeldet und irgendwie versucht eine Betreuung zu Hause zu ermöglichen. Nur mal ehrlich, es ist ja schon eine Herausforderung sein Kind drei Jahre lang zu Hause zu betreuen. Noch herausfordernder wird es, wenn das Kind die Kindergartenzeit auch zu Hause verbringen soll. So toll ich das auch finde, es ist eben eher die Ausnahme und so gehen sicher viele hochsensible Kinder in den Kindergarten. Leider wissen so viele Eltern und Betreuungspersonen wenig bis nichts über Hochsensibilität, können nichts damit anfangen und denken im schlimmsten Fall, sie müssten die Kinder abhärten.

Tipps für die Wahl eines Kindergartens (für hochsensible Kinder)

Um hochsensiblen Kindern die Kindergartenzeit so schön wie möglich zu machen, habe ich ein paar Tipps für die Wahl des „richtigen“ Kindergartens:

  • Ist dein Kind kindergartenreif?
  • Hast du über eine Alternative zur „gewöhnlichen“ Betreuungsform Kindergarten nachgedacht? (Großeltern, Montessori-Kindergarten usw.)
  • Tausch dich mit anderen Eltern hochsensibler Kinder aus (z.B. in Facebook-Gruppen oder Foren)
  • Achte auf die Besonderheiten deines Kindes; was wäre ihm wichtig? (Möglichst leise, usw.)
  • Frage, ob es die Möglichkeit eines Schnuppervormittags im Kindergarten gibt
  • Viele hochsensible Kinder sind naturverbunden: Gibt es Projekte draußen, Waldtage, gemeinsame Aktivitäten in der Natur?
  • Beobachte die anderen Kinder im Kindergarten: Sind sie gestresst? Geht es ihnen gut?
  • Wie ist der Betreuungsschlüssel? Gibt es eine feste Bezugsperson?
  • Sprich, je nach dem wie du dich damit fühlst, die Hochsensibilität an und schau, wie die ErzieherInnen damit umgehen
  • Gibt es eine vernünftige Eingewöhnungszeit oder wird man als Eltern recht schnell zum Weggehen angehalten, egal ob das Kind weint oder nicht?

Halt, Stopp! Natürlich sind diese Tipps auch für Kinder geeignet, die nicht hochsensibel sind! Ich finde, man sollte sich grundsätzlich ein paar Gedanken zur Wahl des Ortes machen, in dem Kinder viel Zeit ihres kleinen Lebens verbringen! Allerdings muss ich ausgleichend beisteuern, dass man dabei die Kirche im Dorf lassen sollte. Bei so viel Rationalität finde ich, sollten wir auch ein bisschen auf unser Herz hören und schauen, wie es unseren Kindern geht.

Wie es uns in der konkreten Situation der Eingewöhnung ging, erfährst du HIER.

Wenn du mehr zum Thema Hochsensibilität lesen möchtest, schau HIER vorbei.

Ich freue mich sehr über Austausch und Kommentare zum Thema! 🙂

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9 Kommentare

  1. Ewa sagt: Antworten

    Dein Beitrag hat mir sehr gefallen!
    Unser Sohn ist jetzt 2,5 Jahre und ist meineserachtens auch hochsensibel. Laute Geräusche sind für ihn Stress pur, Nähe zu Fremden, seinen es auch noch so nette kleine Kinder ist für ihn nicht tolerierbar für eine sehr lange Kennenlernzeit, Kommunikation ebenso. Und das sind nur ein paar Beispiele… Trotzdem haben wir uns entschieden, ihn mit zwei in den örtlichen Kindergarten zu bringen, nachdem wir dort zwei Schnuppertage verbracht haben. Wir haben das Glück, einen Dorfkindergarten mit 2 Gruppen à 12 Kindern und jeweils 2 Betreuerinnen zu haben. Unser Sohn hatte eine vergleichsweise kurze Eingewöhnungszeit, was aber hauptsächlich daran lag, dass seine Betreuerin quasi nur für ihn da war, lieb, ruhig und blond war 😉 er findet den Kindergarten nicht immer gut,aber er macht keinen unglücklichen Eindruck. Ist immer der erste, der mir um den Hals fällt, wenn ich ihn abhole. Zuhause bekommt er auch wirklich das, was er mit seinem sensiblen Wesen braucht. Das ist ein ganz wichtiger Ausgleich! Seit wenigen Wochen hat er auch einen „Freund“. Das ist ein ebenso ruhiger Junge, mit dem er sich dann einfach an den Rand setzt beim Turnen z.B., wenn es ihm zu laut wird..
    Ab September allerdings ziehen wir um und dann wird er leider in einen „normalen“ Kindergarten gehen. Ich fand deine Tipps sehr hilfreich, denn in einer Woche sind wir schon zu einem Elternabend eingeladen, wo all diese Sachen erfahren kann. Es ist mir sehr wichtig, dass er eben nicht in die Schiene „alle Kinder müssen in den Kindergarten und allen Kindern gefällt Kindergarten“ gedrückt wird!Es gibt auch Lösungen für hochsensible Kinder, wenn man bereit ist auf sie einzugehen.

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Liebe Ewa, es freut mich sehr, dass du mitliest und dir der Beitrag gefallen hat! 🙂
      Sicher ist es ganz fantastisch, dass euer Sohn erst einmal in einem geschützten Dorfkindergarten Fuß fassen kann. Das ist sicher eine wichtige und positive Erfahrung, die ihm auch für später viel geben kann. Solch einen Kindergarten hätte ich hier auch gerne gehabt.
      In welchen Kindergarten er auch kommt, wenn ihr von seiner Hochsensibilität wisst und ihn begleiten, auf ihn eingehen und ihm geben könnt, was er mit seinem sensiblen Wesen benötigt, ist das, denke ich, das Allerwichtigste. Wer sich zu Hause geborgen und „gesehen“ fühlt, der kann sicher ganz anders in die Welt hinausgehen <3 Ihr macht das sicher ganz fantastisch und ich drücke euch die Daumen für das bevorstehende Gespräch! Liebe Grüße, Jil

  2. […] ziehen. (Was bei der Kindergartenwahl gerade für hochsensible Kinder wichtig sein kann, könnt ihr hier nachlesen.) Lasst euch nicht aus der Ruhe bringen. Es wird der Tag kommen, an dem euer Kind euch […]

  3. Ravemaedchen sagt: Antworten

    Ich bin grad auf deinen Beitrag gestoßen. Ich weiß seit einigen Monaten das ich selbst hochsensible bin. Meine Tochter ebenfalls hochsensible wird drei und ist mit 1 1/2 in die Kita gekommen. Hätte ich etwas zum Thema hochsensible gewußt hätte ich mich wahrscheinlich anders entschieden und sie zuhause gelassen. Jetzt ist sie aber schon so lange drin das ich dies auch nicht wieder nehmen möchte. Allerdings hat sie schwierigkeiten mit einigen Erziehern. Einer Erzieherin die sehr einfühlsam ist ist zu ihrer Bezugsperson geworden. Ist diese mal nicht da will mein Kind auch in die Kita gehen. Bisher hab ich noch nicht den Schritt gewagt mit den Erziehern über die hochsensibilität zu sprechen. Ich habe Angst vor Unverständniss und eine Ablehnung meines Kindes. Wie erklärt man das sein Kind hochsensible ist ohne es zu einem „Sonderling“ zu machen. Find das echt schwer. Zugleich macht es mich auch sehr traurig. Ich weiß das ich selbst oft in der Kita und in der Schule überfordert war und mich irgendwie anders gefühlt habe. Ich würde dies gern meinen Kind ersparen aber düs wird wohl nicht möglich sein.

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Ich danke dir für deinen Kommentar. Ich bin immer wieder hin und hergerissen zwischen Selbst- und Fremdbetreuung. H1, unser Sohn, muss sehr große Anpassungsleistung liefern, damit er den Alltag im Kindergarten „schafft“. Das merke ich dann häufig zu Hause, wo er dann seinem Frust freien Lauf lassen kann. Wenn es für mich kräftemäßig machbar wäre, würde ich ihn auch jetzt mit 4,5 Jahren noch aus dem Kindergarten abmelden. Die Zeit vergeht einfach so schnell und jetzt hätte man noch die Möglichkeit die Kinder zu Hause zu lassen, im Gegensatz zum Schulalltag, wo das schlicht nicht mehr möglich ist.
      Die Hochsensibilität anzusprechen finde ich auch ein schwieriges Thema. Vielleicht schreibe ich mal einen Beitrag dazu. Aktuell würde ich aber einfach schauen, was dein Gefühl dir sagt. Ist es besser darüber zu sprechen? Wird dafür jemand Verständnis aufbringen? Oder ist es dann tatsächlich so, dass man deine Tochter für einen „Sonderling“ halten wird? Ich wünsch dir viel Kraft und Erfolg 🙂

  4. Wit haben die Situation, dass die Eingewöhnung (dank vorheriger Spielgruppe bei gleicher Erzieherin) relativ unkompliziert war. Er wurde auch schnell von einem Jungen als „bester Freund“ erkoren und diese klare Struktur (im KiGa bin ich bei P) tat ihm gut. Jetzt nach einem Jahr möchte P gerne groß sein, unser Sohn aber lieber noch klein. Daher betitelt P ihn als Baby, will nicht mehr mit ihm spielen, verbietet ihm den Mund. Ergebnis? Verstopfung (im KiGa will er keine Windel mehr tragen, zu Hause nicht auf’s Klo) und jeden Morgen die bange Frage „Mama, ist heute KiGa oder frei?“ Mein Mann ist krank und kann ihn nicht zu Hause betreuen, ich dementsprechend Alleinverdienerin.
    Ich weiß nicht, was besser für ihn ist: ihn an meinem Home-Office zu Hause lassen (wobei es mir ähnlich geht wie dir, aufgrund eigener HS tut mir ein Tag in Ruhe auch mal gut…) oder die Regelmäsigkeit beibehalten. Aktuell bricht es mir jeden Tag das Herz und ich lass ihn wann immer es geht zu Hause …
    Austauschmöglichkeiten hab ich noch nicht gefunden, aber vielleicht hat hier ja jemand aus eigener Erfahrung eine zündende Idee?

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Liebe Bettina, vielen Dank für deinen Kommentar! Ich kann sehr gut verstehen, dass dich die aktuelle Situation sehr belastet. Es ist wirklich unglaublich hart zu ertragen, wenn man weiß, dass es dem eigenen Kind vielleicht nicht gut gehen könnte und man selber nicht dabei ist und nicht eingreifen kann. Hast du die Situation im Kindergarten mal bei den ErzieherInnen angesprochen? Das wäre meine erste Idee. Vielleicht können sie dann auch aktiv eingreifen in Situationen, in denen sie merken, dass es deinem Sohn nicht gut geht. Ich arbeite gerade an der Umsetzung für einen Austausch hochsensibler Eltern bzw. einer Plattform, in der Fragen wie deine aufgegriffen werden können. Vielleicht magst du dich in meinen Newsletter eintragen, dann erfährst du sofort, wenn ich soweit bin? Ich würde mich freuen mit dir in Austausch zu treten, gerade für uns hochsensible Eltern ist das so wichtig! Ganz liebe Grüße und viel Kraft, Jil P.S.: Tolle Bloginhalte hast du! 🙂

  5. Sarah R. sagt: Antworten

    Hallo! Ich bin durch Zufall auf deinen Beitrag gestoßen und mir kamen die Tränen, weil es so ist, als hätte ich selbst den Text geschrieben. Mein Sohn ist 3 1/2. Mit 2 1/2 kam er in den Kindergarten. Kurz zuvor bekamen wir unseren zweiten Sohn, das machte die Eingewöhnung nicht einfacher, denn das Baby musste immer in der Trage mit. Heute würde ich diese ersten Wochen und sogar Monate immer noch als Horror bezeichnen. Ich möchte diese Zeit nie mehr erleben. Die Schuldgefühle und Zweifel fallen auch heute noch nicht von mir ab. Für meinen Sohn sind die Lautstärke und die vielen Kinder einfach das absolute No-Go. Er ist jetzt etwas über ein Jahr im Kindergarten und hat jetzt bereits die 7. Erzieherin. Viele haben gekündigt, eine hat die Gruppe gewechselt, andere haben sich beruflich komplett umorientiert. Für meinen Sohn absolutes Gift. Ich kann nicht sagen, wie oft ich und mein Mann abends total ratlos und traurig auf dem Sofa sitzen und nach einer Lösung suchen, die für ihn und auch für uns besser wäre. Es belastet mich unheimlich. Als Kind war ich sehr ähnlich. Mein Sohn spielt nicht mit den anderen wird mir gesagt, er weint wenn es zum Turnen geht, er weint wenn ich ihn morgens hinbringe, er geht in die Gruppe mit hängendem Kopf, total angespannt, wie ein Tier zur Schlachtbank. Ich könnte noch so viel schreiben…
    Mich interessiert, ob diese Plattform bereits besteht und man sich mit Anderen auszutauschen kann?
    Dein Beitrag hat mir aus der Seele gesprochen. Vielen Dank dafür. Es tut irgendwie“gut“ zu wissen, dass es auch andere Kinder gibt, die da durch müssen!
    Ganz liebe Grüße!

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Liebe Sarah, es freut mich sehr zu lesen, dass du den Text so nachempfinden kannst! Es ist schön zu wissen, dass man nicht alleine ist, oder? Mir geht das genauso. Die Plattform findest du hier: https://www.facebook.com/groups/169445973536179/ Die Gruppe ist geschlossen, aber du kannst gerne beitreten und ich füge dich hinzu. Liebe Grüße Jil

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