Zwei Dinge, die Eltern unbedingt wissen sollten

Der kleine Mann ist eigentlich gar kein so kleiner Mann mehr, denn er feierte kürzlich seinen vierten Geburtstag. Ich werde ihn deshalb auch hier nicht mehr so betiteln. Mein eigener Titel hingegen bleibt unverändert: Mama. Für den Rest meines Lebens werde ich seine Mama sein. Und ich bin es liebend gerne schon seit vier Jahren. Mal müder, mal glücklicher, mal wacher, mal genervter als sonst. Mein Leben hat sich verändert und an manchen Tagen weiß ich gar nicht mehr, wer ich eigentlich bin.

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Die letzten vier Jahre habe ich mich mit meinem Sohn entwickelt. Meine Gedanken und meine Sichtweise haben sich stark verändert. Heute möchte ich hier die beiden wichtigsten Erkenntnisse mit euch teilen, die ich in den vergangenen vier Jahren als Mama gewinnen durfte und bin der Meinung, das sollten alle (werdenden) Eltern gelesen haben. Ich behaupte nicht, dass meine Erkenntnisse das Non Plus Ultra sind oder man keine anderen Erkenntnisse gewinnen kann. Dennoch hätte ich mir gewünscht einen solchen Beitrag gelesen zu haben, als ich zum ersten Mal schwanger war. Mir wäre gewiss ein wenig Verzweiflung und Unsicherheit erspart geblieben, hätte ich folgende Dinge gewusst:

1. Es gibt kein Richtig oder Falsch

Für die Beziehung mit deinem Kind gibt es nur einen Experten: Du selbst. Niemand sonst kann dir sagen, was deinem Kind guttut, was es braucht, was ihm fehlt, was es glücklich macht. Es ist in Ordnung verunsichert zu sein, aber lass dich nicht von deiner Umgebung zu etwas hinreißen, das du eigentlich nicht befürwortest. Es ist in Ordnung Dinge auszuprobieren, aber höre auf dein Herz, ändere etwas, wenn du denkst, dass etwas nicht passt.
Ich habe in den letzten vier Jahren so, so oft irgendwelche Dinge ergoogelt. Ich habe nach Orientierung gesucht und mir gewünscht, dass mir jemand sagt, was ich tun soll oder mir die Verantwortung ein Stück weit abnimmt. Vieles habe ich ausprobiert und mich dann doch umentschieden. Ich musste meinen Sohn erst richtig kennenlernen um zu verstehen was es braucht und ich hoffe, er sieht es mir nach.
Es mag der leichteste Weg sein die Dinge so zu handhaben, wie es die meisten anderen tun. Das ist wohl immer so. Es mag aber nicht immer der richtige Weg sein. Sei mutig und vertraue auf dich. Trage dein Kind, wenn dir danach ist. Tröste es, wenn du denkst, dass es deinen Trost braucht. Es geht beim Elternsein nicht darum den eigenen Weg zu gehen sondern das Kind auf seinem Weg zu begleiten.

2. Nicht drängeln!

Jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Egal ob es darum geht Laufen zu lernen oder „Danke“ zu sagen. Lasse deinem Kind die Zeit, die es benötigt um Dinge zu entdecken und zu erlernen. Trickse und manipuliere nicht herum. Das kostet extrem viel Kraft und hilft am Ende oft gar nicht. Es sind die Kinder, die entscheiden und das Eingreifen der Eltern in den natürlichen Ablauf scheitert am Kind zum Glück häufig.
Um das zu verstehen habe ich einige Anläufe gebraucht. Eines von vielen Beispielen: Ich habe versucht unserem Sohn das Brei essen schmackhaft zu machen. Er hat es gehasst, wollte immer wieder gestillt werden, hat den Brei ausgespuckt. Um mich herum haben alle Kinder fleißig ihren Brei gelöffelt. Ich kam mir falsch vor und war etwas verzweifelt. Da ich ohnehin nichts ändern konnte, habe ich ihn einfach gelassen und mich versucht an ihm zu orientieren. Und zack, mit acht Monaten saß er an unserem Tisch, hat aus einem stinknormalen Becherchen getrunken und mit großer Freude von unseren Tellern gegessen. Die ganzen Brei-Mamas waren verblüfft und schielten etwas neidvoll auf unseren Sohn, der den Breibabys plötzlich einen weiten Schritt voraus war. (Das war nicht mein Ziel, aber so war es eben.) Ich habe im Laufe der Zeit gelernt locker zu lassen und ihn sein eigenes Tempo bestimmen zu lassen. So habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, ob unser Sohn schnell genug an Gewicht zunimmt oder ihn gewogen. Ich habe ihn zur Toilette begleitet als er es sich wünschte, nicht wann ich dachte, dass er bereit dazu sein sollte. Gerade ist das „Danke“ sagen ein Thema, das mich bewegt. Ich wünsche mir, dass mein Sohn sich bedankt, wenn man ihm etwas schenkt. Er selber sieht das anders. Wenn ich ihn drängel und ermahne, sich zu bedanken, tut er es entweder gar nicht oder bringt ein klitzekleines „Danke“ heraus, das mich nicht zufrieden stellt. Immer wieder versuche ich mich daran zu erinnern, dass er bisher durch mein Vorleben alles bestens erlernen konnte. Ich vertraue ihm, dass er sich zu seiner eigenen Zeit bedanken wird und ertrage bisweilen den ein oder anderen kritischen Blick von Außen. Es interessiert mich nicht mehr, was andere über mich oder mein Kind denken. Denn wie oben schon geschildert: Ich begleite ihn auf seinem Weg. Ich biete ihm Orientierung und zeige ihm, wie „man“ oder besser, wie ich es mache. Und so bin ich sicher, wird er eines Tages in den Situationen „Danke“ sagen, in denen ich es aus gesellschaftlich erforderlichen Gründen auch tue. Zu Hause bedankt er sich nämlich schon sehr lange für ganz tolle Dinge, die mich wirklich stolz und glücklich machen.
Drängeln kommt häufig erst durch den Vergleich mit anderen Kindern/Eltern, bei denen irgendetwas schneller oder besser zu laufen scheint. Aber wir sind eben nicht alle gleich und das ist schön so.

Lass deinem Kind seine Zeit. Vertraue ihm und ertrage, dass es nicht um dich sondern um dein Kind geht.

Die liebe BerlinMitteMom Anna ist übrigens schon ein bisschen länger Mama und hat eine wirklich herzliche Liste mit Dingen gemacht, die sie gelernt hat. Für die, die sie nicht kennen: Es lohnt sich sehr ihr zu folgen, also schaut mal rein <3

Was sind eure Gedanken und Erkenntnisse seit ihr Eltern seid? Was habt ihr gelernt? Was hättet ihr vielleicht gerne vorher gewusst? 

xo Jil

2 Replies to “Zwei Dinge, die Eltern unbedingt wissen sollten”

  1. Das ist ein ganz toller Artikel 🙂
    Ich selber bin seit 6,5 Monaten Mama, und musste diese Sachen auch schon lernen. Eigentlich wusste ich diese Sachen schon (ich arbeite im Kleinkind-Bereich und dachte ich wüsste sooo viel). Als meine Tochter geboren wurde war ich trotzdem sehr schnell verunsichert… Auf einmal spielte das Herz mit und nicht mehr nur der Verstand… Das änderte viel für mich. Ich sah wie andere Leute es machen… Und es war so ganz anders als wir es machen; machen wollten… Aber eigentlich passend für unsere Tochter. Es hat eine Zeit gebraucht bevor ich aufgehört habe auf Ratgeber zu hören und nur noch auf mein Herz, bzw auf unsere Tochter.
    Was ich mir auch immer wieder sage: „ich mache es jetzt weil es für mich und passt, und wenn es nicht mehr passt dann wird es einfach wieder geändert – es ist nichts in Stein gemeißelt und kann nicht mehr geändert werden“.

    Zum Glück gibt es so tolle Blogs wie deiner 🙂

    Lg

    1. vonherzenundbunt sagt: Antworten

      Liebe Cindy, ich freue mich, dass du in den letzten sechs Monaten so viel gelernt hast! Das ist wunderbar und deine Tochter kann sich glücklich schätzen! Denn dieser Erkenntnisgewinn macht das Elternsein viel entspannter, finde ich.
      Danke dir für dein Feedback und natürlich für dein Lob <3
      LG Jil

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