Zwei Monate Landleben mit Kindern – eine Zwischenbilanz

Landleben mit Kindern_Rheinhessen_Ausflugsziele

Seit ungefähr zwei Monaten leben wir jetzt mit den Kindern auf dem Land und ich kann es noch gar nicht so recht glauben. Besonders wenn ich morgens den Paketboten verpasse und das Paket mit dem Auto abholen fahren muss. Oder wenn ich abends nach 20 Uhr einkaufen möchte. Oder wenn ich am Nachmittag was mit den Kindern unternehmen möchte. Oder wenn ich aus dem Wohnzimmerfenster schaue und einfach ganz viel Himmel sehen kann.

Meine ersten Lebensjahre habe ich auf dem Land verbracht und bin dann in die Stadt gezogen. Ich bin es demnach gewohnt alles jederzeit und überall haben zu können. Eine Tatsache, an die man sich schnell gewöhnt, die ich aber im Grunde meines Herzens überhaupt nicht mag.

Aber zurück zum eigentlichen Thema..

Kinder und Landleben – wie ist das so?

Ein paar Tage nach unserem Umzug ging bereits für beide Kids die Eingewöhnung im Kindergarten los. Ein ziemlich krasser Start. Wir hatten weder Küche noch Brotboxen und unser Bett stand im Wohnzimmer zwischen Kisten. Aber hey.. Der Kindergarten war irgendwie eine nette Abwechslung für uns. Neue Menschen kennenlernen, eine andere Umgebung erfahren und mal nicht auf Umzugskisten starren. Wie die Eingewöhnung genau ablief, habe ich ja bereits erzählt und darum soll es gar nicht gehen. Deshalb kannst du gerne hier nachlesen.

In unserer vorherigen Mietwohnung haben wir auf 105qm gelebt und es kam mir alles unglaublich eng und klein vor. Nun leben wir auf 130qm wovon wir aktuell ebenfalls nur 100qm nutzen können, weil beide Kinderzimmer noch nicht fertig sind. Das Wohnen fühlt sich aber so viel freier an. Die Kinder kommen jeden Tag aus dem Kindergarten nach Hause und möchten einfach gerne zu Hause spielen. Es herrscht eine völlig andere Stimmung! Ich habe das Gefühl Max und Luise sind deutlich genügsamer und insgesamt ausgeglichener, mal ganz abgesehen vom Wetter, das uns derzeit ohnehin oft zwingt uns drinnen aufzuhalten. Die Kinder bewegen sich hier jedenfalls viel freier als zuvor, was mir deutlich auffällt und mich freut. Ob das nun tatsächlich am Leben auf dem Land liegt, weiß ich gar nicht so recht. Unsere alte Wohnung war wie gesagt sehr beengt und die Räume schlecht aufgeteilt. Ein Teil unserer Wohnung befand sich im Kellergeschoss, wo sich beide Kinder nie gerne aufgehalten haben. Vielleicht ist es aber auch einfach die Umgebung hier, die die beiden sich frei fühlen lässt? Die Luft? Die Menschen? Ich weiß es nicht, aber es fällt auf.

Mit Kindern auf dem Land leben_Wo wohnt es sich mit Kindern am Besten_Stadt oder Land

Was Dorfkinder so in ihrer Freizeit tun

Auch wenn Max und Luise aktuell noch genügsam sind, frage ich mich immer: Wann kommt der Tag, an dem sie Action wollen? Und was zur Hölle tun wir dann? Wir sind es gewohnt, dass diverse Ausflugsziele in kurzer Zeit erreichbar sind. Egal ob der Mannheimer Luisenpark oder verschiedene Alla Hopp-Spielplätze. Der Badesee war im Ort, der Indoorspielplatz ebenso. Alles war irgendwie in 10 bis maximal 20 Minuten für uns erreichbar.

Jetzt muss ich erst mal nach neuen Ausflugszielen Ausschau halten. Ich berichte gerne und freue mich sehr über Tipps. Aber alles, was wir uns vorher mühsam in unsere Ausflugsziel-Liste eingebastelt haben, ist nun etwas weiter weg. Bisher stelle ich aber fest: So groß wie zuvor ist die Auswahl hier defintiv nicht. War ja irgendwie auch klar.
Es gibt keinen Indoorspielplatz, den man im Notfall anpeilen könnte und auch sonst gibt es außer Schwimmbädern noch nicht viel, das ich als „Ausflugsziel“ bezeichnen würde – schon gar nicht in einer erträglichen Entfernung. Eine unglaubliche Umstellung, wenn man vorher alles vor der Tür hatte. Es gibt also noch viel zu entdecken – hoffe ich!

Wer was erleben will, muss erfinderisch sein, oder nicht?

Aktuell hänge ich noch etwas in der Ernüchterungsphase fest. Natürlich weiß ich, dass auf dem Land grundsätzlich weniger los ist. Aber wir sind ja nicht so richtig auf dem Land, so dass ich schon etwas mehr erwartet hätte. Wenigstens einen schönen Spielplatz oder so, auf dem man sich nachmittags aufhalten kann. Vielleicht bin ich aber auch einfach verwöhnt.

Und überhaupt weiß ich gar nicht, ob die Ausflugsziele nicht vielleicht nur mir selber fehlen, den Kindern aber nicht? Brauchen die beiden überhaupt diese Auswahl wie wir sie zuvor gewohnt waren? Ich selber bin ja auch auf dem Land großgeworden, und zwar so richtig auf dem Land! Mitten in der Eifel. Ich erinnere mich nicht, dass ich mich früher über das mangelnde Angebot an Freizeitaktivitäten beschwert hätte – jedenfalls nicht als Kind. Ich habe viel draußen gespielt und es hat nie irgendwas gefehlt. Ich war es aber auch nie gewohnt.

Irgendwann werden wir hier auch einen Garten haben, in dem wir uns aufhalten können. Nachbarn, mit denen wir uns treffen können. Vielleicht braucht es gar keine fancy Ausflugsziele. Und ohnehin ist es besonders für den hochsensiblen Max vielleicht gar nicht so schlecht, dass wir uns nicht jeden Tag wo anders rumtreiben.

Es ist wohl eher einfach eine Umstellung (für mich) und ich gewöhne mich langsam daran.

Der Duft der Freiheit

Insgesamt finde ich es aber einfach großartig mit den Kindern hier zu sein. Wir können zu Fuß zum Kindergarten laufen oder auf der Straße spielen. So, wie ich es mir für die Beiden gewünscht habe.

Wir sind umgeben von Weinbergen, können aus dem Badezimmerfenster den Sonnenaufgang beobachten und aus dem Wohnzimmer den Pferden auf der Koppel „Guten Morgen“ sagen.

Landleben mit Kindern_Rheinhessen_Ausflugsziele

Für die Kinder finde ich das Leben auf dem Land einfach wunderbar. Ein Stück Idylle, irgendwie. Ich empfinde es als großen Luxus, dass meine Kinder in einer so ruhigen Umgebung aufwachsen können, in der man die einzelnen Elemente der Umgebung bewusst wahrnehmen und erfahren kann. Gleichzeitig erleben sie natürlich nicht eine so gewaltige Vielfalt wie in der Stadt. Wir können auch nicht mal eben kurz 10 verschiedene Spielplätze anpeilen. Letzte Woche zwischen Schnee und Lungenentzündung fiel uns hier gewaltig die Decke auf den Kopf. Mal eben kurz ein neues Kinderbuch kaufen ist nicht.

Die ständige Verfügbarkeit von so ziemlich Allem ist wohl eher mein persönliches „Problem“. Ich bin es anders gewohnt, freue mich aber, nicht mehr permanent dem Konsum ausgesetzt zu sein. Ich kaufe deutlich überlegter ein und laufe nicht jede Woche in die Mall um Kinderbücher oder sonst irgendwas zu kaufen, das wir eigentlich in Hülle und Fülle besitzen. Shoppen ist irgendwie besonderer und gleichzeitig sinnvoller geworden. Darüber habe ich fest vor bald mehr zu schreiben. Ich freue mich zum Beispiel auch total, wenn ich am kommenden Wochenende in die Mall zum Shoppen fahren kann, weil es nichts Alltägliches mehr ist und ich dadurch bewusster lebe. Genau das, was ich mir für die Kinder und mich gewünscht habe: Ein bewusstes Leben, das nach Freiheit riecht.

Eine tolle Entwicklung, die unserem Geist sehr gut tut und ich werde sicher bald noch mal eine Zwischenbilanz ziehen.

 

Wie lebt ihr? Stadt oder Land? Irgendwo dazwischen? Was schätzt ihr an eurer Wohnsituation besonders? Und an alle, die in der Stadt leben: Kann man es auch in der Stadt schaffen diese Freiheit zu spüren?

xo Jil

Mehr zum Thema Stadt- und Landleben mit Kindern gibt es hier.

Schreibe einen Kommentar